Heft 
(1917) 25
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Siedlungsarchäologische Übungen und Studien

0. von Linstow: Brei Beispiele auffallender Abhängigkeit der Ortsanlagen von der geologischen Beschaffenheit der Umgegend. (Mit 1 Karte und 2 Figuren im Text). (Mitteilungen des sächsisch­thüringischen Vereins für Erdkunde zu Halle a. S. Herausgeg. von Adolf Schenk 1913 S. 111118).

Dieser Arbeit des hervorragenden Geologen (mit dem 37. Jahr­gange derMitteilungen [1913] erst im April 1916 ausgegeben) muß auch jeder Märker Interesse entgegenbringen, sind doch zwei unter den drei Beispielen mäikischen Landschaften entlehnt. Gleich das erste Beispiel betrifft die Gegend von Berlin (S. 111113). Die kurzen Auseinandersetzungen über diesog. Urstromtäler, das Warschau-Berliner Tal im besonderen und die schon seit Klöden erkannte günstige Lage Berlins an der Stelle, wo die Ränder das Tal am engsten einschnüren, bietet nichts Neues. Zur Feststellung der ersten Ansiedlungen im Tal geht v. Linstow ganz richtig auf die vor­geschichtlichen Funde zurück und kommt an der Hand der bekannten Friedelschen Arbeit (Vorgesch. Funde aus Berlin u. Umgebung. Schrift. d.Ver. f. d. Gesch. Berlins 1880) zu Schlüssen, die er in folgende kurze Sätze zusammenfaßt: Die vorgeschichtlichen Fundeverteilen sich derart auf Plateau und Niederung, daß die Steinfunde und Bronze­funde in der überwiegendsten Mehrzahl dem höheren, die Eisenfunde dem tieferen Lande angehören. Demnach muß man annehmen, daß bis zum Ende der Bronzezeit die Niederung noch soweit von den Gewässern des Warschau-Berliner Urstromtales über­flutet wurde, daß dauernde Siedlungen ausgeschlossen waren. Erst während der Eisenzeit sank der Wasserspiegel so tief, daß gelegentlich Siedlungen in diesem alten Strombette Platz greifen konnten. Jener Urzustand der Niederungen ist wohl der Grund gewesen, daß sich historisch beglaubigte Nachrichten erst verhältnismäßig sehr spät vorfinden (Berlin 1244). Diese auf den ersten Blick für einen Nicht­eingeweihten so überzeugend wirkenden Schlüsse sind vom ersten bis zum letzten Worte unbedingt irrtümlich. Sie beweisen nur, welche hervorragende Aufgabe der richtig erfaßten Siedlungsarchäologie für die Folgezeit zufallen muß und welche Bedeutung ihre Ergebnisse auch für die geologische Wissenschaft haben werden. Schon an der Hand der Friedelschen Arbeit hätte der Verfasser zu ganz anderen Anschauungen kommen müssen. In meinem Vortrage in der Berliner Anthropologischen Gesellschaft (15. April 1916; Zeitschrift für Ethnologie Bd. XLVIII), der natürlich von Linstow nicht mehr berücksichtigt werden konnte, habe ich jedoch ausführlich auseinander­gesetzt, wie gerade die zahlreichen Spuren vorgeschichtlicher Siedlungen auf fast allen Bodenerhöhungen im Spreetal dafür sprechen, daß der Wasserstand im Urstromtal während der Vorzeit nicht er-