15. (4. ordentliche) Versammlung des XVII, Vereinsjahres. 531
Gi ündlichkoit, hat das Für und Wider derselben geprüft und mehrere neue Angaben aus den erwähten Oertlichkeiten hinzugefügt. Die Ausstattung mit Tafeln und Textabbildungen ist vorzüglich. Die Funde sind zweifellos diluvial.
XVIII. Dr. Albert Kiekebusch: „Einfluß der römischen Kultur auf die germanische im Spiegel der Hügelgräber des Niederrheins. Nebst einem Anhang: Die absolute
Chronologie der Augenfibei“. Zur Doktorpromotion Berlin
deu 29. Februar 1908. — U. M., Schüler u. M.’s Professor Dr. Kossinna, und betraut mit der wissenschaftlichen Ordnung der vorgeschichtlichen Abteilung des Märkischen Museums, hat sich durch diese hervorragende Inaugural-Dissertation bestens in den Reigen der Vorgeschichtler eingeführt. Da die römische kaiserzeitliche Kultur auch für die Provinz Brandenburg mehrere Jahrhunderte hindurch von Wichtigkeit gewesen ist, so springt die Wichtigkeit der umsichtig und kritisch, unter Beherrschung des Materials ausgeführten Untersuchung auch für unsere Provinz in die Augen. Bezüglich der Chronologie sagt Verfasser: Einer verblaßten llallstattkultur gehören die niederrheinischen Hügelgräber unzweifelhaft an; nur darf man sie nicht etwa alle der ältesten Eisenzeit, der sogenannten jüngeren Hallstattzeit zuweisen wollen, die ja heute ganz allgemein bis zum Jahre 500 v. Chr. gerechnet wird. Ich hoffe beweisen zu können, daß diese llallstattkultur auch durch die letzten vorchristlichen Jahrhunderte (die La Tene-Zeit) fortwirkte — und zwar bis hinein in die römische Kaiserzeit, daß also die Träger der Hügelgräberkultur auch zur Kaiserzeit noch auf der Stufe der Hallstattkultur standen. — Dieser Beweis scheint auch mir durch K. erbracht.
Tacitus hat bei seiner Schilderung nur die Hügelgräber der Ist- vaeonen d. h. der Rheingermanen im Sinne gehabt, die kulturell ihren erbitterten Feinden, den Kelten, gegenüber im Rückstände blieben, während unsere Elbgermaneu (Hermioner) sich die ganze reiche Eisentechnik der La Tene-Kultur zueigen machten, deshalb auch den römischen Heeren uugleich bessern Widerstand leisteten. (S. 63 u. 64.)
Hinsichtlich der Augenfibeln (Spangen, deren Bügel oben auf der Außenseite ein Augenpaar zeigen), entscheidet K. sich für deren germanischen Ursprung. Auf die späteren Umbildungen scheint die provinzialrömische Kultur nicht ohne Einfluß gewesen zu sein. (S. 75.)
XIX. In dem zirkulierenden Heft 4 der Zeitschrift für Volkskunde, XVIII. 1908, welche der uns befreundete Verein für Volkskunde unter der vortrefflichen Schriftleitung des Herrn Prof. Dr. Johannes Bolte herausgibt, mache ich insbesondere auf zwei Artikel aufmerksam. Luise Gerbing: Die Thüringer Volkstrachten, und den auch für uns wertvollen Aufsatz von Paul Sartori: Das Wasser im Totengebrauch.