Möckel& Raden: Verbreitung und Lebensraum des Sperlingskauzes im Süden Brandenburgs
sigen Hochlagen in den eichendominierten Wäldern ( ILLIG 1979, 1980) einer stärkeren Konkurrenz des Waldkauzes unterlag. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zum großflächigen Auslöschen der naturnahen Traubeneichenbestände. Zunächst wüteten zu Kriegsende riesige Waldbrände. Was diese übrig lieBen, fiel ausgedehnten Reparationshieben zum Opfer ( MÖCKEL et al. 1999, MÖCKEL 2019). Wieder aufgeforstet wurde allein mit der Kiefer. Die auf großer Fläche gleichaltrigen, monotonen Forste- bewirtschaftet nach den Regeln eines Altersklassenwaldes- waren nun viel nahrungsärmer. Zugleich erschwerten die dicht stehenden Stämme in den Kulturen und Stangenhölzern dem Waldkauz die Jagd. Dieser Fressfeind des Sperlingskauzes verschwand weitgehend aus dem Waldesinneren. Nach dem Verdrängen seines Antagonisten aus den kleinsäugerarmen Kiefernforsten nahm die kleine Eule im nordostdeutschen Tiefland ab Anfang der 1990er Jahre zu. Einschränkend sei aber erwähnt, dass SCHMIDBAUER( 1997/98) in den Fichtenforsten Ostbayerns und SPERBER( 1996) in den Laubwäldern des Steigerwaldes trotz hoher Dichte des Waldkauzes zahlreiche, meist erfolgreiche Bruten des Sperlingskauzes fanden.
Andererseits nahm in der Niederlausitz mit den großflächigen Aufforstungen nach 1945 in den sich entwickelnden Stangenhölzern ab den 1960er Jahren der Sperber zu. Obwohl ein Erbeuten des Sperlingskauzes durch den Sperber nur selten belegt wurde ( MIKKOLA 1976, WIESNER& RUDAT 1985), könnte allein dessen Anwesenheit ein Brüten der kleinen Eule unterbunden haben( MÖCKEL& MÖCKEL 1980 sowie SCHÖNN 1980 für das Westerzgebirge). Allerdings fand AUGST( 1994) in der Sächsischen Schweiz erfolgreich brütende Sperlingskäuze in nur 100 bis 200 m Entfernung von Sperberhorsten. Ungeachtet dessen war in den untersuchten Wäldern der Niederlausitz seit Mitte der 1980er Jahre der Bestand des Waldkauzes auf niedrigem Niveau weitgehend konstant. Der Sperber nahm dagegen mit dem Übergang der Stangenhölzer der Kiefer in lichte Baumhölzer wieder deutlich ab und im Gegenzug der Sperlingskauz zu. Ob es sich dabei um eine voneinander losgelöste Entwicklung handelte oder tatsächlich um einen ursächlichen Zusammenhang, muss letztendlich offen bleiben.
Da die Ablösung abwechslungsreicher Mischwälder durch monotone Nadelforste in den letzten 200 Jahren fast überall in Deutschland stattfand,
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begünstigte sie möglicherweise gekoppelt an eine Zunahme der Art in den Gebirgen nach dem Verbot langlebiger Pestizide wie DDT zur Schadinsektenbekämpfung( WIESNER 1999) – die Ausbreitung der kleinen Eule bis weit ins norddeutsche Tiefland( GEDEON et al. 2014, ZANG 2002, GATTER 2004, SCHERZINGER 2004, WIESNER 2014). Dafür spricht die parallel zum Süden Brandenburgs erfolgte Besiedlung Nordostsachsens durch den Sperlingskauz( STEFFENS et al. 1998, 2013). Demnach könnten die ersten Vögel Brandenburgs aus dem Elbsandsteingebirge( AUGST 1994, 2020) oder dem Osterzgebirge( SCHULENBURG 1992) über die waldreiche Oberlausitz( NACHTIGALL & TAMKE in KRÜGER et al. 1998, BLISCHKE et al. 2008, ULBRICHT& SPERLING 2010, ULBRICHT 2013) in das Untersuchungsgebiet gelangt sein.
Genau in dem Waldgebiet, wo zu Beginn der 1980er Jahre die ersten brandenburgischen Bruten für den ebenfalls als Gebirgsvogel geltenden Raufuẞkauz gefunden wurden( SCHMIDT 1987, MÖCKEL 1996), kam es zu den ersten Feststellungen des Sperlingskauzes im nordostdeutschen Tiefland. Die Rochauer Heide liegt auf dem Niederlausitzer Landrücken. Dieser ist Bestandteil des waldreichen Südlichen Landrückens, der auf einer Strecke von rund 700 km von den Harburger Bergen südlich Hamburg über die Lüneburger Heide, den Hohen und Niederen Fläming und schließlich den Niederlausitzer Landrücken bis zum Schlesischen Landrücken reicht. In Schlesien verliert er sich am Nordrand der Mittelgebirge. Damit ist auch eine Besiedlung von Westpolen aus denkbar. Im Niederschlesischen Hügelland kam es ab den 1990er Jahren zur Neuansiedlung und zu einem starken Bestandsanstieg( TOMIAŁOJ& STAWARCZYK 2003, KOPIJ 2011). BENA( 2003) fand bereits im Frühjahr 1996 in der Görlitzer Heide auf einer Kontrollfläche von 100 km² zwölf Reviere. Bis 2003 kam er im gesamten Waldgebiet( 300 km²) auf 45 bis 47 Reviere, weitere 12 bis 13 im Süden der sich ostwärts anschließenden Wehrauer Heide( 8 km²). Die dortigen Waldgebiete prägt ebenfalls überwiegend die Kiefer.
Über ,, Waldbrücken" besteht vom Süden Brandenburgs ausgehend aber auch eine Verbindung zu den nordostsächsischen Kiefernheiden und über diese zu den Mittelgebirgen im sächsisch- böhmischen Grenzraum. Umfangreiche Beringungen in Thüringen bestätigten, dass der Sperlingskauz neue Reviere