Heft 
(1.1.2019) 03
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REFORMSTAU?

BAföG-Diskussionen und kein Ende

Trotz vielfältiger Debatten, vorgelegter Modelle, Treffen auf verschiedenen Ebe­nen und Studentenprotesten bleibt die Diskussion um das Bundesausbildungs­förderungsgesetz(BAföG) auch weiterhin ein Dauerthema.

Das verwundert nicht. Die Regierungschefs von Bund und Ländern konnten sich Ende 1997 nicht auf eine Reform des BAföG eini­gen. Die Zahl derer, die Anspruch auf die vom Staat gewährte finanzi­elle Unterstützung haben, sinkt stetig. 1991 erhielten noch drei Viertel der Stu­dierenden Brandenburgs BAföG, 1997 war es ein Viertel. Bundesweit liegt der Anteil bei 16 Prozent.

Das Bundeskabinett be­schloß nun Ende Januar 1998 eine BAfÖöG-Erhöhung und Eckwerte für die Re­form der Studienförderung. Danach werden zum 1. Juli 1998 die Elternfreibeträge um sechs und die Bedarfs­sätze um zwei Prozent angehoben. Der BAföG-Höchstsatz steigt von 995 DM auf 1.010 DM monatlich. Der Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Tech­nologie, Dr. Jürgen Rüttgers, sieht in dieser 19. Novelle einen wichtigen Schritt zur Hoch­schulreform. Denn durch entsprechende Vorschriften wird die Einführung von interna­tional vergleichbaren Studienabschlüssen wie Bachelor und Master für die Studieren­den finanziell abgesichert und damit erleich­tert. Nach einem Bachelor-Abschluß wird ein

Anhebung des BAföG-Höchstsat­zes, aber wesentlich mehr Geld im Portemonnaie? Foto: Tribukeit

Master-Studium nicht als Zweitstudium be­handelt, sondern ist voll förderungsfähig. Die Bundesregierung schafft so die förder­rechtlichen Voraussetzungen für die breite Einführung internationaler Studiengänge.

Des weiteren faßte das Kabinett einen Eckwertebeschluß zur Reform der Studien­förderung. Mit dem 1. Januar 1999 sollen demnach Kindergeld sowie Kinder- und Ausbildungsfreibeträge für alle Studieren­den an Leistungskriterien gebunden wer­den. Die einkommensab­hängige Ausbildungsför­derung bleibt bestehen.

Annett Wunder vom Stu­dierendenrat der Uni zur Anhebung der Bedarfs­sätze:Das macht bei ei­nem Studenten, dem das Glück einer Höchstförde­rung zuteil wird, 15 bis 20 DM aus. Bei diesem Be­trag könne keine Rede von Anpassung an die steigen­den Lebenshaltungsko­sten sein. Sie kritisiert ebenso, daß Gremienar­beit nicht auf die Regelstudienzeit ange­rechnet wird. Das gelte gleichermaßen für Auslandsaufenthalte.Zwar spricht alle Welt davon, wie wichtig solche Aufenthal­te sind, doch ist man nicht bereit, diese Zeit anzurechnen. Internationalisierung des Studiums zu fordern, ohne die Bedin­gungen dafür zu schaffen, lehnt Annett

Wunder ab. Die Alternative könne nicht

heißen, Einhaltung der Regelstudienzeit mit finanzieller Unterstützung oder Aus­landsaufenthalt ohne BAföG. B.E.

AUSLÄNDISCHE STUDIERENDE EMPFANGEN

Einer guten Tra­dition folgend, hatte der Dekan der Juristischen Fakultät, Prof. Dr. Rolf Steding (Bildmitte), zum Semesterende an der Juristi­schen Fakultät immatrikulierte ausländische Studierende zu einem kleinen Empfang gela­den. Viele die­ser Studieren­den sind ım Magisterstudiengang eingeschrieben. Zu ihnen gehören auch 1998 wieder zwölf französische Studierende, die im Rahmen des Austausch­programms mit der Universität Paris X- Nan­terre für ein Jahr in Potsdam weilen. Studierende

des ersten und zweiten Fachsemesters im Stu­diengang Rechtswis-senschaft nutzten ebenfalls die Gelegenheit, die anwesenden Hochschul­lehrer kennenzulernen und mit ihnen ins Ge­

spräch zu kommen. R.S./Foto: Tribukeit

STILLER PROTEST

Aufmerksamer als sonst betrachteten Potsda­mer und Touristen dieser Tage die Spieluhr am Brandenburger Tor(unser Foto), dieFamilie Grün in der Brandenburger Straße und das Denkmal vor der Humboldt-Buchhandlung. Wur­den sie doch von Studierenden verhüllt. Die bundesweitestille Aktion stand unter dem MottoBildung ist Kultur Kultur ist Bildung". Auf diese Weise setzten die Studenten ihre Proteste des vergangenen Herbstes und Winters auch in den Semesterferien fort. Sie richten sich gegen Kürzungen im Bildungswesen, gegen Studien­gebühren und teilweise unzumutbare Bedin­gungen an den Universitäten. Nach einemRota­tionsmodell sollen nacheinander Aktionen in verschiedenen Regionen Deutschlands Auf­sehen erregen. B.E./Foto: Fritze

Psychologische Beratungsstelle eingerichtet

Seit dem 2. März 1998 gibt es eine Psycho­logische Beratungsstelle für Studierende der Uni. Das Beratungsangebot umfaßt Präventivmaßnahmen wie beispielsweise die psychologische Beratung in Entschei­dungssituationen, das Vermitteln von Lern­techniken sowie Bewältigungsstrategien in unterschiedlichsten Konfliktsituationen, aber auch die psychologische Anleitung und Unterstützung von Selbsthilfeinitia­tiven. In Anspruch genommen werden kann ebenso eine psychologische Bera­tung in Verbindung mit psychotherapeuti­scher Intervention wie z.B. bei Ängsten, psychosozialen Belastungen oder Verhal­tensänderungen im Leistungs- bzw. im SOo­zialbereich. Die psychologische, selbst­verständlich streng vertrauliche Beratung ist kostenlos.

Die offenen Sprechstunden finden montags und freitags in der Zeit von 9.00 Uhr bis 11.30 Uhr bei Dr. Jörg Herboth im Haus 8, Zimmer 082, Uni-Komplex I Am Neuen Pa­lais statt. Eine telefonische Kontaktaufnah­me ist unter 0331/977-1830 möglich. J.H.

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