68
Buchbesprechung.
Dr. Stella Seeberg: Dorfgemeinschaft in dreihundert Jahren. Gemeinsam mit den Bewohnern des Bauerndorfes Kuhbier erarbeitet.
142. Sonderheft der „Berichte über Landwirtschaft". Zeitschrift für Agrarpolitik und Landwirtschaft. Verlag Paul Parey.
Das vorliegende Heft muß zu den wichtigsten heimatkundlichen Veröffentlichungen im Gebiet der Prignitz aus den letzten Jahren gerechnet werden. Es greift aber weit über diesen engeren Rahmen hinaus in den Fragen und Ausblicken, die es eröffnet. Wohl betont die Verfasserin immer wieder, daß man die Einzelentwicklung dieses Dorfes nicht verallgemeinern dürfe. Und doch heben sich aus diesem Sonderschicksal Grundlinien einer Gesamtentwicklung heraus, die wir, schwächer oder stärker, in weiten Gebieten unseres Vaterlandes werden verfolgen können. Von der Aufbauzeit nach dem dreißigjährigen Kriege bis in die Gegenwart verfolgt die Verfasserin den sozialen Aufbau des Dorfes Kuhbier als eines lebendigen Organismus. Verhältnismäßig schnell schließen sich die zum Teil von weither — Holstein — eingewanderten Bauern mit dem alten übriggebliebenen Bestand zu einer Gemeinschaft zusammen. Heiraten untereinander verstärken diese innere Verbundenheit. Stella Seeberg weist nach, daß in den alten Kuhbierer Familien ein verhältnismäßig großer Ahnenschwund zu finden ist, d. h., daß durch Versippung dieselben Menschen in der Ahnenreihe mehrfach wiederkehren. Es bildet sich dadurch mit der Zeit eine stärkere Gleichheit des Fuhlens und Denkens heraus, die das Gemeinschaftsleben außerordentlich erleichtert und die auch ein Festhalten an Ueberlieferung und Brauch begünstigt. Rechnet man dazu die gleichen Besitzverhältnisse — die Bauernhöfe stimmen in der Größe überein — so ist eine gleiche Ebene der Lebenshaltung gegeben, die weiter einen starken Zusammenhalt bedingt. Aber es kommt noch ein sehr wichtiges drittes Moment dazu: die Arbeiter auf den Bauernhöfen ergänzen sich aus dem Bestand der jüngeren Söhne. Diese Arbeiter gehören also durch Blutverbundenheit mit in die Dorfgemeinschaft. Sie sind wohl sozial ungünstiger gestellt, aber menschlich miteinbezogen in die Zusammengehörigkeit eines lebendigen Ganzen. Das ändert sich grundlegend erst nach der Bauernbefreiung. Der Bauernhof ist nicht mehr das Schicksal der Familie — er ist bewegliches, verkäufliches Gut geworden. Die jüngeren Söhne sind nicht inehr an den Boden gebunden — sie streben neuen Aufstiegsmöglichkeiten zu. Die Folgen sind verhältnismäßig schneller Besitzwechsel, besonders nach der gewaltigen Preissteigerung des