Heft 
(1937 - 1938) 1
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an die Juraformationen. Wie ist das zu erklären? Steht man auf dem Grabhügel selber und überschaut die Hügelfläche, so wird das mit einem Blick klar. Hier hat die Menschenhand mitgewirkt. Rings um den Grabhügel herum, ist der Boden gleichmäßig abgeflacht. Die Erdmassen, die dabei bewegt werden mußten, sind an den Hügelrändern abgeschüttet, so entstand der Steilabfall. Die Erdbewegungen müssen unternommen worden sein, als das Grab angelegt wurde. Welchen Sinn konnten sie haben? Dieses Grab muß heiliger Mittelpunkt gewesen sein.

, Es ist natürlich, dabei an eine Ding-, eine Kultstätte zu denken. Die Dingstätte war immer eine weithin beherrschende. Oft wurde sie durch Steinsetzungen und mächtige Baumgruppen hervorgehoben. Sie mit dem Totenhügel eines Helden und Führers in Zusammenhang zu bringen ist alter Brauch. Scheltema sagt in seinem WerkDie Kunst unserer Vorzeit":

Es sei hier an die altgermanische Gruppenordnung im Thing erinnert, wenn die versammelten Volksgenossen im Kreis und innerhalb des geweihten, durch Steine oder Stäbe abge­steckten Thingplatzes die erhöhte Mitte, wo der Ratssprecher sich be­fand, umschlossen. Wurden zum Thingplatz vorzugsweise schon be­stehende Rundplätze, Grabhügel oderSteinkreise gewählt, so zeigt sich noch deutlicher der Zusammenhang mit dem geheiligten Kult."

Für die Anlegung des Grabes allein wäre die Planierung des Bodens in großem Umkreis nicht notwendig gewesen, wohl aber, wenn ein Ratsplatz geschaffen werden soÜte, der wohl gleichzeitig ein Kultplatz war. Von der eindrucksvollen beherr­schenden Lage des Grabhügels wurde schon gesprochen, sehen wir uns aber nun die umgebenden Grabhügel an(Abb. 4), die sich auf der den Hügelrücken tragenden Bodenschwellung befinden, so sehen wir, daß sie weitgehende Zerstörungen noch früher vor­handener Gräber müssen vorausgesetzt werden in einer Art Halb­kreis, der nach Osten zu geöffnet ist, den Hügel auf dem Papenberg umgeben, so gewissermaßen einen zweiten heiligen Kreis bildend, der, nur nach Osten zu offen, den oberen Kreis noch einmal umgibt.

Wir wissen nicht oder sagen wir besser hoffnungsvoll: noch nicht wie der obere Kreis ausgestaltet war, ob durch kleine Wälle, durch Pallisaden, durch Steinsetzungen oder durch Heckenpflanzun­gen. Eine Möglichkeit, dies selbst heule noch festzustellen, besteht vielleicht in einer Fliegeraufnahme. Das aber dürfen wir an­nehmen, daß wie die Ausgestaltung auch vorgenommen worden sei auch sie nach Osten einen Zugang, eine Oeffnung gehabt haben wird. Der Strahl der aufsteigenden Sonne wird dies Hei­ligtum, vielleicht als Mittelpunkt den Grabhügel, berührt haben.

Daß es sich hier um eine alte Kultstätte handelt, wird noch durch andere Beobachtungen, die z. T. auf volkskundlichem Gebiet