15. (4. ordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres. 513
Die geschäftliche Sitzung des Verbandes wurde am Sonnabend Vormittag mn 10 Ubr durch den Vorsitzenden Prof. Dr. Mogk-Leipzig mit einer Begrüßung der Vertreter eröffnet. Von 20 dem Verbände an- gehörigen Vereinen waren 16 vertreten, u. a. der Berliner Verein für Volkskunde (Prof. Dr. Rödiger), die königl. Sammlung für Volkskunde (Dr. Brunner), der Verein dieser Sammlung (H. Sökeland), die Berliner Anthropologische Gesellschaft (Dr. Träger), die hessische Vereinigung für Volkskunde (Prof. Dr. Helm), die Vereine für badische und für rheinisch-westfälische Volkskunde (Prof. Dr. Kahle und Prof. Dr. Sartori), das Leipziger und das Hamburger Museum für Völkerkunde (Prof. Dr. Mogk und Dr. Preßler), der Hamburger Altertumsverein (Direktor Dr. Lautier), die schlesische Gesellschaft für Volkskunde (Prof. Dr. Siebs), der sächsische Verein für Volkskunde (Prof. Dr. Seyffert), der Verein für Egerländer Volkskunde (Prof. Dr. Häuften) und die schweizerische Gesellschaft für Volkskunde (Prof. Dr. II oft) nann-Krayer). Nachdem der Vorsitzende den Geschäfts- und Rechnungsbericht erstattet und mitgeteilt hatte, daß die Verbandsmitglieder Prof. Gallait, Elard H. Meyer, Prof. Al brecht Dieterich und Geh. Rat Lissauer verstorben seien, folgte ein Bericht der Kommission für die Aufzeichnung der deutschen Volkslieder, demzufolge nur wenige Einsendungen auf die abgeschickten Fragebogen eingegangen sind. Der sächsische und der badische Verein für Volkskunde sind in dieser Beziehung sehr tätig gewesen, aber es bedarf noch großer Anstrengungen, wenn das geplante Werk einer vollständigen Sammlung deutscher Volkslieder zustande kommen soll. Von der Kommission zur Vorbereitung einer Sammlung der Zaubersprüche und Segen des deutschen Sprachgebiets waren eine Anzahl Leitsätze hierfür aufgestellt worden, von denen die Versammlung Kenntnis nahm und denen sie, abgesehen von geringen redaktionellen Änderungen, ihre Zustimmung erteilte. Die Zeitschriftenschau über die volkskundlichen deutschen Zeitschriften ist von der hessischen Vereinigung bis zum Jahre 1905 bearbeitet worden, die weitere Herausgabe stößt aber auf Schwierigkeiten, da es die Kräfte eines einzelnen Vereins übersteigt, ein solches Werk zu bewältigen. Es muß deshalb nach Mitteln gesucht werden, um die Herausgabe der Zeitschriftenschau durch den Verband zu ermöglichen, und das geplante Werk muß zunächst liegen bleiben, ebenso ist von einer Bibliographie der volkskundlichen Literatur des 19. Jahrhunderts Abstand genommen worden. Um die Mittel hierzu, sowie zur Sammlung der Volkslieder aufzubringen, wird vom Vorstand vorgeschlagen, dem Reichskanzler eine Denkschrift nebst einer Petition um Unterstützung zu überreichen und als Zweck der in Höhe von 5000 Mark erbetenen Beihilfe ausschließlich die Samlung deutscher Volkslieder an- zugeben. Die Versammlung ist mit diesem Vorschläge einverstanden und spricht den Wunsch aus, daß der Vorstand außerdem im Reichsamt