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15. (4. ordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.
des Innern persönlich vorstellig werden möchte, weil hierdurch das Gesuch in geeigneter Weise unterstützt werden könne. Bei der Vorliebe des Kaisers für das deutsche Volkslied sei die Gewährung einer Beihilfe aus Reichsmitteln wohl zu erwarten und bei geeigneter Gelegenheit könne man vielleicht wegen Unterstützung zur Herausgabe der Zeitschriftenschau vorstellig werden.
Auf Anregung des Vorsitzenden wurde von der Versammlung die Absendung nachstehenden Telegramms an den Kaiser beschlossen: „Ew. Majestät, dem Schirtnherrn deutscher Art und Kunst, huldigt der in der Keichshauptstadt tagende Verband deutscher Vereine für Volkskunde aus allen Ländern deutscher Zunge, der sich die Stärkung alten Volkstums und seine wissenschaftliche Bearbeitung zur Aufgabe gestellt hat. Prof. Dr. E. Mogk. Prof. Dr. M. Rödiger.“ Auf dieses Iluldigungstelegramm traf ain Nachmittage folgende Drahtantwort ans Rominten ein: „Se. Majestät der Kaiser und König nehmen lebhaftes Interesse an den Bestrebungen deutscher Vereine für Volkskunde, erhoffen von der diesjährigen Tagung fruchtbare Anregungen und lassen für den Huldigungsgruß bestens danken. Auf Allerhöchsten Befehl. Der Geheime Ka- binetsrat i. V. v. Berg.“
Im weiteren Verlauf der geschäftlichen Sitzung wurde beschlossen, der Aufforderung zur Beteiligung an einer internationalen Vereinigung volkskundlicher Verbände, die vom folkloristischen Forscherbunde (F. F.) in Skandinavien ausgegangen ist, insoweit zu entsprechen, daß die Einzelvereine ihre Mitglieder auf die Vorteile der internationalen Vereinigung aufmerksam machen und ihre wissenschaftlich tätigen Mitglieder zum Beitritt auffordern sollen. Ferner wurde beschlossen, daß die vom Verbandstage eingesetzten Ausschüsse zur Bearbeitung irgend welcher Abschnitte der Volkskunde auch nach Beendigung ihrer Sammeltätigkeit bestehen bleiben sollen, um gegebenenfalls jederzeit zur Unterstützung herangezogen werden zu können. An Stelle des 190(1 verstorbenen Prof. Strack in Gießen wurde Prof. Max Friedländer als drittes Mitglied in die Volkslieder-Kommission, der Prof. Bolte-Berlin und Prof. I. Meier- Basel angehören, gewählt; auf Antrag des Vorsitzenden Prof. Dr. Mogk beschlossen, Abbildungen und graphische Darstellungen der immer mehr verschwindenden Getreidepuppen zu sammeln, und auf Vorschlag des Dr. Preß- ler-llamburg, die geographisch-kartogrophische Niederlegung der Ergebnisse der volkskundlichen Forschung in Angriff' zu nehmen. Nachdem dann Geh. Reg.-Rat E. Friedei als Vertreter der „Brandenburgia“ eine von dieser Gesellschaft gewidmete Festschrift „Beiträge zur Volkskunde“, mit Arbeiten von Friedei, Albrecht, Wienecke, Schulenburg, Weinitz und Mielke, überreicht und Prof. Kahle-Heidelberg mitgeteilt hatte, daß der badishe Verein für Volkskunde sich mit dem badischen Verein für sozial Wohlfahrt auf dem Lande m einem Vereine „Badische Heimat“