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denen scheint es sicher zu stehen- zählen bekanntlich Vielfalt, Kontraste und Extreme. Davon hat das diesjährige Festival noch mehr gewagt als in den Jahren zuvor. Und es hat auch ebensoviel gewonnen. Und damit ist nicht nur die Neugier anderer großer Festivalveranstalter in Europa, z.B. des berühmten, beinahe schon klassischen Sommerfestivals in Avignon, gemeint. Gemeint sind vor allem ein Mehr an Überraschungen, Entdeckungen, an Irritationen, Suggestionen und Phantasie gleichermaßen wie an streitbaren Auffassungen, pulsierender Lebendigkeit und Atmosphäre. Das Festivalprogramm wirkte in allen Punkten überaus professionell und von hoher künstlerischer Qualität und Originalität. Unter dem Schwerpunkt, Tendenzen von Bildertheater und Performance aufzuzeigen, ließ sich eine theatralische Mixtur subsumieren, die Zeit und Wahrnehmung voll und ganz beanspruchte und die die Vorstellungen bzw. Begrifflichkeiten von Theater nicht nur produktiv gegeneinander, sondern gegebenenfalls auch gänzlich in Frage stellte. Bekanntlich flicht dem Mimen niemand Kränze. Das Publikum jedoch dankte dem Veranstalter DeGater’98 und seinen Partnern mit großem und herzlichem Interesse für das breitgefächerte Spektrum an theatralischen Möglichkeiten. Aber wohl auch dafür, daß dieses Theatertreffen vor allem ein Kommunikations- und Interaktionsmodell darstellt, das in Zeiten minimierter und limitierter Wahrnehmung von Gruppen oder einzelnen identitätsstiftend wirkt, und zwar in einem kulturell übergreifenden Sinne.
UNIDRAM ist mittlerweile fünf Jahre alt (oder jung). Eigentlich setzt da allmählich diejenige Routine ein, die solche Veranstaltungen dann langweilig werden läßt. Davon war nichts zu spüren. UNIDRAM nach fünf Jahren ist so erfrischend neu wie im ersten Jahr. Und das spricht sich allmählich herum, nicht zuletzt in den Weiten Osteuropas. Denn kaum irgendwo sonst kann man einen solchen Querschnitt modernen(osteuropäischen) Theaters erleben, sich innerhalb einer Woche derart konzentriert, intensiv und darüber hinaus moderat und kritisch in fachkundigen Diskussionen und Gesprächen mit diesem Medium konfrontieren und die Reibungsflächen spüren, die das Theater gerade im Medienzeitalter offenzulegen vermag. Kann UNIDRAM diesen Anspruch halten, ist es nur eine Frage der Zeit, wann dieses Theatertreffen zu einem der bedeutenderen Festivals in Deutschland avanciert. In den neuen Ländern ist es das schon jetzt!„Ein Glücksfall im Festivaltrubel“, so die Einschätzung eines Kritikers. Und ob Trubel oder Kritiker, beides ist bekanntlich erheblich. Mitusch
IM LABYRINTH DER ZAHLEN
Zwei Wegweiser für Mitdenker
Können auch Laien einen Einblick in moderne Mathematik gewinnen? Diese Frage würden die beiden amerikanischen Mathematiker John Horton Conway und Richard K. Guy sicherlich mit„Ja“ beantworten. Mit ihrem Buch„Zahlenzauber“ haben sie eine Sammlung einfach zu verstehender Probleme vorgelegt, deren Lösung jedoch die erstaunlichen Eigenschaften von Zahlen aufdeckt.
Außer den vier Grundrechenarten setzen die Autoren keine mathematische Vorbildung voraus, wohl aber die Lust am Knobeln und Mitdenken. Leider sind die Skizzen und Bilder in der Mehrzahl recht schlicht und nach Art technischer Zeichnungen kunstlos ins Buch gesetzt. Ein kleiner Tippfehler wie zum Beispiel„viele“ statt„vier“(S. 230) schafft kurzfristig Verwirrung und läßt vermuten, daß das Werk in Eile Korrektur gelesen wurde. Gut die Hälfte des Buches ist allein den ganzen Zahlen vorbehalten, dem Rechnen mit Bildern, den in Intelligenztests so beliebten Zahlenfolgen und den berühmten„Zahlenfamilien“.
