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liegen, wahrscheinlich gemacht. Da ist der Name Papenberg. Er kommt noch einmal in der Westprignitz als Popenberg vor. Hier wurde mit diesem Namen einer der Hügel um das Königs? grab von Seddin bezeichnet, von dem es hieß, es umschließe den Schatz des Königs Hinz. Wir erkennen daraus, daß der Name Papenberg, Popenberg zweifellos beziehungsreich gewesen ist. Die Deutung, daß hier ein schon in heidnischer Zeit heiliger Platz später eine christliche Bezeichnung: Priester- oder Popenberg erhalten habe, ist annehmbar. Aehnliche Fälle gibt es ja zur Genüge, wie auch den umgekehrten Fall, daß heilige Stätten als Teufelsberg oder wie bei der zweiten weithin sichtbaren Bodenerhöhung bei Zaatzke, als Hexenberg bezeichnet werden. An diesem Zaatzker Hexenberg wurde noch bis vor wenigen Jahrzehnten alljährlich zu Pfingsten ein Gottesdienst im Freien abgehalten. Vielleicht spricht auch für die Heiligkeit dieser ganzen Stätte, daß in der Niederung im Moor an einem Graben, der den Namen Königsgraben trägt, ein Weihefund, ein Bronzeschwert, zum Vorschein kam. Solche Weihefunde wurden ja gern in der Nähe heiliger Bezirke niedergelegt.
Wie dem auch sei, die betonte Lage des Grabes auf dem Hügel, die so wunderbar eindrucksvollen Gruppen der umliegenden Hügelgräber, die in die schlichte Landschaft einen Zug von Erhabenheit bringen, die noch heute sichtbare Umgestaltung des Platzes zu einem Versammlungsplatz, sie lassen uns daran denken, daß Scheltema in seinen: schon erwähnten Werke von einer weitausgreifenden, landschaftsgliedernden Platzgestaltung der Urgermanenzeit spricht. Der herrliche Reichtum der Grabausstattung des einen zerstörten Hügels läßt vermuten, daß Persönlichkeiten von hohem Rang und ausgezeichneter Würde in diesem heiligen Umkreis bestattet wurden. Zum Schluß sei noch ein Abschnitt aus dem Buche Scheltemas hergesetzt, der wie eine Zusammenfassung alles dessen, was uns die Zaatzker Hügelgräber zu sagen haben, ist:
„Wurde aus begreiflichen Gründen eine natürliche Anhöhe, ein Felskegel und dergl. zum zentralen, auf die Sonne bezogenen Bezirk gewählt, so können noch die mit solchen Orten verknüpften Bezeichnungen und Bräuche oder auch die spätere kirchliche Heiligung durch eine Kapelle, die ursprüngliche Bedeutung verraten. In allen Fällen aber, wenn zur Umgürtung und Gliederung des heiligen Platzes neben Erdwällen und Gräben nur Holzpallisaden, geflochtene Zäune, Hecken oder Baumreihen verwendet wurden, oder als heiliger Hain eine Lichtung im Walde gewählt wurde, mußte fast jede Spur dieser großartigen, naturbezogenen, offenen Baukunst verschwinden."
Seien wir dankbar, daß sie bei uns noch nicht ganz verschwunden ist. Ihren Spuren soll weiter nachgeforscht werden.