Heft 
(1.1.2019) 03
Einzelbild herunterladen

UNI-MITARBEITER WICHTIGER WIRTSCHAFTSFAKTOR

FÜR DIE REGION

Weitere Ergebnisse einer Studie überRegionale Wirkungen der Universität Potsdam vorgelegt

In Zeiten allgemeiner Finanzknappheit wird zwangsläufig über Einsparungs­potentiale in den öffentlichen Haushalten diskutiert. Hochschulen und Universitä­ten werden in dieser Debatte dabei oft und ausschließlich unter Kostengesichts­punkten betrachtet. Daß diese Einrichtun­gen jedoch ebenso ökonomischen Nut­zen bringen, findet häufig kaum Beach­tung.Regionale Wirkungen der Univer­sität Potsdam untersuchen deshalb Wis­senschaftler an der Wirtschafts- und So­zialwissenschaftlichen Fakultät der Alma mater unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Gloede und Prof. Dr. Klaus Schöler.

Nach ersten Ergebnissen über das Aus­gabenverhalten der Studierenden legen die Experten jetzt eine detaillierte Analyse zum Ausgabenverhalten der Uni-Mitarbeiter und den damit verbundenen regionalen Effekten vor. Demnach verfügen die 1895 zum Untersuchungszeitpunkt an der Hochschule Beschäftigten über ein monatliches Gesamt­einkommen von 6,25 Millionen DM. Von den regional nachvollziehbaren Ausgaben in Höhe von monatlich 3,87 Millionen DM ent­fallen allein auf die Stadt Potsdam 1,77 Millio­nen DM. Diesem 46 Prozent der Gesamtaus­gaben betragenden Löwenanteil stehen 14 Prozent im Umland, 30 Prozent in Berlin und zehn Prozent in anderen Regionen gegen­über. Für ihren Lebensunterhalt sorgen die Uni-Mitarbeiter fast zur Hälfte in der branden­burgischen Landeshauptstadt selbst.

woanders 10%

Berlin 28%

Umland 15%

Regionale Struktur der Lebenshaltungsausga­ben der Mitarbeiter

Nicht ganz so gut fallen die Resultate bezüg­lich der Gelder zugunsten individueller Freizeitaktivitäten und-vergnügungen aus. In Potsdam verbleiben laut Studie monatlich etwa 208.000 DM, rund 40 Prozent der ge­samten Freizeitausgaben. Nur unwesentlich weniger, 197.000 DM, geben die Wissen­schaftler und Verwaltungsangestellten dafür monatlich in Berlin aus.Jene Zahlen, kon­statiert der an dieser zweiten Teilunter­suchung wesentlich beteiligte Toralf Schir­mag,sind ein Indiz dafür, daß insbesonde­re im Freizeitbereich eine Abwanderung der Kaufkraft nach Berlin stattfindet. Gleichzeitig

sollten sie aber auch regionalen und lokalen Planungs- und Entscheidungsträgern Hand­lungsbedarf signalisieren.

Die vorliegende Publikation enthält neben empirischenAuswertungsergebnissen gleichfalls modelltheoretische Betrachtun­gen, auf deren Basis weitergehende Berech­nungen angestellt werden. Das Ausgaben­verhalten, schlußfolgern Schirmag und Schöler schließlich, erzeuge weitere Tegio­nale Effekte. Andere Personen erzielten dar­aus Einkommen und verfügten über Arbeit. Die durch die Uni-Mitarbeiter auf diese Wei­

‚woanders 12%

Potsdam 40%

Berlin

39% Umland

% Regionale Struktur der Freizeitausgaben der Mitarbeiter

se verursachten zusätzlichen Einkommens­effekte beziffern sie auf rund 12,75 Millionen DM im Jahr. Der induzierte Beschäfüigungs­effekt besitzt nach Ansicht der beiden Auto­ren eine Größenordnung von etwa 200 Ar­beitsplätzen, davon 70 allein in Potsdam. Ins­gesamt aber hängen an der Universität Pots­dam direkt wie auch indirekt immerhin etwa 2059 Arbeitsplätze. Aus den sich daraus er­gebenden Einkommen leitet sich ein jährli­ches Ausgabenpotential von 74 Millionen DM ab. Rund 27,5 Millionen DM davon klin­geln in Potsdams Kassen.

