REFORMSTAU?
BAföG-Diskussionen und kein Ende
Trotz vielfältiger Debatten, vorgelegter Modelle, Treffen auf verschiedenen Ebenen und Studentenprotesten bleibt die Diskussion um das Bundesausbildungsförderungsgesetz(BAföG) auch weiterhin ein Dauerthema.
Das verwundert nicht. Die Regierungschefs von Bund und Ländern konnten sich Ende 1997 nicht auf eine Reform des BAföG einigen. Die Zahl derer, die Anspruch auf die vom Staat gewährte finanzielle Unterstützung haben, sinkt stetig. 1991 erhielten noch drei Viertel der Studierenden Brandenburgs BAföG, 1997 war es ein Viertel. Bundesweit liegt der Anteil bei 16 Prozent.
Das Bundeskabinett beschloß nun Ende Januar 1998 eine BAfÖöG-Erhöhung und Eckwerte für die Reform der Studienförderung. Danach werden zum 1. Juli 1998 die Elternfreibeträge um sechs und die Bedarfssätze um zwei Prozent angehoben. Der BAföG-Höchstsatz steigt von 995 DM auf 1.010 DM monatlich. Der Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie, Dr. Jürgen Rüttgers, sieht in dieser 19. Novelle einen wichtigen Schritt zur Hochschulreform. Denn durch entsprechende Vorschriften wird die Einführung von international vergleichbaren Studienabschlüssen wie Bachelor und Master für die Studierenden finanziell abgesichert und damit erleichtert. Nach einem Bachelor-Abschluß wird ein
Anhebung des BAföG-Höchstsatzes, aber wesentlich mehr Geld im Portemonnaie? Foto: Tribukeit
Master-Studium nicht als Zweitstudium behandelt, sondern ist voll förderungsfähig. Die Bundesregierung schafft so die förderrechtlichen Voraussetzungen für die breite Einführung internationaler Studiengänge.
Des weiteren faßte das Kabinett einen Eckwertebeschluß zur Reform der Studienförderung. Mit dem 1. Januar 1999 sollen demnach Kindergeld sowie Kinder- und Ausbildungsfreibeträge für alle Studierenden an Leistungskriterien gebunden werden. Die einkommensabhängige Ausbildungsförderung bleibt bestehen.
Annett Wunder vom Studierendenrat der Uni zur Anhebung der Bedarfssätze:„Das macht bei einem Studenten, dem das Glück einer Höchstförderung zuteil wird, 15 bis 20 DM aus.“ Bei diesem Betrag könne keine Rede von Anpassung an die steigenden Lebenshaltungskosten sein. Sie kritisiert ebenso, daß Gremienarbeit nicht auf die Regelstudienzeit angerechnet wird. Das gelte gleichermaßen für Auslandsaufenthalte.„Zwar spricht alle Welt davon, wie wichtig solche Aufenthalte sind, doch ist man nicht bereit, diese Zeit anzurechnen.“ Internationalisierung des Studiums zu fordern, ohne die Bedingungen dafür zu schaffen, lehnt Annett
Wunder ab. Die Alternative könne nicht‘
heißen, Einhaltung der Regelstudienzeit mit finanzieller Unterstützung oder Auslandsaufenthalt ohne BAföG. B.E.
AUSLÄNDISCHE STUDIERENDE EMPFANGEN
Einer guten Tradition folgend, hatte der Dekan der Juristischen Fakultät, Prof. Dr. Rolf Steding (Bildmitte), zum Semesterende an der Juristischen Fakultät immatrikulierte ausländische Studierende zu einem kleinen Empfang geladen. Viele dieser Studierenden sind ım Magisterstudiengang eingeschrieben. Zu ihnen gehören auch 1998 wieder zwölf französische Studierende, die im Rahmen des Austauschprogramms mit der Universität Paris X- Nanterre für ein Jahr in Potsdam weilen. Studierende
des ersten und zweiten Fachsemesters im Studiengang Rechtswis-senschaft nutzten ebenfalls die Gelegenheit, die anwesenden Hochschullehrer kennenzulernen und mit ihnen ins Ge
spräch zu kommen. R.S./Foto: Tribukeit
STILLER PROTEST
Aufmerksamer als sonst betrachteten Potsdamer und Touristen dieser Tage die Spieluhr am Brandenburger Tor(unser Foto), die„Familie Grün“ in der Brandenburger Straße und das Denkmal vor der Humboldt-Buchhandlung. Wurden sie doch von Studierenden verhüllt. Die bundesweite„stille Aktion“ stand unter dem Motto„Bildung ist Kultur— Kultur ist Bildung". Auf diese Weise setzten die Studenten ihre Proteste des vergangenen Herbstes und Winters auch in den Semesterferien fort. Sie richten sich gegen Kürzungen im Bildungswesen, gegen Studiengebühren und teilweise unzumutbare Bedingungen an den Universitäten. Nach einem„Rotationsmodell“ sollen nacheinander Aktionen in verschiedenen Regionen Deutschlands Aufsehen erregen. B.E./Foto: Fritze
Psychologische Beratungsstelle eingerichtet
Seit dem 2. März 1998 gibt es eine Psychologische Beratungsstelle für Studierende der Uni. Das Beratungsangebot umfaßt Präventivmaßnahmen wie beispielsweise die psychologische Beratung in Entscheidungssituationen, das Vermitteln von Lerntechniken sowie Bewältigungsstrategien in unterschiedlichsten Konfliktsituationen, aber auch die psychologische Anleitung und Unterstützung von Selbsthilfeinitiativen. In Anspruch genommen werden kann ebenso eine psychologische Beratung in Verbindung mit psychotherapeutischer Intervention wie z.B. bei Ängsten, psychosozialen Belastungen oder Verhaltensänderungen im Leistungs- bzw. im SOozialbereich. Die psychologische, selbstverständlich streng vertrauliche Beratung ist kostenlos.
Die offenen Sprechstunden finden montags und freitags in der Zeit von 9.00 Uhr bis 11.30 Uhr bei Dr. Jörg Herboth im Haus 8, Zimmer 082, Uni-Komplex I Am Neuen Palais statt. Eine telefonische Kontaktaufnahme ist unter 0331/977-1830 möglich. J.H.
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