Aus der Mundart.
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burgischen Wörterbuchs zum Ziel gesetzt habe, gleich bei meinem ersten Auftreten in dem Organ der Gesellschaft für die Heimatkunde der Provinz Brandenburg solche Ausblicke eröffne, so hoffe ich, dadurch das Interesse für die wichtige Arbeit der Sammlung des mundartlichen Wortschatzes rege zu machen. Diese Arbeit muß zunächst sich bei der möglichst lautgetreuen Festlegung der Lautformen fast eines jeden Dorfes in der Mark bescheiden und bedarf daher der Unterstützung weiter Kreise der Bevölkerung. Für diese sollen die Beiträge, die nach Maßgabe des mir hier zur Verfügung stehenden Materials fortlaufend in der Brandenburgs erscheinen werden, werben.
Das Dorf Gerzlow im Kreise Soldin kennt die Form Bracht- schelle (drachtsel) und stellt sich damit zur hinterpommerschen Mundart, in der sei das Übliche ist. sei wie tyd (kyr, h§i) Kette, das demnächst im Hinterpommerschen auftritt, lassen nicht mehr erkennen, ob die Vorstufe Wede hier auch bestanden hat.
Aus dem Dorfe Klettwitz, Kr. Calau (N.-L.), wird Kappe angeführt; linsJclampo in Neuendorf im Sande, Kr. Lebus, weist nach dem mitteldeutschen Westen, da es als Iclampo für Wiepersdorf im Kreise Schweinitz, Regbez. Merseburg, bezeugt ist.
Für die Tülle kenne ich nur aus Gerzlow, Kr. Soldin (Nmk.), das Wort dül: Bärwalde wie Loppow besitzen das merkwürdige lorwj, über dessen Herkunft noch ein Schleier liegt. Anklingt das Wort lödlstaf Lünsstab aus dem posenschen Putzig im Netzebruch.
Für das im Niederdeutschen allgemein geltende Lünse (altsächsisch hmisa ) hat das oberdeutsche die s-lose Form lun. Diese kommt naturgemäß in der Mark nicht vor, wenn auch der erste Anschein Lautformen wie das neumärkische hvstaf meiner Heimat, lin- staf des Kreises Lebus, Lünnstab aus Drossen (West-Sternberg), lün- slTjb aus dem uckermärkischen Templin und den lünstölcn aus Pritz- walk und Königsberg (Ostprignitz) dazustellen möchte. Zugrunde liegt auf rein niederdeutschem Boden stets das alte niederdeutsche Lünse, dessen e ausgefallen und dessen s sich an den folgenden Zischlaut angeglichen hat. Die volle, überdies noch flektierte Wortgestalt besitzt Giilpe (Westhaveiland) in Lünsenstäk’n (mit offenem a). In Linsstoake m. aus Dahme, Kr. Jüterbog - Luckenwalde, und lins- Spis, linsstaf aus Neu-Golm, Kr. Beeskow - Storkow, ist die ursprüngliche Form erhalten. Wie der lange Vokal in dem neumärkischen linstaf aufzufassen ist, darüber kann man weiteres im nächsten Heft des Niederdeutschen Korrespondenzblattes nachlesen, wo ich die lautliche Seite des Wortes Lünsstab behandele. Hier gehe ich darauf nicht ausführlich ein. Nur kurz sei noch angedeutet, daß sich die Form lästay aus dem westprignitzischen Boberow, die sich E. Mackel in seiner verdienstvollen Arbeit „Die Mundart der Prignitz“, Nieder-
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