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(1.1.2019) 03
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QUALITÄT DER LEHRE VON STUDIERENDEN BEWERTET

Über einen Pilotversuch an

Im Dezember 1996 beschloß der Akade­mische Senat der Universität Potsdam die Einführung desPotsdamer Modells der Lehrevaluation. Hintergrund dafür ist der Wille der Uni-Leitung, eine Verbesserung der Qualität der Lehre herbeizuführen. Erprobt wird das Modell nun in einer dreijährigen Pilotphase. Im Zentrum der Bemühungen steht dabei die Einrichtung einer für die Hochschule zentralen Ser­vice-Stelle für Lehrevaluation. Deren Auf­bau erfolgt derzeit durch die Arbeitsgrup­peQualität der Lehre. Angesiedelt ist sie an der Wirtschafts- und Sozialwissen­schaftlichen Fakultät und wird dort von der Professur für Sozialstrukturanalyse fachlich und organisatorisch betreut. Mit­tel aus dem Hochschulsonderprogramm II sichern die finanzielle Förderung.

Mit seinen drei tragenden Säulen folgt das Modell Empfehlungen des Wissenschafts­rates: Es umfaßt zum einen studentische Veranstaltungskritiken zur Beurteilung der Qualität von Lehrveranstaltungen, die im übrigen schon jetzt in verschiedenen Insti­tuten, wie beispielsweise dem für Psycho­logie, regelmäßig zur Kenntnis vorliegen. Als innovatives Element beinhaltet es die dauerhafte Einrichtung einer zentralen studienbegleitenden Absolventenerhe­bung, aber auch externe Evaluationen durch fachnahe Gutachter, die nach dem für Berufungsverfahren an Universitäten üblichen Modell organisiert werden sollen.

Studienbegleitende Absolventenerhebung

Das Herzstück des Potsdamer Modells stellt eine studienbegleitend angelegte Be­fragung von Studierenden aller Fakultäten dar. Geplant sind Befragungen über die Studieneingangsphase, den Wechsel vom Grund- ins Hauptstudium und über die Pha­se der Abschlußprüfung. Darüber hinaus soll der Kontakt auch über den Studienab­schluß hinaus gehalten werden, um die künftigen Absolventen später zum Beispiel über ihre Erfahrungen beim Übergang vom Studium in den Beruf berichten zu lassen. Schließlich interessiert deren Einschätzung von Nutzen und Verwertbarkeit der im Stu­dium vermittelten Inhalte und Qualifikatio­nen vor dem Hintergrund der Erfahrungen am Arbeitsmarkt.

Eine erste Befragung über die Studienein­gangsphase fand bereits im Winterseme­ster 1997/98 statt. Die Fragenkomplexe be­trafen die Studienmotivation sowie die Be­urteilung der Studieneingangsphase, der Studienbedingungen und der Studienbera­tung. Von den ca. 2.600 ausgesandten Bö­

gen erhielt die Arbeitsgruppe 36 Prozent zurück. Erste Auswertungen dazu werden im Sommersemester 1998 vorliegen.

Qualität der Lehre: Ergebnisse der Pilotstudie an WiSo-Fakultät

Dank der Bereitschaft der Studierenden der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, sich an der Befragung zu beteili­gen, und dank tatkräftiger Unterstützung durch die Fakultät, ihre Lehrenden und Fachschaften war es möglich, im Sommer­semester 1997 insgesamt 1.750studenti­sche Veranstaltungskritiken von rund 800 Studierenden aus 30 Vorlesungen, 59 Semi­naren und 18 Übungen einzuholen.

En

Unterschiedliche Faktoren gibt es offensichtlich für die Beurteilung von Lehr- en veranstaltungen. Gerade bei Seminaren und Übungen spielt das herrschende für

Lernklima eine große Rolle.

Im Urteil der Studierenden zeichnen sich die Lehrveranstaltungen der WiSo-Fakultät durch eine hohe Qualität aus. Auf der von 1(sehr schlecht) bis 11(sehr gut) rei­chenden, elfstufigen Qualitätsskala wird den Veranstaltungen im Mittel ein Wert von 7,3 attestiert, circa zwei Drittel aller Lehrver­anstaltungen erfahren eine Gesamtbe­wertung zwischen 5,1 und 9,5.

Thema Beurteilungsgrund Relatives Gewicht Erwartung 6| Erwartungen erfüllt 0,38 Interesse | Studierende interessiert 0,39 Interesse am Fach gefördert 0,22 | Vortragsstil interessant Ze 0,22 Anderes | Struktur der Veranstaltung| 0,17 Methoden gelernt 0,14 Vortragsstil frei 0,11

Zunächst fallen einige deskriptive Unter­schiede im Qualitätsurteil auf. Seminare und Übungen werden im Schnitt etwas besser beurteilt als Vorlesungen. Mit stei­gender Fachsemesterzahl sinkt tendenzi­ell die wahrgenommene Qualität der Lehr­veranstaltungen. Männliche und weibliche

der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät

Studierende unterscheiden sich in ihren Qualitätsurteilen nicht. Es zeigt sich auch, daß eine Lehrveranstaltung im Schnitt dann etwas schlechter abschneidet, wenn es sich um eine Pflichtveranstaltung han­delt. Zustande kommen die Bewertungen nicht von ungefähr. Eine gute Handvoll Gründe erklären annähernd drei Viertel der Vanati­on in diesen Urteilen: Danach trägt eine Lehrveranstaltung eine um So bessere Qua­litätsbeurteilung davon, je mehr sie die in sie aus Teilnehmersicht gesetzten Erwartungen erfüllt, das Interesse am Fach insgesamt be­fördert, erkennbar und nachvollziehbar strukturiert ist und vermittelt, wie und mit welchen Metho­uf den in dem Fach wissenschaftlich gearbeitet wird. Speziell für Vorle­H* sungen gilt er­4 gänzend, daß die Studierenden de­ren Qualität als um so besser ein­schätzen, je mehr der Vortragsstil des Dozenten/ der Dozentin sich dem freien Vortrag annähert und Interesse weckt. Speziell Seminare/ Übungen tritt hin­zu, daß deren Qualität als um so besser beurteilt wird, je mehr das von den Studierenden geschaffe­neLernklima dazu führt, daß die Mitstudie­renden interessiert wirken.

Foto: Fritze

Offene Fragen

Die Auswertungen der Pilotbefragung an der WiSo-Fakultät zwingen zu neuen Ant­worten.Erwartung undInteresse erwei­sen sich offenbar als Schlüsselkonzepte zur Erklärung des Qualitätsurteils. Damit stellt sich natürlich die Frage, was genau Erwar­tungen und Interesse weckt oder befriedigt und in welcher Weise beides durch die Lehrveranstaltungen selbst geweckt bzw. befriedigt werden kann. Zudem bleibt zu klären, ob Erwartung und Interesse eigent­lich das Maß der Dinge darstellen, wenn es um die Beurteilung der Qualität der Lehre geht. Uwe Engel

Voraussichtlich ab Mai 1998 ist die Inter­net-Seite der AGQualität der Lehre über das Stichwort Uni aktuell der Uni­Homepage zu erreichen.

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PUTZ 3/98