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Kleine Mitteilungen.
gewirkt hat.*) Näheres über Busses Lebensgang und seine Schicksale wissen wir leider nicht.
Der Kelch ist von Silber und stark vergoldet; er weist einfache aber edle Formen auf. An den hervorstehenden Buckeln des Knaufgriffes befinden sich die Buchstaben: J. H. E. S. V. S., die zusammen „Jesus“ bedeuten. Die Inschrift des Kelches lautet:
„Laurentius Büsse der jüngere. Jürgen Büssen Sohn, gewesener Stallmeister in Ostindien, auf dem Lande vor Mose, verehrt diesen Kelch in sein Vaterland zu Brück, Gott zu Ehren und zu seinem Gedächtniß“.
Mit dem eigenartigen Ausdruck „vor Mose“ ist der Überlieferung nach in Übereinstimmung mit der Forschung die Insel „Formosa“ gemeint, eine Annahme, die um so glaubhafter erscheint, als die Holländer zu jener Zeit auf der Insel Handelsniederlassungen besaßen, bis zu ihrer Vertreibung durch die Chinesen. Übrigens gibt es für diese damals übliche Wortspielerei eine Parallele in der zeitgenössischen Reisebeschreibung des Nürnberger Kaufmanns Wurffbain, der ebenfalls in holländischen Diensten (Ostindische Kompagnie) gestanden und u. a. an einer kriegerischen Ünternehmung des Admirals Gijsels van Lier in Insulinde teilgenommen hat. In den Aufzeichnungen des Nürn- bergers leitet ihr Herausgeber, Wurffbains Vater, den Namen der Insel Java vom Stammvater Japliet her.
Bürger Büsse stellt nicht die einzige Beziehung der Stadt Brück zu den Niederlanden dar. Ihr Ursprung selber führt zu diesem Land zurück, aus dem einst Albrecht der Bär Kolonisten zur Besiedelung der Mark heranzog. Namen wie Brück (Brügge), Niemegk (Nijmegen) und Fläming erinnern noch an die Herkunft jener Siedler.
In dem alten Quellenwerke von Chr. Hartknock: Alt- & Neues Preußen (1688) lesen wir auf S. 558 in seinen Ausführungen über das „Flämische Recht“, dem, da es in Preußen auch geübt wurde, der gelehrte Verfasser ein besonderes Kapital widmet, folgende vielleicht nicht allgemein bekannte Angaben:
„Noch klarer schreibt hiervon Andreas Albinus (Chro. Misniae, tit. 3, pag. 90) in folgenden Worten: Wie auch noch länger hernach und zu Käyser Friderici Barbarossae Zeiten / oder wie die Chronica Philipp! meldet / unter Käyser Conrado III. Svert, der Margraff zu Brandenburg Albertus Ursus, dess Geschlecht der Fürsten zu Anhalt / neben die Meissner und Hartzländer an die Sala / Elbe und Havel / viel Holländer und Flauderer an der Sorben / Laussnitzer / und an derer Wenden statt gesetzet hat / daher in dem Churfürstenthumb umb Wittenberg noch heute zu Tage der Städte Niederländische Nahmen sollen vorhanden seyn/als nehmlich Kemerich Cameracum, welches man depravate Kemberg aussredet/Burg Burgae, Niem eck Neomagum, Rabenstein oder Ravenstein / Aaken an der Elbe / das ist Aachen oder Aquisgranum, und zwar der Strich daselbst auff der Höhe umb den Fleming von den Flandern oder Pleumosiis genennet worden / wie denn dissmahl vom Alberto (Albrecht der Bär) und Henrico Leone (Heinrich der Löwe), viel Holländer und Westpfahlen in die Marek zu Brandenburg geführet / daunenhero das Sächsische Volek daselbsten ist / und die Wenden vertrieben worden, usw. usw.“ ™ v . ,
*) Vgl. Brandenburg^, XXIV. Jahrgang, S. 48.