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(ehrwürdigem Vorfahr des Tellers) oder bei der edlen Zuckerschale für den Tisch des feiernden Bauern aus der Hand des Meisters Franz Winkel (Abb. 6).
Hafnerware ist nicht an Vorkommen hochwertiger Tone gebunden. Ueberall in Deutschland ist sie vorhanden. Sie ist nicht überein wie ein Ei dem andern, sondern auf gemeindeutschem Grund erheben und erhalten sich ausgeprägte landschaftliche und stammesmäßige Eigenarten. Das Blumen- thaler Geschirr der Heiligen- Ab.. E°mm,un, WM
Formen zwei Leitformpaare auf: Haustopf und Feldtopf, Kaffeekanne und Milchtopf.
Mündlicher Ueberlieferung zufolge ist der gemutmaßte Urheber der Blumenthaler Töpferei, der Vater des Königspatenkindes sowie von 5 Blumenthaler Töpfermeistern, Johann Lotzien, geboren um 1773, aus Mecklenburg zugewandert. Sein Name weist in die gleiche Richtung, ebenfalls erfolgt der größte Absatz der Blumenthaler Ware in Mecklenburg, als wäre sie dort eingeführt. Gesellenaustausch zwischen Dahlhausen-Blumenthal und Mecklenburg ist erwiesen. Wer im Berliner Schloß Bellevue in der „Ausstellung Deutsche Bauernkunst" die „Hafnerware aus deutschen Landschaften" betrachtet, findet unter den mannigfaltigen Gestalten ein Blumenthaler Leitgefäß, den Haustopf: breit, tiefdunkel, für kurze Wege beidhändig an 2 Henkeln zu tragen, spruchverziert und mit weiteren gemeinsamen Merkmalen, so dem Fehlen der Außenglasur im unteren Drittel. Nicht Herkunftsort, aber -gebiet ist feststellbar: Mecklenburg!
Bei Erich-Beitl, Wörterbuch der deutschen Volkskunde, heißt es S. 170: „Die Essentrage aus Ton bot einst reichlich Gelegenheit zu volkstümlicher Auszier ( . . . Blumenthal mit Sprüchenl. Eine der 3 Hauptformen der Essentrage ist der weite Topf mit Seilhenkel, dessen Deckel zugleich als Teller dient <z. B. Prignitz)".
Nun besitzt unser Museum unter 14 Zweihenkeltöpfen 9 spruchverzierte, unter 7 Bügeltöpfen deren nur einen o). Ist nicht ursprünglich zu unterscheiden der zweihenklige, meist spruchverzierte Hausll-pf von der mit Bügel versehenen, säst stets anders
°) Diese Ausnahme — auch der betr. Spruch fällt aus dem Rahmen — «bgeb. m Brunner, a. a. O. Taf. 17.