Heft 
(1917) 25
Seite
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im Märkischen Museum.

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heb lieh höher gewesen sein kann als er heute ist. Die alluvialen Bildungen waren damals sicher wasserreicher als heute, und sind ja vielfach noch jetzt der Überschwemmung ausgesetzt. Sie waren in der Vorzeit nicht besiedelt und werden auch jetzt noch zumeist gemieden. Daß aber der eigentliche Talboden des alten Ur- stromes während der Bronzeperiode oder gar in frühgeschichtlicher Zeit noch vom Wasser bedeckt gewesen sein sollte, ist ganz aus­geschlossen. Ich habe nachgewiesen, daß gerade die meist mit Dünen besetzten Talsandinseln und -halbinseln die gesuchtesten und beliebtesten Siedlungsplätze waren (Vgl. auch Mitt. d. Ver. f. Gesch. Bei'lins 1915 S. 93). Am 2. Juli 1916 habe ich die Anthropologische Gesellschaft an eine Stelle geführt, deren vorgeschichtliche Besiedelung ich im Vortrage vom 15. April als für das Spreetal besonders typisch und interessant bezeichnet hatte. Die geologischen Voraussetzungen dieser Gegend zwischen Alt-Hartmannsdorf und Erkner entsprechen vollkommen der von Linstow in seinem dritten Beispiele geschilderten Landschaft im Muldetal. Auch im Spreetal sindin auffallender Weise gerade die herausgemeißelten Landzungen bevorzugt worden, aber nicht etwa nur im Mittelalter oder in wendischer Zeit. Ich habe im Gegenteil an unzweideutigen Siedlungsspuren erwiesen, daß diese leicht Schutz bietenden, ins Alluvium vorspringenden oder sich aus dem Alluvium erhebenden diluvialen Halbinseln und Inseln ausnahmslos schon in der Urzeit bewohnt gewesen sind (Vgl. auch Brandenburgia 1916 S. 75 Zeile 7) und nicht etwa immer nur vorübergehend. Ich bin der Überzeugung, daß sich auch im Muldetal die entsprechenden vorzeitlichen Siedlungen finden lassen. Aber diese vorgeschichtlichen Spuren müssen wir eben suchen (Vgl. meine Ausführungen überdas Aufsuchen und Feststellen vorgeschichtlicher Wohnstätten, Korresp.- Blatt d. Anthr. Ges., 1915). Erst dann gewinnen wir ein richtiges Bild von der Besiedelung einer Landschaft in vorgeschichtlicher Zeit. Wir dürfen uns nicht auf die bisher zufällig bekannt gewordenen Funde verlassen. Erst die oben erwähnte, zu sicheren Ergebnissen führende Arbeitsmethode wird dann auch für die vorgeschichtlichen Perioden die Bedeutung jenes Lößstreifens erkennen lassen, der sich vom Rabenstein nach Osten hin in einer Ausdehnung von 55 km erstreckt. In dankenswerter Weise hat v. Linstow auf die starke Besetzung gerade dieses Streifens mit Dörfern hingewiesen. Es ist zu hoffen, daß sich recht bald eine mit vorgeschichtlicher Siedlungskunde vertraute Kraft findet, die bezüglich dieses interessanten, dem Fläming entnommenen zweiten Beispieles der von Linstowschen Arbeit untersucht, ob die Ergebnisse des Verfassers auch für die Vorzeit gültig sind.

Albert Kiekebusch.