hat feststellen lassen. Der Friedhof auf den Wiesenbergen von Breddin ist in der Bronzezeit angelegt und dann ununterbrochen bis in die germanische Eisenzeit benutzt worden^), und die Gefäßformen der Eisenzeit sind von den Gefäßen der bronzezeitlichen Gräber abzuleiten. Eine ununterbrochene Kulturentwickluug läßt sich an Hand der Altertümer aus den Gräbern verfolgen über 1000 Jahre hinweg, von der Bronzezeit bis in die Eisenzeit. Nirgends ist ein Abbruch in der Formentwicklung zu beobachten, der auf das Eindringen eines neuen Volkes schließen läßt. Die Menschen der Bronzezeit in Nordeuropa und auch in der Prignitz müssen demnach die Vorfahren der eisenzeitlichen Germanen lind damit unsere eigenen Vorfahren gewesen sein.
So kann man doch noch Licht in die alten Zeiten bringen und sich Klarheit darüber verschaffen, wer vor 8000 Jahren den Boden unserer Heiniat bewohnt hat. Eins ist freilich Vorbedingung: Sümtliche Funde, die aus den Gräbern ans Tageslicht kommen, müssen aufbewahrt und der Forschung zugänglich gemacht werden. Es ist ja einleuchtend nach dem oben Gesagten, daß die Ergebnisse nur dann zuverlässig sein können, wenn viele Exemplare von einen: jeden Gerättypus dem Wissenschaftler zur Verfügung stehen. Auf jedes Stück kommt es der Forschung an. Wie Mosaiksteine müssen die einzelnen Funde zusammengefügt werden, und dann ergibt sich ein Bild der alten Völkerverhältnisse von überraschender Klarheit und Deutlichkeit.
In dieser Art werden die stummen Gegenstände aus den Gräbern zur Sprache gebracht. Geschlechter erstehen dann wieder vor unserem Auge, die längst vergessen waren, und eine versunkene Welt tut sich vor uns auf. Es ist, als ob wir mit einem Riesenfernrohr in ferne Welträume schauten, die dem menschlichen Auge zunächst nicht sichtbar sind; und wir bekommen einen kleinen Begriff von den großen Zeiträumen, die für die Entwicklung der Menschheit und unseres Volkes nötig waren. Unser eigenes kleines Leben sehen wir eingespannt in die große Kette der Geschlechter, die immer wieder neu entstehen und vergehen. Bei einer solchen Betrachtung verschwindet der einzelne in dem Strom der Entwicklung, und der Blick richtet sich auf den Werdegang des ganzen Volkes. In seine Kindheit führen uns die alten Gräber und sie lehren uns, daß unser Volkstum seit Jahrtausenden mit unfern: Heimatboden aus das engste verwachsen ist.
Drum Ehre den alten Gräbern!
Ausgrabung in Heiligengrabe.
Anfang Dezember 1024 meldete Steinsetzmeister Thiede aus Techow der Stiftsverwaltung, daß er beim Steineroden auf dem Leipziger Berge auf Urnen gestoßen sei, und zwar an zwei ganz auseinander liegenden Stellen. Er hatte die Arbeit an diesen Plätzen sogleich eingestellt. Da hartes Frostwetter eingetreten war, konnten von der Musenmsleitung zunächst nur die Scherben der ganz zerstörten Urnen geborgen werden. Auch wurden Meßpunkte festgelegt und die Grabstellen vermessen und mit Nummern bezeichnet. Anfang Januar konnten dann bei weichem Wetter auch die noch in der Erde stehenden Urnen herausgearbeitet werden. Es gelang, Urne 6 zu bandagieren und mit Inhalt herauszunehmen. Die weitere Grabung wurde dann für den März festgesetzt und begann am Montag, den 0.,
y Kiekebusch, Bilder aus der märkischen Vorzeit. 3. Ausl., S. 65. — Ders., Vorgeschichte der Mark Brandenburg im Märkischen Heimatbuch, S. 140 ff.