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Er zwingt in Blumenthal die Erde zu manchem Dienst, )so sein liebes Schachspiel wie die 4 Zwiebelspitzen des heimischen iKirchturms darzubilden. Vorerst dient die Erde sich selbst: wenn zweimal des Jahres bei gutem Wetter, vergleichbar der Vor- und Nachmahd, die kleine hohe Schlemmbucht vielmals mit !Ton und Wasser gefüllt, mit Rührpätschen dnrchwalkt und in den großen Speicher der flachen eingetieften Tonbucht entleert wird, so hat die Erde schon dreimal Hilfsdienst getan: als
- Schlemmüberrest des Vorjahres die bretterne Bucht innen dicht 'verkleidet, als Tonpfropf ihre Oeffnung verschlossen, als Streusandschicht der 2. Bucht den flüssigen, nunmehr sauberen und schieren Bruder Ton aus der Schlemmbucht empfangen. Halbtrocken durch eine Bohnenstange netzartig gezeichnet, gerissen
' zu den so vorgeschriebenen Blöcken und verfestigt, gespeichert, in der Werkstatt durch Wasser bildsam gemacht, begegnet die Erde auf der Töpferscheibe wiederum sich selbst: vorgeformt durch die Hände des Töpfers, erhält ein Dutzend Tage hindurch immer die gleiche Gefäßart, etwa die Randschöttel, stets ihre sorgsam erwogene bleibende Form durch „Werk aus Erden", tongebrannte Schablonen").
Nun beginnt die Töpferscheibe der Erde nachzueifern: nicht ^ befriedigt, dem Gefäß die große Form gegeben zu haben, läßt ' sie es vom Deesenbrett halbtrocken zurückkehren, ihm wo nötig Henk und Tülle verleihen, versetzt es umgestülpt in ruhigen Umschwung: so klopft die Hand des Töpfers die standgebende Bodendelle, entfernt sie durch ein Schabeisen den Grat, der am Boden vom Drahtschnitt") bleibt, bildet der Töpferspahn die feine Bodenfurche zurHandhabe beim späteren Beguß mit Farbe und Glasur wie die feinere Richtfurche für Spruch und Blattgewind.
- Weiter getrocknet abermals vom Deesenbrett rückkehrend, ) sieht sich das Gefäß umringt, alsbald bedient, zuerst begossen, . dann beschrieben wieder von irdenen Dingen: Farbschüssel,
Gießgefäß, Malkruke, Erdfarbe, ja es gewahrt völlig dienst- c bares, nahverwandtes: Lehm aus der Grube des Bauern Schulze, ; mit Wasser verrührt, die kräftigbraune Hauptfarbe der Blumen-
- thaler Hafnerei. (Den dunkleren Repräsentanten Haus- und
1°) Oft auch aus Schieferabfall des Dachdeckers gescknickert. Vgl. auch Lechler, 5000 Jahre Deutschland, 1. Aufl. 1936, Abb. 880 die „gebogenen Streichbrettchen".
s ") Die Zeichnung des Bodens wie durch einen übergroßen Fingerabdruck ist bei Blumentholer Gefäßen selten. In solchen Fällen wird H beim Schnitt gedrehter Messingdraht benutzt und das eine der knebelver- ' sehenen Enden am Gefäß festgehalten. — Soeben erhält das Museum aus j Blumenthal einen mittelalterlichen Gefäßboden, der gleichfalls den „Finger- t abdruck" aufweist, sowie eine vom Blumenthaler Töofer des 19. Jahr- I- Hunderts gefertigte Sparbüchse, deren eigenartige Form man bereits aus ^ dem 13. Jahrhundert kennt (Erich-Beitl, a. a. O. S. 671 f.).