Die Studie zu denRegionalen Wirkungen der Universität Potsdam soll durch einen dritten Teil über universitäre Sach- und Bau­ausgaben ergänzt werden. Mit dem Ab­schluß der gesamten Untersuchung ist bis zum Ende des Sommersemesters zu rech­nen.Ihre Fakten könnten die Bedeutung der Universität Potsdam für die Region in einem neuen Licht erscheinen lassen, be­tont Schöler. PG./Graphiken: Schöler

CHRISTEN IN DER ANTIKEN GESELLSCHAFT

Ulrike Riemer zur Offenbarung des Johannes

Die Offenbarung des Johannes, das letzte Buch im Neuen Testament, hat als histori­sche Quelle in diesem Jahrhundert das Augenmerk der Forschung auf sich ge­lenkt. Auch Ulrike Riemer widmet sich in ihrer gerade abgeschlossenen, voraus­sichtlich beim Stuttgarter Teubner Verlag erscheinenden Dissertation dem Gegen­stand. Das genaue Thema der Arbeit lau­tet:Das Tier auf dem Kaiserthron? Unter­suchung zur Offenbarung des Johannes als historischer Quelle.Die Offenbarung des Johannes entstand etwa 95 n. Chr. in Kleinasien. Von zahlreichen Historikern wird sie als Zeugnis einer Christenverfol­gung unter dem letzten flavischen Kaiser Domitian(81-96 n.Chr.) herangezogen, während Theologen sie vor dem histori­schen Hintergrund einer solchen Verfol­gung als eine Trostschrift auslegen.

Domitian wurde 96 n.Chr. das Opfer einer Palastverschwörung und verfiel durch Se­natsbeschluß der damnatio memoriae, sein Name wurde damit aus Inschriften getilgt und seine Büsten entfernt oder geköpft. Die Quellenlage zu seiner Person ist dement­sprechend mager. Insbesondere das litera­tische Bild erscheint verzerrt, da zu berück­sichtigen ist, daß alle Historiographen(Taci­tus, Plinius, Sueton) erst nach seinem Tod schrieben und zudem den Reihen des oppo­

sitionellen Senatorenstandes entstammten oder ihm zumindest nahestanden. Domitians Leben und Taten bieten dennoch keinerlei Hinweise auf eine besondere Gefahr für das frühe Christentum in Kleinasien. Aber die typologische Einordnung durch die römi­schen Autoren greifen die frühchristlichen Apologeten römischer Herkunft(Tertullian und Laktanz) auf und ordnen den Kaiser in ihrer Liste der tyrannischen, christen­verfolgenden Herrscher ein. Bis zum Ende des 4. Jahrhunderts setzt sich dieses litera­tische Bild Domitians als eines Christen­verfolgers durch(Eusebios und Orosius). Unzweifelhaft ist die Offenbarung ein Werk, das in einer Zeit der Bedrängnis für die Christen geschrieben wurde. Johannes mahnt sie zu Standhaftigkeit und Treue und warnt in gewaltigen Bildern vor Gefahren und Katastrophen. Das große Thema der Apokalypse ist der Endkampf, die letzte Auseinandersetzung zwischen Gott und den teuflischen Kräften. Das Böse versinn­bildlicht der Seher Johannes in drei Tier­figuren: Zunächst wird Satan, die große Schlange, aus dem Himmel auf die Erde gestürzt. Als er dort entmachtet wird, schafft er sich Helfer: ein Tier aus dem Meer und ein Tier vom Land, die mit seiner Machtfülle den Kampf weiterführen. Trotz einiger Erfol­ge werden sie am Ende besiegt und in ei­Fortsetzung nächste Seite

PUTZ 3/98

Seite 21