Heft 
(1937 - 1938) 1
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im Dorf stirbt, ist es noch häufig Sitte, daß der Sarg von den anderen Bauern zum Kirchhof getragen wird; ebenso tragen die Knechte ihren verstorbenen Kameraden.

Ganz das gleiche wissen wir von den Germanen des ersten Jahrtausends unserer Zeitrechnung; am schönsten geschildert ist diese feierliche Handlung im Beowulfliede:

Dann haben die Helden den Hügel umritten,

Zwölf Edelingssöhne alles in allem,

Sie wollten den Fürsten feiern in Reden,

Bejammern, beklagen und vom Könige sagen.

Seine edele Art und sein adelig Werk

Priesen sie ziemend. Das ziert den Gefolgsmann,

Den geliebten Herrn zu loben mit Worten Treulichen Sinns, wenn er trennen sich soll Und aus des Leibes Hülle geleitet werden.

Fast zwei Jahrtausende weiter zurück führt uns die Schilde­rung von Patroklus' Leichenbegängnis in der Ilias des Homer. Wenn wir auch diesen Beleg für das Brauchtum germanisch­nordischen Volkstums anführen, so hat das seine Berechtigung. Wir wissen, daß Ende des dritten Jahrtausends vor Beginn unserer Zeitrechnung indogermanische Völker aus dem Norden nach Griechenland gezogen sind und dort die große Zeit des Griechentums durch den Wert ihrer Rasse begründeten. So be­zeugen die griechischen Tempel den vom Holz in Stein umge­setzten Baugedanken des Nordens.

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Abb. 8. Kleinasiatischer Sarkophag.

Vieles, was Homer im 23. Gesang der Ilias schildert, geht sicherlich in diese Zeit des Ausgriffs nordischen Volkstums nach Griechenland zurück und hat ohne Zweifel viel Altertümliches. So müssen wir uns die Meta der Rennbahn (die Spitzsäule, die beim Wagenrennen umrundet werden muß) als das Mahnmal, den Grabstein, des Verstorbenen vorstellen und den Grabhügel damit als den Mittelpunkt der Spiele, die zu Ehren des Toten abgehalten werden. Das Programm bei der Leichenfeier des Patroklus ist folgendes: Wagenrennen im zweirädrigen Streit­wagen, Faustkam'pf, Ringkampf und Speerkamps. Klein asiatische