Heft 
(1939 - 1940) 1
Seite
67
Einzelbild herunterladen

Havelberg hin gleichfalls am Ende der Eiszeit eine Seenkette war, die dann erst durch die Elbüberschwemmungen mit Ton und Sand und in den Zwischenzeiten durch Moorbildung mit Torf gefüllt wurde. Nur die seitab liegenden Seen wie der Hohennauener und der Gülper See blieben unausgefüllt.

Hiernach sieht das erdgeschichtliche Bild der Gegenden, die südlich an die Prignitz grenzen, etwa so aus: Bis zum Anfang der letzten Eisbedeckung stoß ein großer Strom von Osten ans dem Spreetale durch das Havelländische Luch. Er versiegte oder wurde abgedrängt durch das Eis der letzten Vergletscherung. Unter dieser letzten Eislast zerbarst aber der Boden, die Risse hinterließen Seenbecken, und als das Eis forttaute, mußte sich das Wasser, das früher von Osten durch das Havelländische Luch geflossen war, in diese Seenbecken ergießen. Ihnen folgte es längs des ganzen Zickzack-Laufes der unteren Havel. Die Elbe aber schüttete bei ihren gelegentlichen Ueberschwemmungen den unteren Teil dieser Seenkette größtenteils Wohl noch im Laufe der Steinzeit zu bis auf das schmale Flußbett, das die Havel offenhalten konnte.

Ich möchte mit einem Ausblick schließen, der die Zusammen­arbeit erdgeschichtlicher und vorgeschichtlicher Forschung gerade im Prignitzer Gebiet unter der Fragestellung des eben Mit­geteilten betrifft. Die Prignitz liegt in dem Zwischengebiet zwischen dem Havelländischen Luch und jener in neuester Zeit durch ihre altsteinzeitlichen Funde berühmt gewordenen Land­schaft östlich von Hamburg, in der der Schaalsee, Meyendors und Ahrensburg liegen. Dort hat man, älteren Theorieen folgend, die altsteinzeitlichen Funde sämtlich für jünger als die Eiszeit gehalten, weil man meinte, die Sackungen, die die Fundschichten zeigten, seien die Folge spät abtauenden Toteises gewesen. Das Bild, das wir jetzt von der unteren Havel ge­wannen, macht es unwahrscheinlich, daß in der Zeit des Auf- tauens toten Eises schon Menschen in der Wüste wohnen konnten, die nach der Eiszeit zunächst folgte. Dagegen wird es ander­seits wahrscheinlich, daß jene Sackungen zusammenhängen mit den Berstungen, die die Seenketten erzeugten. Dann müssen sie durch das Eis, also vor dessen Verschwinden, entstanden sein. Die mitgesackten Fundschichten müssen dann älter sein als die letzte Eisbedeckung. Würden wir ähnliche Funde nun in dem Zwischengebiet machen oder in solchem Zusammenhangs mit der unteren Havel, daß deren erdgeschichtliche Entwicklung uns zur Festlegung der Altersbeziehungen dienen könnte, dann würde sich unser Bild von der älteren Steinzeit in Norddeutschland grundlegend verschieben können.