Jahrgang 
1 (1956) 2
Seite
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Jugendstils fristet sie dort ihr Dasein. An dem 1899 in der Wilsnacker Straße erbauten Schulgebäude ist dieses Wappen dahin abgeändert, daß das Feld des Schildes nicht silbern (weiß), sondern zur Abwechselung golden ausgeführt ist. Das Wappen am Rathauseingang muß damals im Sinne der Neufassung von 1887 umgefärbt worden sein, und zwar das Schildfeld tatsächlich grau oder graublau. Denn G. Winkel, der 1894 ein Büchlein über die Wappen der Altmark und Prignitz herausgab, war be­fremdet über dasBlau in Blau, über die blauen Perlen in blauem Feld. Bis in die Zeit des ersten Weltkrieges wurden alle Anfragen mit einem Hinweis auf diese Fassung beantwortet.

20. Jahrhundert

1894 begann der schon einmal genannte Professor Otto Hupp die Heraus­gabe derWappen und Siegel der deutschen Städte. Ihn jammerte der Mißstände in der Wappenkultur und der minderwertigen Wappenbilder geschäftstüchtiger Verleger. Es war sein Anliegen, die Ortswappen in einer geschichtlich und heraldisch richtigen und künstlerisch befriedigenden Form vorzfilegen. Sein großangelegtes und kostspieliges Werk kam in der geplanten Weise nicht zum Abschluß, sondern ging eine ungewöhnliche Verbindung mit einem bedeutenden Geschäftsuntemehmen ein. Er zeich­nete seit 1913 seine Wappenbilder als Werbemarken für die Kaffee-HAG in Bremen. Diese eigenartige Vernunftehe ist aber beiden Teilen zum Guten ausgeschlagen. Die Handelsgesellschaft kam zu einem ebenso ge­schmackvollen wie erfolgreichen Werbemittel und der 'Künstler erreichte, was er im Grunde wollte, daß nämlich seine Wappenentwürfe bekannt und volkstümlich wurden. Die kleinen farbfrohen Werbemarken, in Hun­derten von Millionen verbreitet, wurden Vorbilder für den praktischen Gebrauch. Hupp lehnte sich beim Perleberger Wappen wie immer an das älteste erreichbare Siegelbild so eng wie möglich an (Abb. 8 Mitte) und übernahm wieder die Farbgebung Gold in Blau. Es ist nicht bekannt, ob er nun nur diese kannte, ob er die Buntscheckigkeit des damals amtlichen Fünfmännerwappens bewußt ablehnte oder ob er, mit August Hopfner zu reden, den güldnen Stern auf himmelblauem Grund einfach als das natür­lichste empfand. Abweichend vom bisherigen Brauch malte er aber erstmalig die Perlen nicht in Gold, sondern in Silber, wohl auch aus dem Gefühl heraus, daß dies eben am natürlichsten sei. Bei der Bemalung der Decke im Rathausflur sind 1924 für die Wappen der Prignitzstädte die Vorlagen von Hupp benutzt worden.

So war nun, als weiterhin Anfragen einliefen, die alte Verlegenheit aber­mals da: wie sieht dasrichtig gemalte Wappen aus? Diesmal wandte sich der betroffene Bürgermeister Mende an denHerold, den für heraldische Fragen führenden Verein. Dessen Gutachten, in Einzelheiten anfechtbar, stützte sich auf die Ai beiten von Hupp. Nach einer beigegebenen Vorlage

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