Heft 
(1937 - 1938) 1
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Sarkophage geben uns eine bildliche Darstellung solcher Spiele der Helden, bei denen der Tote als Schiedsrichter wirkend ge­dacht ist. (Abb. 8).

Römer und Etrusker haben diesen Brauch übernommen, doch sind es hier nicht mehr die Ebenbürtigen, die Edelen, die sich dem Toten zu Ehren im Wettstreit messen, sondern gemietete Gladiatoren, die zum Nervenkitzel jenes niederrassigen Volks­tums (Etrusker) bis zum blutigen Ende miteinander kämpsen. Aus dem Brauch zu Ehren des Toten ist hier eine Unterhaltung derGesellschaft" geworden.

Uns fehlen für das Brauchtum der Ahnen in unserem Lande die schriftlichen Zeugnisse; das Verhalten des Volkstums der Gegenwart und die Ergebnisse der Ausgrabungen sind für uns die einzigen und darum unersetzlichen Zeugnisse, die nur allzuoft mutwillig zerstört werden.

Rennbahnen, wie wir sie in der Ilias kennengelernt haben, sind verschiedentlich auf nordeuropäischem Boden gesunden worden. Die berühmteste ist die von Stonehenge bei Salisbury in Südengland, einem alten Sonuenheiligtum aus der Zeit um 2000 v. Zr., in dessen Nähe sich zahlreiche Gräber gefunden haben. In einer Länge von mehr als zweieinhalb Kilometern und 100 m breit erstreckt sich in schnurgerader Richtung, durch aufgerichtete Steine bezeichnet, die Rennstrecke und ganz ähn­liches zeigen Rennbahnen der gleichen Zeit, aus Nordfraukreich.

Auch eine Begrübnisstelle, die Steinkiste von Züschen bei Merseburg aus dem Ende der Jndogermanenzeit, zeigt die Ein­ritzungen von mehreren Wagen, die allerdings mit Ochsen be­spannt sind und in der Art ihrer Darstellung stark den gleich­zeitigen Felszeichnungen Skandinaviens ähneln. Auf diesen sind häufig Wagen dargestellt und wir können vermuten, daß es sich hier ebenfalls um solche Rennwagen handelt. Im Original ist nur ein einziger Wagen dieser Art erhalten, aus dem Königs­grabe von Theben in Oberägypten, der in der Art seiner Hölzer und der Bauweise die nordische Herkunft verrät.

Das schönste Beispiel aus urgermanischer Zeit ist die Dar­stellung eines solchen Rennwagens auf den Steinplatten des Grabes von Kivik in Südschweden und hier wird auch die Beziehung zum Toteukult besonders deutlich.

Aus dem Ende der urgermauischen Zeit kennen wir wieder zahlreiche Wagendarstellungen auf den eigenartigen Aschengefäßen, denGesichtsurnen" Ostdeutschlands. (Abb. 010.) Es entsteht nun die Frage nach der Bedeutung dieser Darstellungen, die vielleicht über das Leichenspiel hinaus die Fahrt des Toten ins Jenseits auf einem Wagen wiedergeben. Für diese Annahme sprechen vor allem die Wage^gräber der Kelten, die sich eben-