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dem Schiffins Jenseits; im binnenländischen illyrisch-keltischen Volkstum vertritt der Wagen die Stelle des Schiffes; aber auch die Germanen haben dem Wagen eine kultische Bestimmung gegeben, ja, sie haben sogar das Ding und damit die Bedeutung von dem anderen Volke übernommen aus Grund ihrer rassischen Urverwandtschaft. Ohne eine solche wäre auch die Uebernahme der Vorstellung vom Totenwageu bei den Gesichtsurnenleuten nicht zu verstehen, denn auf keinem einzigen Gefäß ist bei ihnen eine Schiffsdarstellung zu finden, während Wagen öfters erscheinen. Eine schöne Bestätigung dieser Ansicht geben die Volksüberlie- serungen unserer Tage: in zahlreichen Sagen Ostdeutschlands kehrt der Tote wieder in einem schwarzen, durch die Kirche dämonisierten feurigen Wagen, auch wenn er im Leben nie einen Wagen besessen hat.
Damit erhalten auch die Darstellungen auf den Gesichtsurnen eine neue Bedeutung; sie zeigen nun sinnbildlich die Reise des Toten ins Jenseits. Volkmar Kellermann.
Zwei Prignitzer Lagen.
Die Glocke im Hennekendorfer Teich.
^fV>er in der Stiftsforst Heiligengrabe von der alten Dorf- stelle Heidelberg aus in östlicher Richtung geht, trifft nach einer Viertelstunde auf ein im schmalen Tal des Nadelbachs zwischen Wald und Wiese gelegenes, von Erlen umsäumtes, tiefes Wasserloch, den „Hennekendorfer Teich". Hennekendors selbst lag vielleicht weit nördlich im Gelände, das heute Galgenbreite heißt. Aber auch südlich des Teiches ist Brandschutt zu finden.
Dem „Hennekendorfer Teich" entstammt die Blumenthaler Kirchenglocke.
Schon das Aussehen dieser Glocke ist eigenartig: der Glockenrand ist beschädigt, keine Jahreszahl verrät ihr Alter.
Einst waren Frauen am Hennekendorfer Teich mit Zeugwaschen beschäftigt. Als eine der Frauen ein Stück Wäsche auf einen großen, grünen Stein schlug, begann der Stein zu tönen: cs war eine Glocke!
Mit einem Gespann Pferde versuchte man die Glocke zu bergen. Vergeblich! Die Pferde ertranken bei dem Versuch.
In der Nähe war eine Blumenthaler Bäuerin mit vier Ochsen; sie kam mit diesen herbei und ermahnte sie: „Nu alle mine Oessekeu, nn toglik! Vör arm so got as vör rik!"