UNI-MITARBEITER WICHTIGER WIRTSCHAFTSFAKTOR
FÜR DIE REGION
Weitere Ergebnisse einer Studie über„Regionale Wirkungen der Universität Potsdam“ vorgelegt
In Zeiten allgemeiner Finanzknappheit wird zwangsläufig über Einsparungspotentiale in den öffentlichen Haushalten diskutiert. Hochschulen und Universitäten werden in dieser Debatte dabei oft und ausschließlich unter Kostengesichtspunkten betrachtet. Daß diese Einrichtungen jedoch ebenso ökonomischen Nutzen bringen, findet häufig kaum Beachtung.„Regionale Wirkungen der Universität Potsdam“ untersuchen deshalb Wissenschaftler an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Alma mater unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Gloede und Prof. Dr. Klaus Schöler.
Nach ersten Ergebnissen über das Ausgabenverhalten der Studierenden legen die Experten jetzt eine detaillierte Analyse zum Ausgabenverhalten der Uni-Mitarbeiter und den damit verbundenen regionalen Effekten vor. Demnach verfügen die 1895 zum Untersuchungszeitpunkt an der Hochschule Beschäftigten über ein monatliches Gesamteinkommen von 6,25 Millionen DM. Von den regional nachvollziehbaren Ausgaben in Höhe von monatlich 3,87 Millionen DM entfallen allein auf die Stadt Potsdam 1,77 Millionen DM. Diesem 46 Prozent der Gesamtausgaben betragenden Löwenanteil stehen 14 Prozent im Umland, 30 Prozent in Berlin und zehn Prozent in anderen Regionen gegenüber. Für ihren Lebensunterhalt sorgen die Uni-Mitarbeiter fast zur Hälfte in der brandenburgischen Landeshauptstadt selbst.
woanders 10%
Berlin 28%
Umland 15%
Regionale Struktur der Lebenshaltungsausgaben der Mitarbeiter
Nicht ganz so gut fallen die Resultate bezüglich der Gelder zugunsten individueller Freizeitaktivitäten und-vergnügungen aus. In Potsdam verbleiben laut Studie monatlich etwa 208.000 DM, rund 40 Prozent der gesamten Freizeitausgaben. Nur unwesentlich weniger, 197.000 DM, geben die Wissenschaftler und Verwaltungsangestellten dafür monatlich in Berlin aus.„Jene Zahlen“, konstatiert der an dieser zweiten Teiluntersuchung wesentlich beteiligte Toralf Schirmag,„sind ein Indiz dafür, daß insbesondere im Freizeitbereich eine Abwanderung der Kaufkraft nach Berlin stattfindet. Gleichzeitig
sollten sie aber auch regionalen und lokalen Planungs- und Entscheidungsträgern Handlungsbedarf signalisieren.“
Die vorliegende Publikation enthält neben empirischen—Auswertungsergebnissen gleichfalls modelltheoretische Betrachtungen, auf deren Basis weitergehende Berechnungen angestellt werden. Das Ausgabenverhalten, schlußfolgern Schirmag und Schöler schließlich, erzeuge weitere Tegionale Effekte. Andere Personen erzielten daraus Einkommen und verfügten über Arbeit. Die durch die Uni-Mitarbeiter auf diese Wei
‚woanders 12%
Potsdam 40%
Berlin“
39% Umland
% Regionale Struktur der Freizeitausgaben der Mitarbeiter
se verursachten zusätzlichen Einkommenseffekte beziffern sie auf rund 12,75 Millionen DM im Jahr. Der induzierte Beschäfüigungseffekt besitzt nach Ansicht der beiden Autoren eine Größenordnung von etwa 200 Arbeitsplätzen, davon 70 allein in Potsdam. Insgesamt aber hängen an der Universität Potsdam direkt wie auch indirekt immerhin etwa 2059 Arbeitsplätze. Aus den sich daraus ergebenden Einkommen leitet sich ein jährliches Ausgabenpotential von 74 Millionen DM ab. Rund 27,5 Millionen DM davon klingeln in Potsdams Kassen.
Die Studie zu den„Regionalen Wirkungen der Universität Potsdam“ soll durch einen dritten Teil über universitäre Sach- und Bauausgaben ergänzt werden. Mit dem Abschluß der gesamten Untersuchung ist bis zum Ende des Sommersemesters zu rechnen.„Ihre Fakten könnten die Bedeutung der Universität Potsdam für die Region in einem neuen Licht erscheinen lassen“, betont Schöler. PG./Graphiken: Schöler
CHRISTEN IN DER ANTIKEN GESELLSCHAFT
Ulrike Riemer zur Offenbarung des Johannes
Die Offenbarung des Johannes, das letzte Buch im Neuen Testament, hat als historische Quelle in diesem Jahrhundert das Augenmerk der Forschung auf sich gelenkt. Auch Ulrike Riemer widmet sich in ihrer gerade abgeschlossenen, voraussichtlich beim Stuttgarter Teubner Verlag erscheinenden Dissertation dem Gegenstand. Das genaue Thema der Arbeit lautet:„Das Tier auf dem Kaiserthron? Untersuchung zur Offenbarung des Johannes als historischer Quelle“.„Die Offenbarung des Johannes“ entstand etwa 95 n. Chr. in Kleinasien. Von zahlreichen Historikern wird sie als Zeugnis einer Christenverfolgung unter dem letzten flavischen Kaiser Domitian(81-96 n.Chr.) herangezogen, während Theologen sie vor dem historischen Hintergrund einer solchen Verfolgung als eine Trostschrift auslegen.
Domitian wurde 96 n.Chr. das Opfer einer Palastverschwörung und verfiel durch Senatsbeschluß der damnatio memoriae, sein Name wurde damit aus Inschriften getilgt und seine Büsten entfernt oder geköpft. Die Quellenlage zu seiner Person ist dementsprechend mager. Insbesondere das literatische Bild erscheint verzerrt, da zu berücksichtigen ist, daß alle Historiographen(Tacitus, Plinius, Sueton) erst nach seinem Tod schrieben und zudem den Reihen des oppo
sitionellen Senatorenstandes entstammten oder ihm zumindest nahestanden. Domitians Leben und Taten bieten dennoch keinerlei Hinweise auf eine besondere Gefahr für das frühe Christentum in Kleinasien. Aber die typologische Einordnung durch die römischen Autoren greifen die frühchristlichen Apologeten römischer Herkunft(Tertullian und Laktanz) auf und ordnen den Kaiser in ihrer Liste der tyrannischen, christenverfolgenden Herrscher ein. Bis zum Ende des 4. Jahrhunderts setzt sich dieses literatische Bild Domitians als eines Christenverfolgers durch(Eusebios und Orosius). Unzweifelhaft ist die Offenbarung ein Werk, das in einer Zeit der Bedrängnis für die Christen geschrieben wurde. Johannes mahnt sie zu Standhaftigkeit und Treue und warnt in gewaltigen Bildern vor Gefahren und Katastrophen. Das große Thema der Apokalypse ist der Endkampf, die letzte Auseinandersetzung zwischen Gott und den teuflischen Kräften. Das Böse versinnbildlicht der Seher Johannes in drei Tierfiguren: Zunächst wird Satan, die große Schlange, aus dem Himmel auf die Erde gestürzt. Als er dort entmachtet wird, schafft er sich Helfer: ein Tier aus dem Meer und ein Tier vom Land, die mit seiner Machtfülle den Kampf weiterführen. Trotz einiger Erfolge werden sie am Ende besiegt und in eiFortsetzung nächste Seite
PUTZ 3/98
Seite 21