Die heimische Feldmark liefert dem Blumenthaler Töpfer den Feuerstein als Bodenlager der eisernen Scheibenachse, die Holzpantine, mit der — wenn sie einmal abgetreten — das rechte Töpferbein die große untere Eichenscheibe in Umschwung bringt und erhält^), die Birkenrute, die manche Schüssel blau besprengt, die Gänsefederpose, durch die der Malkruke der farbige Schlicker entrinnt, die 3 Fuder Holz für jeden Brand.
Der Schmied liefert Schofgräber, Tonschneider, Hakenmesser, Hammerschlag, der Stellmacher dreht aus Pappel- und Eichenholz die Töpfer- und die Antriebsscheibe. Nehmen und Geben vor allem mit dem Bauer, dem für Ton und Fuhren in der Ernte geholfen wird, mit der Jugend, auch des Herzens: froh wird der Töpfer vor Polterabend der Erzeugnisse seines Mißgeschicks ledig, übernächsten Tags entsinnt er sich eines Mangels und erhandelt für seine Glasur zerbrochene Gläser und Fensterscheiben.
Man weiß die Hafnerware zu schätzen. Daher in manchem Ort die Profession des „Pottbinners" entsteht, der vornherein oder bevor es zu spät ist, einen Draht unter den Topfrand windet und ihn kunstvoll zum Boden schäkeltDer spitze Schenkel einer alten Schere leistet ähnliche Dienste: beiderseits des Sprungs bohrt er für Bindedraht ein Loch oder er macht durch Manipulation am Boden aus einem Gefäß, das sich überlebt hat, einen Blumentopf.
Der Töpfer kann „kein Herr nicht werden"? Blumenthal hat Anlaß, über unruhiges Blut noch unseres betagten Urtöpfers sich Gedanken zu machen. Mit der letzte Töpfer aber ist musterhaft Herr seiner selbst, Vorsteher der Gemeinde geworden. Oft zwar überrascht den Töpfer, wie später den Bauer, die Wohlhabenheit. Unbedenklicher als der Mitmensch greift er zum Zylinderhut, es sind „Matadore mit seidenen Schlipsen".
„Wer nur den lieben Gott läßt walten,
Und tut auch der Frau Meistern gut,
Den wird der Meister Wohl behalten!"
„Nach allen meinen Taten
Eß ich am liebsten Schweinebraten!"
„Wenn die Bauern müssen schwitzen,
Können wir im Kühlen sitzen!"
„Gott, du bist unsere Zuversicht für und für!
Ehr die Berge waren, waren wir!"
Erich gibt a. a. O. S. 440 u. a. für ostelbische Slaven des 11. Jahrhunderts an: „Die Töpferscheibe wird im allgemeinen mit dem nackten Fuß in Gang gesetzt und gehalten. Eine altertümlichere Art des Antriebes setzt das steinerne Schwungrad mit einer Stange in Bewegung". Diese „altertümlichere Art des Antriebes" verwenden die Blumenthaler Töpfer bei der Glättmühle. Vgl. dazu Lechler, a. a. O. Abb. 498 u. 499.
") In Heiligengrabe die Mutter unseres Urnenvaters Ziegler.