15. (4. ordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.
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verschmelzen werde, wurde Graz als Ort für die nächste Tagung gewählt und der bisherige Vorstand — Prof. Mogk-Leipzig, Prof. Seyffert-Dresden und Oberlehrer Dr. Dähnhardt-Leipzig — durch Zuruf einstimmig wiedergewählt.
Nach Schluß der geschäftlichen Sitzung hielt Prof. Dr. A. Häuften aus Prag einen \ ortrag über das Volkslied in Österreich und seine vorbereitete Ausgabe, in dem er eine Übersicht über die in Österreich gesungenen Volkslieder nach Inhalt und Mundarten gab und die Sammeltätigkeit in den einzelnen Gebieten schilderte. Es gibt dort meist dieselben Volkslieder wie in Deutschland, nur werden sie in mundartlicher Färbung gesungen, und zwar im südlichen Österreich und in den Alpenländern fast ausschließlich in der heimischen Mundart, unberührt von der Schriftsprache, während im nördlischen Österreich teils mundartlich gefärbte Volkslieder, teils solche in der Schriftsprache Vorkommen. Vielfach sind in den Volksliedern auch zwei Mundarten mit einander verschmolzen oder die Schriftsprache mit der Mundart vereint worden. Viele Volkslieder sind bereits gesammelt und im Druck herausgegeben worden, zwar besitzt jedes Kronland eine oder mehrere eigene Sammlungen, aber die meisten dieser Veröffentlichungen enthalten leider keine Singweiseu.
Am Sonnabend den 3. nachmittag fand in der Ressource eine öffentliche Versammlung des Verbandes statt, die von dem Vorsitzenden Prof. Dr. Mogk-Leipzig mit einer Ansprache eröffnet wurde, in der er das Verhältnis der Volkskunde zu den einzelnen Wissenschaften charakterisierte. Die wissenschaftliche Volkskunde ist erst einige Jahrzehnte alt und wird von manchem Vertreter der exakten Wissenschaften nicht für gleichberechtigt angesehen, aber diese Anschauung ist einseitig, denn die Volkskunde hat in der kurzen Zeit bereits vieles geleistet, was für die einzelnen Zweige der Wissenschaften von Nutzen ist und zur Klärung und Richtigstellung früherer Ansichten beigetragen hat. So haben die Sammlungen von Götter- und Heldensagen, von Märchen und Fabeln, von Volksliedern und Zaubersprüchen und die darüber angestellten Untersuchungen neues Licht auf den Ursprung vieler religiösen Anschauungen geworfen und der Religionswissenschaft Stoff zu weiteren Forschungen geliefert, so haben die Aufzeichnungen aus dem Gebiete der Volksdichtung, welche die Volkskunde veranlaßt hat, der literargeschichtlichen Forschung große Dienste geleistet und in gleicherweise hat die Sprachwissenschaft erhebliche Förderung erfahren durch die Sammlung und Aufzeichnung der Liedertexte in den einzelnen Mundarten, durch Aufzeichnung von Personen- uud Ortsnamen, von Fiurbezeichnungen und von volkstümlichen Benennungen der Tiere, Pflanzen und Gesteine, sowie der Haus- und Wiit- schaftsgeräte usw. Die Dialektforschung hat große Fortschritte gemacht, und ihre Ergebnisse sind wiederum vorteilhaft für die Kulturgeschichte und