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Dr. H. Tevichert.
deutsches Jahrbuch 31, 65—164; 32, 1—54; 33, 73—105 auf S. 31, 140 nicht zu deuten getraut hat, durch die im Niederdeutschen übliche Ersatzdehnung nach dem «-Schwund vor Reibelaut erklärt, einen Vorgang, der das einfache Wort Lünse nirgends betroffen hat. Den Beweis habe ich a. a. 0. durch hinterpommersche Formen wie Igaspet erbracht. Durch nachträgliche Kürzung des ersten Bestandteils ist daraus wieder Lösspett in Gerzlow, Kr. Soldin, entstanden, eine Form, die ins Hinterpommersche weist.
Wie leicht Mangel an sprachlicher Schulung oder dialektgeographischem Überblick irren kann, hat mir vor Jahren ein Artikel in einem Berliner Blatte gezeigt, wo eine Form wie lintstahn (Ruppin), deren t ein gewöhnlicher Einschub des Wohlklangs wegen ist, als .Lindenstaken’ gedeutet und behauptet wurde, man habe früher offenbar gern Lindenholz zum Lünsstabe gewählt.
In den Kreisen Jüterbog - Luckenwalde und Beeskow - Storkow begegnet Lünse mit scharfem s-Laut (Neu-Golm: linsd), und die Affrikata z (tz) scheint mit der Schreibung Hinze (Blankensee bei Treuenbrietzen) und IAnze (Kloster Zinna; ebenso wieder im merse- burgischen Wiepersdorf [ Linzen ]!) gemeint zu sein. Über diese Erscheinung wage ich zur Zeit noch kein Urteil.
Etwas ganz anderes ist der Lenstab von Krämersborn, Kreis Krossen. In ihm steckt das mitteldeutsche Leuchse, das die Runge bedeutet. Im Thüringischen ist Stemmleuchse in seinen verschiedenen Abwandelungen gebräuchlich. Dieses Wort Leuchse gilt in dem mitteldeutschen Teile der Mark. Der Lünsstab heißt danach in Klettwitz, Kr. Calau, Stemmleiste ,Stemmrunge 1 ; -leiste ist darin eine volkstümliche, durchsichtige Umdeutung von Leuchse. Über die anscheinende Affrikata in Leuzwiete ,Rungenrute‘, d. h. Trageband (Krämersborn, Kr. Krossen), die sich lautlich nicht gut deuten läßt, empfiehlt es sich erst auf Grund eines größeren Materials zu sprechen.
Ältere Benennung als ttnstaf ist in meiner Heimat llnspet. Dieses Spet ist die gleiche Form wie das nhd. Spieß und mit spitz nahe verwandt. In Neu-Golm finden wir bereits das mitteldeutsche linsspis; lenspis gilt in Gräbendorf bei Groß-Besten, Kr. Teltow. Sonst könnte auch - Split oder - spiet Vorkommen, das zu spleißen gehört. Doch ist eine solche Form bisher in der Mark noch nicht belegt. Neben - Staf, - Stglc’n ,- staken', - Star), die oben mitgeteilt sind, wäre noch -pgl, ,-pfähl' denkbar.
Doch die ganze Fülle der in der Mark vorhandenen Wörter und Wortformen kann man nicht vorausahnen; welche Überraschungen möglich sind, lehren u. a. die Veröffentlichungen aus dem Archiv des Rheinischen Wörterbuchs.