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Ist der Töpfer nicht wahrlich Herr geworden? Der Topf um des Reimes willen entsteht, die Dorfzeitung:
„Minchen mit der langen Nase Ist nicht mehr bei Kaufmann Daase!"
„Nu Kinners Lüd, hört düssen Spaß Von Dörte B. un Fernand Klaaß!"
Ein nimmersatter Torfstecher in Hörster Lake — die Döllener sagen: im Dannwollschen Luch — liest auf dem Boden seines eben geleerten neuen Topfes:
„Krischan Swatt, du Hasensnut,
Frett nich den ganzen Pott voll ut!"
Der Betrieb des Töpfers ist ursprünglich fast genormt, jeder hat den gleichbemessenen Ofen, die 2 Scheiben für sich und den Gesellen. Sie sind gut Freund miteinander:
„Pötter Schramm und August Jacht erkennt man an die Turnertracht!"
„Mit Pötter Kruse ist balt ut,
He hett alln groten Schorf ant Snut!"
- „Alle Lüd hebbu vör ehr Fenster Gardinen,
August Jacht hettn Sack vör sinen!"
^ Und doch ist August Jacht eigen im Beruf: er liebt es aus mehr als einem Grund, das Geschirr dünn und schneidig zu formen, vermeidet den weiten Milchtopfrand des Bruders Fritz und > dessen Gewohnheit, diesem Gefäß Tülle und Henkel in rechtem Winkel anzusetzen, was zur Gießbewegung bloß aus dem Handgelenk führt.
Der Scherz wächst auf dem Boden der Mühsal. Es ist etwas Besonderes um das Töpferwesen. Winterabends pfeifen und rufen die Lehrlinge der Schneider, Stellmacher, Müller den jungen Töpfer zur Spinustube — „Scher di hinuern Bock!" sagt der Meister und verweist hinter die Töpferscheibe.
Ist nach 7 Wochen Scheibenarbeit der Ofen gefüllt worden und in Brand, dann schlagen die Flammen oft mannshoch und weit sichtbar aus dem Schornstein. „De Pötters brennt in Blohmdahl!" Manch älterem Blumenthaler ist das Treiben des Töpfers tief erinnerlich, so wenn er — seinem Sinnbild, der Eule gleicht) — nächtlich Paßt und den Ofen stocht, wenn er zuletzt das Brennhausdach besteigt, um auch durch den Schornstein einen prüfenden Blick in die Glut zu werfen.
rt-
Erich, a. a. O. S. 442.