> eigene Kontexte übertragen. Canze Repertoires internationaler Rockkultur wurden nachgespielt, neue Auftrittsorte wurden in Rostock, Leipzig, Halle und andernorts entdeckt. Schließlich folgte ein Fernsehauftritt und eine Titelplacierung. Dafür waren lange Haare zu opfern und Bärte einzufärben, erinnert sich Büsser mit lachendem und distanziertem Blick zugleich. Büsser war inzwischen Musiklehrer in Potsdam und unterrichtete in den Klassen 5 bis 10. Nebenbei gab es Engagements in namhaften Bands u.a.„Winni II“.
Die Verbindung von Theorie und Praxis im musikkünstlerischen Tun sieht Büsser als Erfolgsstrategie seiner Arbeit. 1980 wurde er künstlerischer Mitarbeiter an der Pädagogischen Hochschule Potsdam, er unterichtet Musiktheorie, Schulpraktisches Musizieren und Gehörbildung. Zwischendurch gab es Auftritte mit verschiedenen Jazzmusikern, zudem arbeitete Büsser als Studiomusiker, spielte Filmmusiken ein und ging mit Frank Schöbel und“etc.” auf Tour. Später brachte er sein versiertes Baß-Spiel bei“Prolog” ein. Büsser blieb im Beruf, seine Studenten parizıpleren gleichermaßen vom musikalischen Können wie vom künstlerischen Erahrungspotential ihres Lehrers.
Nach 1989 fanden sich die Big Beat Boys wieder zusammen und hielten an den Wurzeln des klassischen Rock fest. Fr./Bü.
Türler-CartoonWettbewerb 1998
Die einen sehen in ihm die anregendste und spannendste Art, ihr karges Semesterbudget aufzustocken, die anderen eine Chance, ihr Talent einer breiteren Öffentichkeit kundzutun: Der Türler-CartoonWettbewerb ist seit seinem Start 1994 unter Berliner und Potsdamer Hochschülern zu einer beliebten Tradition geworden. Er wird jährlich bis zum Jahr 2000 ausgeschrieben. Ergebnis soll eine Berlin-Dokumentation mit Biß sein.
Die Ausschreibungsfrist endet in diesem Jahr am 10. Juni(Einsendeschluß). Das Thema lautet wieder„Berliner Zeitzeich(n)en“— Berlin im Wandel der Zeit. Teilnehmen können immatrikulierte Studentinnen und Studenten aller Fachrichtungen der Berliner und Potsdamer Universitäten und HochSchulen. Weitere Voraussetzungen: eine flinke„Feder“ und viel Sinn für Humor. Auf die drei Hauptgewinner, die von einer kompetenten Jury ausgewählt werden, warten wertvolle Geldpreise in Höhe von 6000,-, 4000,—- und 2000,—- DM in bar. Jung-Cartoonisten der Universität Potsdam steht Prof. Dr. Meike Aissen-Crewett, Institut für Grundschulpädagogik, Tel. 0331/9772449, als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Sie wird auch in der Jury mitarbeiten. zg.
English Drama Group mit neuem Programm:
Spielte die Hauptrolle in„Baby Love“: die Studentin Kerstin Arndt.
Vorhang auf. England, Anfang der 70er Jahre in einem kleinen Industriestädtchen in der Nähe von Yorkshire. Eine Wohnung im Arbeiterviertel. Man vernimmt die schmerzvollen Schreie der jungen Eileen Millet. Sie liegt in den Wehen. Die zwanzigjährige junge Frau scheint vom Schicksal verfolgt: Ihren pakistanischen Freund Shahid Daz akzeptieren weder Familie noch Mitmenschen, obendrein gebärt sie einen toten Säugling. In ihrer Verzweiflung sieht sie bald keinen anderen Ausweg als den der Entführung eines anderen Kindes. Die linke Bühnenseite, die Wohnung Eileens, is hell erleuchtet. Entgeistert kehrt sie mit dem fremden Baby nach Hause zurück, das sie als ihr Eigen ansieht. Schwenk nach rechts. Auf der anderen Bühnenhälfte die Kehrseite der Medaille: Die Mutter des gestohlenen Kindes in einem imaginären Fernsehinterview. Durch die sich abwechselnde Beleuchtung von linker und rechter Bühnenseite gelingt eine rasche Schnittfolge, typisch für die heutigen schnellebigen Zeiten. Nein, dieser Trick verwirrt nicht, sondern ist ganz nach dem Geschmack der Zu
UN©>* Foto: Lomsky
schauer und macht hungrig auf den nächsten Schwenk. Bitte schön, zurück auf die linke Seite zu Eileen. Im Fernsehen verfolgt sie das Interview mit„ihrem“ Baby auf dem Arm, sie lacht spöttisch. Bisher war nur von einem Baby die Rede, wo bleibt die Liebe? Keineswegs auf der Strecke, wie man bei genauer Beobachtung des rechten Bühnenflügels erfährt. Da sitzt Shahid zum Verhör auf der Polizeiwache, besorgt um das Verschwinden seiner Freundin. Der Einzige, der zu Eileen hält. Doch hat die hilflose Eileen die Situation unterschätzt. Die Polizei ist ihr bereits auf den Fersen, und die Tragödie nimmt ihren Lauf. Sie wird entdeckt, verurteilt und für geistesgestört erklärt. Ein junges Leben, verloren in der geschlossenen Anstalt.
Der zeitgenössische Dramatiker David Edgar führt vor allem in den zornigen Äußerungen Eileens den damaligen britischen „Wohlfahrtsstaat“ ad absurdum, wie Dr. Hiltrud Wedde aus dem Institut für Anglistik und Amerikanistik sowie Regisseurin des Dramas meint. Eine Moral„mit doppeltem Boden“ ist offenbar ein zeitloses gesellschaftliches Phänomen. Andre Lomsky
1, 2, 3, 4, FÜNF... Jubiläum bei UNIDRAM
UNIDRAM, das Osteuropäisch-deutsche Theaterfestival für freies und universitäres Theater, feiert sein fünfähriges Bestehen. Vom 3. bis 9. Mai dieses Jahres sind zwölf Ensembles aus vier osteuropäischen Ländern und fünf deutschen Städten sind für eine Woche zu Gast. Gespielt wird im Lindenpark, im Waldschloß in Potsdam und im Hans Otto Theater sowie auf der Freundschaftsinsel zu nächtlicher Stunde Open Air. DEGATER‘87, die gastgebende Potsdamer Theatergruppe, eröffnet traditionell das Festival. Zusammen mit dem FORMALTHEATER aus St. Petersburg,
das bereits zu UNIDRAM‘96 nach Potsdam gekommen war, entstand die Inszenierung„Schule der Dummen“ nach dem gleichnamigen Roman des russischen Romanciers Sascha Sokolow. Daneben werden einige hochkarätige Gruppen zu sehen sein, unter anderem eine der bedeutendsten polnischen Avantgardegruppen, AKADEMIA RUCHU aus Warschau, das ORPHTHEATER aus Berlin oder das THEATER DES LACHENS aus Frankfurt/Oder. Im letzten Jahr kamen für die zu kleinen Fortsetzung nächste Seite
PUTZ 3/98
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