Neuruppinische Leichenpredigten.
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Die Tochter Dorothea starb am Weihnachtsabend 1626 kurz vor ihrer Verlobung; M. Joachim Schwartzkopff hielt ihr die Leichenpredigt. Er wurde 1608 Gildemeister, 1618 Mitglied des Schöppenstuhls und 1620 Mitglied des Rats und 1624 Vorsteher der Pfarrkirchen. Durch Arbeit und Erbschaft war er ein wohlhabender Mann geworden, der „sich doch dessen nicht stolz überhoben, sondern demüthig vnd milde dabey gewesen.“ Dem Kirchenministerio vermachte er 100 Gulden, deren 6 Gulden Zinsen jährlich auf Luciae verteilt werden sollten.
Der Leichenpredigt sind Nachrufe nicht beigegeben.
5. Daciditf cordolüun a cordiale, Davids Labsall und Trübsall/ Auß den schmertzlichen Klagworten Davids /Psalm 25 v. 17 seqq. Die Angst meines Ilertzens ist groß / u. s. w. Bey Christlicher Leich-Begängniß des Erbarn vnd Wolgeachten Joachimi Schmiedes, Vornehmen Patritij «ler Stadt Newen Ruppin J Welcher den 11. August! des Morgens frühe zwischen 4. vnd 5. Vhr j des 1638. Jahi’es/im PIErrn seelig entschlaffen/ vnd den 14. ejusdem mit Christlichen Ceremonien beerdiget worden, Allen hochgeengsteten Davids-Hertzen / derer es bey grafsirender Pest- vud Sterbensnoth sehr viele gegeben, damals in einem kurtzen Buch- Svnnon cxpliciret, vnd im seligen gebrauch appliciret, Itzo aber dem hochbetrübten Vater sampt seinen lieben Töchtern zum sonderbahren Trost vnd Ilertzsterkung auff sonderbahres Begehren publiciret von J/. Joachimo Schwartzkopff u. s. w. Gedruckt zum Berlin / im Jahr 1689.
Der Verstorbene war am ersten Advent 1615 in Neu-Ruppin geboren, also nur 22 Jahre alt geworden, und der Sohn des Bürger und Kaufmann Erdmann Schmidt in Neu-Ruppin und der Anna Hansin; die Großelternpaare waren der Handelsmann Joachim Schmidt und Elisabeth Bossow in Wittstock und der Bürgermeister Thomas Hanß und Sabine Kriele in Neu-Ruppin. Er sollte studieren, wurde dann aber, als sich herausstellte, daß er sich hierzu nicht eigne, vom Vater im Handelshause des Johann Bußmann in Hamburg untergebracht. „Weil aber sein Vater zu seinem weitleufftigen Handel vnd schweren Haußhaltung ihn nicht lange entrathen können/'hat er ihn wieder zu sich genommen /vnd zu seinem Handel gebrauchet/ worin er sich dann bey Tag und Nacht J in vielen gefährlichkeiten Leibes und Lebens / willig und unverdrossen erwiesen vnd seine lieben Eltern manchen gang vnd aufstehen J in ihrem herzunehmenden Alter benommen.“ Schwer erkrankt kehrte er von einer Geschäftsreise nach Wittstock zurück und erlag in vierzehn Tagen der damals herrschenden Pest. Außer den Eltern hinterließ er die vier Schwestern Anna, Sabina, Elisabeth und Regina. Nachrufe sind der Leichenpredigt nicht beigegeben.