Heft 
(1908) 17
Einzelbild herunterladen

Neuruppinische Leichenpredigten.

Von Amtsgerichtsrat Arno Bötticher in Frankfurt a/Ö.

Verfasser ist iu seinen Mußestunden Geneologe, Familiengeschichts­forscher. Er hat noch kurz vor Beginn des neuen Jahrhunderts nach einer Arbeit von fast zwanzig Jahren unter Ausnutzung aller der Fa- inilienforschung dienenden Hilfsmittel eine Geschichte seiner, anfangs ihm nur bis zum Großvater hinauf bekannten Familie zusammengebracht und abgeschlossen, die nachweisbar und urkundlich bis zu dem Anfänge des 17. Jahrhunderts, also bis über den dreißigjährigen Krieg, diesen verderblichen, gerade für Familienforscher fast unüberbrückbaren Zeit­einschnitt, und mit größter Wahrscheinlichkeit bis in die Mitte des l<3. Jahrhunderts zurückgeht. Er hat durch diese Arbeit Liebe und Interesse für Familienforschung überhaupt gewonnen und behalten, bereits durch einen in der ZeitschriftDie Woche (1902 Nr. 31) unter der fra­genden ÜberschriftWoher stamme ich? veröffentlichten Aufsatz in weitere Kreise zu tragen versucht und zu diesem Zwecke in dem Auf­sätze insbesondere auch die Hilfsmittel aufgezählt, mit denen der Fa­milienforscher zu arbeiten hat.

Zu diesen Hilfsmitteln gehören auch die Leichenpredigten. Sie befinden sich bis vor kurzem fast versteckt im Privat- und Bibliothek­besitz. Es war üblich, daß Leichenpredigten gedruckt und unter Ver­wandte und Bekannte verteilt und namentlich unter den Predigern aus­getauscht wurden, und hauptsächlich die Prediger waren es wohl, die die Leichenpredigten nach und nach sammelten und dann Büchersamm- luugen, Bibliotheken zuführten. Daher erklärt es sich auch, daß z. B. in der Marienkirchenbibliothek in Frankfurt a.O., das außerdem durch Universität und Messe viele und weitreichende Beziehungen hatte, Leichenpredigten aus den Gegenden von Straßburg und Colmar i. E. bis Königsberg i. Pr., von Stralsund bis Nürnberg und von Hamburg bis Brieg sich befinden. Die bekannteste und wohl auch größte Sammlung von Leichenpredigten haben die fürstlich und gräflich Stolbergschen Bibliotheken und Archive