Heft 
(1937 - 1938) 1
Seite
30
Einzelbild herunterladen

30

verzierten Essentrage, dem Feldtopf? Auch im Bellevue-Museum ist nur der mecklenburgische Zweihenkeltopf, nicht der Bügeltopf spruchverziert. Der Bügel ermöglicht einarmiges Tragen auf langem Weg und erleichtert Absetzen und Aufnehmen auf freiem Feld; wer unseren Landmann kennt, fühlt, daß es ihm entgegen ist, den Spruchtopf aufs Feld zu führen. Wohl wird in der Folge der eenmansche, tweemannsche Zweihenkeltopf zum Feld­gebrauch etwa mit derEcke" durchzogen, dem derben End­streifen der Stoffballen.

Die mecklenburgische Esfentrage des Bellevue-Museums') ist abweichend vom Blumenthaler Brauch großzügig und voll Schwung bemalt. Sie und unser Johann Lotzien werden kaum gleichen mecklenburgischen Herkunftsort haben.

Das 2. Leitformpaar unserer Sammlung, eine weitbauchige Kaffeekanne nebst Milchtopf, wird nach Trocknung der braunen Grundfarbe am oberen wie unteren Rand zweimal, viermal und öfter sowie in symmetrischer Anordnung geziert durch Anguß schwarzer Schmuckflächen. Es ist in Mecklenburg unbekannt. Punktreihen auf der Farbgrenze und Rosetten, getupft mit weißer Malkruke, könnten nach Mitteldeutschland weisen, etwa dem thüringischen Töpferort Bürgel ch, zumal dorther Gesellen nach Blumenthal gekommen sind.

Somit scheint die Blumenthaler Töpferei in den Jahren vor 1820 begründet durch einen zuwandernden mecklenburgischen Meistero); noch ungeklärt, aus welchem Ort die Zuwanderung erfolgt, ob Crivitz, Kröpelin, Brüel, Hagenow, Woldegk, Neu­strelitz. Im Verlauf ergibt sich eine anders geartete, vielleicht mitteldeutsche Beeinflussung. Die Mehrheit der Erzeugnisse ist jedoch unschematisch, und eigenständig. Ihr Hauptzug ist teils schlichtes, teils zurückhaltend schönheitsfreudiges Eingehen aus den vielseitigen Bedarf ländlicher Hauswirtschaft. An ihren Bildungen erkennt man nicht weniger als an denen der Prig- nitzer niederdeutschen Sprache schöpferische, tiefe Liebe zum Leben wie es nun einmal ist.

*

Der Töpfer macht sein Werk aus Erden,

Drum kann er auch kein Herr nicht werden!"

0 Abgebildet in dessen Katalog S. 36.

s) Erich-Beitl, a. a. O. S. 113, über Bürgeler Töpferei:Im Dekor, der mit dem Malhorn aufgetragen wird, ist die Punktverzierung in Reihen oder Rosetten ... beliebt".

v) R. Mielke in Landskunde d. Prov. Brandenburg, Bd. III, 1912, S. 13:Im Norden . .. decken sich nicht Stammes- und politische Grenzen. Hier nehmen bald niederdeutsch-mecklenburgische ... Einflüsse bis tief in das märkische Land hinein Besitz, bald dringt die zähe mär­kische Art in das schwach besiedelte Mecklenburg.... vor".