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Potsdam- Mittelmark) ein frischtotes Weibchen gefunden( SCHUBERT 1997). Im gleichen Jahr, am 23.04.1997, folgte ein singendes Männchen im Forst Ragow( westlich Müllrose, Landkreis Oder­Spree; HAUPT et al. 1999). Später kamen Funde in der Lieberoser Heide( DEUTSCHMANN& SPITZ 2009) und im Hohen Fläming( KOLBE 2009, PSCHORN 2011) hinzu. Im Norden Brandenburgs blieben Brutnach­weise bis heute aus( RYSLAVY et al. 2011), während im Frühjahr 2011 am Ostufer der Müritz die erste Brut der Art in Mecklenburg- Vorpommern belegt wurde( WEBER 2011).

In der Niederlausitz, die spätestens seit den 2000er Jahren von der Elbe im Westen bis an die Lausitzer Neiße im Osten vom Sperlingskauz besie­delt ist, nahm die Art nach anfänglich geringer Häu­figkeit in den 2010er Jahren deutlich zu. Im Zeitraum 2016 bis 2020 lag der mittlere jährliche Bestand um Finsterwalde bei fast 18 Revieren. In den kieferndo­minierten Wäldern gibt es damit derzeit im Mittel 0,30 Reviere/ 1.000 ha Wald. Der in Deutschland ein ähnliches Verbreitungsmuster zeigende Raufuẞkauz ( GEDEON et al. 2014) ist im selben Gebiet mit durch­schnittlich 32 Revieren fast doppelt so häufig( Mö­CKEL& RADEN 2018).

Bezogen auf die Rochauer Heide, im Untersu­chungsgebiet das Dichtezentrum der Art, wurde im Zeitraum 2016 bis 2020 mit 2,68 Reviere/ 1.000 ha eine hohe lokale Siedlungsdichte ermittelt. Noch höhere Werte wurden im NSG Pinnower Läuche und Tauersche Eichen in der Lieberoser Heide ( 3,26 Reviere/ 1.000 ha; DEUTSCHMANN& SPITZ 2009), im Werdauer Wald( 3,0 Reviere/ 1.000 ha; HÄSSLER& HALBAUER 2009) und im Nationalpark ⟫Sächsische Schweiz"( 3,0 Reviere/ 1.000 ha; AUGST 1994) gefun­den. Die Revierdichte in der Dresdner Heide( 1,9-2,8 Reviere/ 1.000 ha; KNOLL& FABIAN 2009, FABIAN et al. 2019) und im von Eichenwäldern geprägten Spes­sart lag nur wenig darunter( 2,4 Reviere/ 1.000 ha; HORMANN& MENNING 1997). Im Südschwarzwald fand PURSCHKE( 2009) im Frühjahr 2005 sechs Bruten auf 520 ha Wald. Dies zeigt, dass Sperlingskäuze sehr eng beieinander nisten können.

Die großräumige Siedlungsdichte im Süden Brandenburgs( 0,30 Reviere/ 1.000 ha) liegt im Rah­men der im Tiefland Niedersachsens gewonnenen Werte( 0,1-1,3 Reviere/ 1.000 ha Wald; ZANG 2002). Sie ist verglichen mit Angaben aus den mittel­

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europäischen Mittel- und Hochgebirgen gering, z. B. 1,4 Reviere/ 1.000 ha in den Ostalpen( SCHERZINGER 1970), 1,5 2,0 Reviere/ 1.000 ha im Ost- und Mit­telerzgebirge( SCHULENBURG 1992), 1,5( lokal bis 3,0) Reviere/ 1.000 ha im Westerzgebirge( MÖCKEL& Mö­CKEL 1980), 2,4-3,5 Reviere/ 1.000 ha im Thüringer Schiefergebirge( WIESNER et al. 1991), 2,2-3,7 Revie­re/ 1.000 ha bei Kelheim in Ostbayern( SCHMIDBAUER 1997/98) und sogar 4,2 Reviere/ 1.000 ha im Bayeri­schen Wald( SCHERZINGER 1974).

Nach SCHERZINGER( in GLUTZ VON BLOTZHEIM& BAU­ER 1980) deckte sich noch vor wenigen Jahrzehnten in Mitteleuropa das Areal des Sperlingskauzes mit dem natürlichen Verbreitungsgebiet der Fichte. Dieser vom Forstmann weit über sein angestamm­tes Areal in die Wälder Deutschlands eingebrachte Baum( GATTER 2004) kann im Waldring um Finster­walde aber nicht der Grund für die erst vor wenigen Jahrzehnten erfolgte Besiedlung sein. Hier werden auch Kiefernforste ohne Fichte, selbst Althölzer der Traubeneiche auf meist armen Standorten besiedelt. Die Habitate ähneln denen in der Lieberoser Heide ( DEUTSCHMANN& SPITZ 2009), während in der Ober­lausitz( WEIS& KRÜGER 1999, ULBRICHT& SPERLING 2010) und in der Lüneburger Heide( ZANG 2002) eher eine Bindung an die Fichte gegeben ist. Nach MÖCKEL& MÖCKEL( 1980) sowie AUGST( 1994) meidet der Sperlingskauz allerdings größere geschlossene Wälder der Rotbuche Fagus sylvatica. Im Laubwald brütet er aber im Hohen Fläming( Eichenforst mit Buchenunterbau; KOLBE 2009), im bayerischen Stei­gerwald( Rotbuchenwälder mit Traubeneiche und Fichtenanteil 10%; LANG 1996, SPERBER 1996), im hessischen Spessart( Eichenwälder; HORMANN& MENNING 1997) und in den französischen Vogesen ( Eichenwälder mit Fichtenunterbau; MULLER 2009).

Nach GERLACH et al.( 2019) rechnet man in Deutschland aktuell mit 3.400 bis 6.000 Reviere des Sperlingskauzes. Damit hat er die Häufigkeit des Raufuẞkauzes erreicht. Die Ursachen der Bestands­zunahme in den Gebirgen und die Arealausweitung in das norddeutsche Tiefland sind noch immer un­verstanden. Die im Untersuchungsgebiet gesammel­ten Fakten können letztlich auch nur Indizien liefern.

Dazu zählt die Frage, warum früher der Sper­lingskauz in den Kiefern- Traubeneichen- Mischwäl­dern der Niederlausitz fehlte. Denkbar ist, dass die Art bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts auf den hie­