Wieviele Möglichkeiten gibt es zum Beispiel, eine Anzahl von Gepäckstücken anzuordnen? Alle Taschen können auf einen einzigen Haufen gepackt werden oder auf mehrere kleinere Haufen oder einzeln nebeneinander stehen. Die Antwort auf die Kofferfrage geben die„Bell’schen Zahlen“. Ein anderer„Haufen Probleme“, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, läßt sich mit den„Catalanschen Zahlen“ lösen. Am berühmtesten sind jedoch die Fibonacci-Zahlen geworden, die den Nachwuchs in der n-ten Generation eines
Kaninchenpaares beziffern. Die FibonacciZahlen kommen überall in der Natur vor, nicht nur bei der Vermehrung von Kaninchen. So zeigen die Autoren, daß die Anzahl von Spiralen bei Tannenzapfen, Kakteen, Ananasfrüchten oder Sonnenblumen eine Fibonacci-Zahl sein muß und daß auch die Anordnung von Blattsprossen bei den meisten Pflanzen dem Fibonacci-Gesetz folgt.
Die zweite Hälfte des Buches wird deutlich komplizierter und verlangt vom Leser Durchhaltevermögen, Bleistift und Papier: Es geht um Tricks beim Kartenmischen, um die imaginären Zahlen, um das Rätsel der Transzendenz und der Unendlichkeit. Dieses Buch ist eine Fundgrube für Lehrer und Lehrerinnen, die nach spannenden Problemen suchen, die sich mit einfachen Mitteln lösen lassen und dabei echtes mathematisches Denken herausfordern. Auch Menschen, die sich gerne zum Nachdenken anregen lassen und Spaß am Tüfteln ha
" MEZ 222
Zahlenzauber
Von natürlichen imaginären und anderen Zahlen
MN iw Or
Birkhäuser
ben, werden hier auf ihre Kosten kommen Allen anderen, Schülern wie Erwachsenen, die eine etwas entspanntere Lektüre über die Wunder im Reich der Zahlen suchen, sei der„Zahlenteufel“ empfohlen. Sein Ver fasser Hans Magnus Enzensberger ist eben kein Mathematiker, sondern ein sprachge waltiger Literat, der gerne Geschichten erzählt. Wie er jedoch selbst schreibt, hat er viele Anregungen aus der englischen Originalfassung des„Zahlenzauber“-Buchs in sein Kopfkissenbuch für Kinder und Erwachsene,„die vor der Mathematik Angst haben“, übernommen. Der Zahlenteufel er scheint dem verschreckten Schüler Robert im Traum und führt ihn durch Felder von Hasenpärchen, die immer neue Junge kriegen, an Zahlenpyramiden vorbei bis in das Reich der Primzahlen, der Wurzeln und verblüffender Zahlenspiele. Damit gelingt es Robert sogar, eine langwierige Rechenaufgabe seines fürchterlichen Mathelehrers Dr. Bockel in Null Komma nichts zu lösen. Große Worte wie Unendlichkeit und Cantorstaub fallen in den letzten Kapiteln. Dieses Buch macht großen Spaß, auch wegen der fantasievollen Illustrationen von Roberts Träumen. Es läßt sich gut vorlesen und könnte Eltern und Kinder zu gemeinsamen Zahlenspielen anregen. ar
John H. Conway, Richard K. Guy: Zahlenzauber—- von natürlichen, imaginären und anderen Zahlen, Birkhäuser Verlag, Basel, 343 S., 58 DM.
Hans Magnus Enzensberger: Der Zahlenteufel— Ein Kopfkissenbuch für alle, die Angst vor der Mathematik haben, Carl Hanser Verlag, München, 263 S., 39,90 DM.
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PUTZ 5/98