Heft 
(1931) 1
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Reiherstadt von über 120 Nestern. Aber von diesem seltenen Vogeltier soll hier nicht die Rede sein, sondern von dem, was jeder Prignitzer tagtäglich in seiner Landschaft vor Augen hat. Tagtäglich sieht er Raubvögel über den Feldern und Wäldern schweben und dahinstreichen. Sie gehören so zur Landschaft, das; es uns oft garnicht bewußt wird, daß uns etwas fehlen würde, wenn dem nicht so wäre.

Wenn wir an unsere Schulzeit denken, so erinnern wir uns, wie der Lehrer mit seiner Abbildung oder gar mit dem ausgestopften Balg des zu besprechenden Vogels kam, und dann wurde an diesem herumerläutert und es wurde gemeint, daß man nun den Vogel und sein Wesen kenne. Die moderne Naturbeschreibung geht aber ganz neue Wege. Sie schildert nicht nur das Aeußere, die Gestalt des Vogels, sondern versucht, auch seine charakteristischen Flug­bewegungen und Fluggewohnheit bildmäßig und zeichnerisch festzuhalten und dadurch dem Beobachter im freien Gelände durch Kenntnis der Eigenschaften des betreffenden Vogels auch die Möglichkeit zu geben, ihn sofort wiederzuerkennen und sich an seinen eleganten Flugkünsten zu freuen. Zur Vogelbeschreibung gehört eben nicht nur die Beschreibung des Aeußeren, denn der in der freien Natur lebende Vogel tut uns nicht den Gefallen, sich bewegunglos vor uns zu setzen oder in die Hand nehmen zu lassen, sondern wir können ihn nur in seinen flüchtigen, schnellen Bewegungen erfassen und die Bewegungen sind oft dabei das Charakteristische. Diesen neuen heimatverbundenen Beschreibungsweg hat derKosmos", der bekannteHand­weiser für Naturfreunde" (Franck'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart) beschritten. In seinen Spalten bringt Dr. C. De- mandt diesen vorbildlichen Weg. In der folgenden Beschreibung hören wir, was er beispielsweise über den Mäusebussard sagt.

Dr. Lechler.

Der Mäusebussard.

Von Dr. Demandt.

Noch liegt die Dämmerung des Frühlingsmorgens über der Landschaft, und der Nebel bedeckt die weite Feldflur. Da löst sich ein dunkler Klumpen aus dem Astwerk einer alten Eiche, und ein großer Vogel streicht mit schwerfälligen: Schwin­genschlag ins Feld hinaus. Zwei langgezogene Rufe, die in­folge des heftigen Ruderschlags wie ein gestottertes Hiäh" klingen, erreichen unser Ohr aus der Richtung, in der der Vcgel verschwand. Als die Sonne den Nebel vertrieb, zeigte uns das Glas zwei dieser großen Vögel. Der -eine hockt auf dem Eckpfahl der Weidekoppel, der andere auf einem Leitungs-