Heft 
(1937 - 1938) 1
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der Bremer Stadtmusikanten gefunden, genau so wie wir sie aus den Grimmschen Märchen kennen, zu unterst der Esel, und als oberstes Tier der Hahn. Noch mehr Ueberraschungen bot die jetzt noch andauernde Grabung in Ur, wo man ein Brett­spiel, mit dem sich Erwachsene unterhielten, fand und das das Böse-Blick Spiel" genannt wurde. Dieses Spiel wurde bou dem ältesten Kulturvolk Mesopotamiens, den Sumerern, gespielt. Es besteht aus 20 Feldern und endet genau hinter einer Brücke, wie im Himmel- und Höllespiel. Der böse Blick (Felder mit 4 Augen) ist ein Unglücksfeld, dessen Betreten dem Tode gleich­kommt. Es ist fünfmal vorhanden und sperrt die Zugänge zur Brücke. Auch die Felder mit dem achtblättrigen Glücksstern sind fünfmal vorhanden. Dann kommt im mittleren Anfangs­feld die Zwölfzahl, zweimal die Zwanzigzahl und endlich die Fünf in Umrahmung zweimal vor, wahrscheinlich die Zahl 300 bedeutend.

Das Kinderspiel Himmel und Hölle von heute ist natürlich einfacher als sein Vorläufer, das von erwachsenen Männern gespielt wurde. Ueberrascheud sind aber die Beziehungen und Vergleiche, die uns zeigen, wie tief in Vorgeschichte und Ver­gangenheit Bräuche, Spiele und Feste unserer Zeit verankert sind.

Totenehre und Leichenspiel.

^lV>enn der Sarg in das Grab hinabgelassen wird und die Leidtragenden drei Hände Erde hinuntergeworfen haben, ist heute der feierliche Akt des Begräbnisses beendet. Die Kaffee­tafel, die darauf folgt, oder der Gang ins Wirtshaus, sind die einzigen Ueberbleibsel des alten Leichenschmauses, bei den: der Tote noch als anwesend betrachtet wurde. Dies zeigt ein Brauch, der noch bis vor kurzem in dem den beiden Prignitzen benachbarten Kreise Osthavelland, in Pausin, geübt wurde. Dort gingen die Männer nach dem Begräbnis ins Wirtshaus, setzten sich und bestellten jeder ein Glas Bier. Außerdem wurde in die Mitte des Tisches noch ein gefülltes Glas gestellt, das dem Toten gehörte; nun erhoben sich alle, stießen schweigend mit dem Glas des Toten an, und tranken aus. Das Glas des Toten durfte aber niemand berühren und der Inhalt wurde fortgegossen. Wagte trotzdem einer, daraus zu trinken, so befiel ihn schwere Krankheit oder er starb sogar daran.

Diese Gemeinschaft der Lebenden und der Toten findet auch in vielen anderen Bräuchen ihren Ausdruck. Wenn ein Bauer