Jahrgang 
1 (1956) 2
Seite
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Dietrich Schwalbe hatte sich eine Viehmagd mitgenommen, die ihm half, den Kohl zu tragen. Als sie auf dem Rückwege am Hühnerstall vorbei­kamen, mußte sie stark daran klopfen. Es war der Hahn, der am ersten schrie, und Schwalbe verkündigte der Magd daraus, zu ihrer Freude, daß sie noch in diesem Jahre heiraten werde. Sie wäre ledig geblieben, wenn sich zuerst eine Henne bemerkbar gemacht hätte.

Wir können aber gleich noch eine zweite Probe machen, sprach Dietrich, als sie den Schweinestall passierten.Schlage da auch dagegen und paß auf, ob die alte Sau schreit oder die Ferkel. Wenns die alte Sau ist, dann ists richtig.

Die alte Sau kreischte richtig auf, und die Viehmagd meinte, so vergnügt wäre sie noch nie gewesen, wie in der Christnacht.

Nun können wir auch noch sehen, ob dein künftiger Liebster lang und dünn, kurz und dick, krumm oder gerade ist. Mach einmal die Augen zu, und nun zieh aus dem Holzhaufen eine Klobe heraus, lege aber erst dein Bündel ab! So, na dreist zugefaßt! Ha, das ist ein stämmiger Kerl und verwünscht knorrig. Ein bißchen bucklig scheint er auch zu sein, doch nein, das ist ein Ast.

Unterwegs schnitt Dietrich noch einige Ruten von den Bäumen. Das Vieh gedieh besser, wenn man es mit diesen Ruten schlug statt mit der Peitsche. In den Stuben der Mägde und in der Küche ging es unterdes sehr lebendig zu. Man goß Blei, um aus den Figuren die Zukunft, besonders aber das Handwerk des Zukünftigen zu erfahren, ließ Nußschalen mit kleinen Wachslichtern besteckt, auf Wasser schwimmen, tat in ein Becken Müll aus den vier Winkeln des Hauses, um aus dem Klappern die Lebensweise des künftigen Mannes zu erfahren. Die Haarfarbe des Liebsten konnte man ermitteln, indem man über die Schwelle griff und dort auch öfter ein Haar fand. Böse Zungen behaupten allerdings, daß man es eigens für diesen Zweck hingelegt habe. Andere liefen hinaus und schüttelten vor dem Schloß die Zäune. Bald fingen die Hunde an zu bellen. Der Freier sollte aus der Gegend kommen, woher das erste Hundegebell kam.

Katharin, das hübscheste aller Mädchen, weilte schon lange nicht mehr unter den anderen. Sie mußte fortwährend an die Erzählungen Dietrich Sehwalbes denken und war heimlich in ihre Kammer geschlichen. Sie wollte gern ihren zukünftigen Freier sehen. Behutsam riegelte sie die Tür ab, setzte sich auf die Bettkante und betete rückwärts dreimal das Vater­unser. Sie wartete, aber niemand ließ sich blicken. Auch mehrmalige Wie­derholung hatte keinen Erfolg. Da machte sie einen weiteren Versuch. Sie setzte einen Tisch in die Mitte der Kammer, deckte ihn fein säuberlich und stellte zwei Teller mit Essen darauf, das sie wohl aus der Küche entwendet hatte. Mit einem Reim lud sie den Freier ein, zu erscheinen und sich ein Messer mitzubringen. Wieder ohne Wirkung. Da griff sie zu dem letzten Mittel, das Dietrich ihr vorher verraten hatte. Nachdem sie den Tisch wie-

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