Heft 
(1939 - 1940) 1
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zeigen Abdrücke von Händen, Kindersüßen, Strahlenbüschel, welch letztere man als Hexenbesen oder besser noch als Sonnen­zeichen, ähnlich der halbkreisförmigen Schnitzverzierung im, Giebel alter Häuser, deuten kann. Offenbar soll die Anbringung der Steine in der Schwelle des mittelalterlichen Hauses glück­bringend sein oder auch bösen Mächten das Eindringen ins Haus wehren. (Vgl. heutige Bräuche Nadeln in die Schwelle schlagen, Tierhaare unter die Schwelle legen, die ebenfalls vor Krankheit und Unglück schützen sollen.)

Die Entstehung derbunten Steine" zeigt uns, daß die heute gern gebrauchte BezeichnungFeierabendziegel" nicht recht zutreffend ist, da die meisten von ihnen nicht einer Mußestunde ihr Dasein verdanken, sondern während der sehr schweren Arbeit des Ziegelstreichens entstanden sind. Bei den Zerlanger Zieglern besteht der Brauch, dem Inhaber der Ziegelei beim alljährlichen Beginn des Streichens oder einem fremden Besucher des Ziegel­platzes beim Betreten desselben einenbunten Stein" zu über­reichen oder vorzuhalten. Unter den Zieglern entsteht bei solchem Anlaß ein kleiner Wettstreit, da jeder der erste sein will, um den Ankommenden mit seinem Erzeugnis zu beglücken. Schnell wird ein Holzspan mit dem Taschenmesser eingekerbt und mit ihm die vorerwähnte halbkreisförmige Zeichnung in den noch feuchten Ton hineingedrückt. Die eingeschnittenen Kerben unter­brechen und beleben dadurch die einzelnen Strahlen. Ein anderer Ziegler machts schneller: Die nicht ganz geschlossene Faust wird in den Ton geschlagen und mit den Fingerspitzen werden darüber Eindrücke angebracht, so daß eine Zeichnung ähnlich einem Kinder­fußabdruck entsteht. Am einfachsten ist es aber, nur die Hand mit gespreizten Fingern in den frischen Stein zu schlagen, um einen bunten Stein" herzustellen. Mit diesem Erzeugnis seiner Hand- ertigkeit eilt der Ziegler dem Ankömmling entgegen und spricht: Ich bringe dem Herrn einen bunten Stein;

Auf allen vier Ecken ist er hübsch und fein.

Derselbe ist gemacht durch des Zieglers Hand Und wird gesetzt an Feuer und Brand.

Sollte der Stein gut geraten,

Mochte ich gern bitten,

Ihn zu beschütten Mit lauter Dukaten.

Sie mögen sein Groß oder klein (Bier oder Branntewein),

Wir wollen mit allem zufrieden sein.

Es ist man nicht für uns allein,

Es soll dem Herrn'zur Ehre sein."

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