LUCKY STREIK- EIN KAMPF UM BILDUNG
Die letzte Streikwelle an den Universitäten gehört bereits der Geschichte an, und längst haben sich wieder neue Erstsemester mit den desolaten Studienbedingungen arrangiert. Der Streik des letzten Wintersemesters begann, bevor er auf die ganze Republik übergniff, in der Provinz. Ein Buch über seinen Anfang, seinen Verlauf und über Reaktionen von Studierenden, Lehrbeauftragten, Schüleinnen und Schülern erschien jetzt in Gießen, eben der Provinz, wo im letzten Herbst alles seinen Anfang nahm. Zu Beginn des Wintersemesters 1997/98 standen drei Lehrbeauftragte für die„Einführung in die politische Bildung“ 600 Erstsemestern gegenüber und sollten diesen unerwartet vielen Bildungswilligen die Grundlagen erläutern. Dies erwies sich als völlig unmöglich. In der„Resolution der 600“ forderte man deswegen die Bereitstellung von mindestens 15 Lehrenden für dieses Grundlagenseminar. Es wurde eine Vollversammlung einberufen und der Streik samt der Besetzung der Institutsgebäude beschlossen. Es bildeten sich Arbeitsgemeinschaften, es wurde agiert und demonstriert und unter anderem dieses Buch produziert.
Die Einführung bilden Aufsätze von zwei der beteiligten Lehrbeauftragten für die Einführungsveranstaltung„Politische Bildung“. Erik Weckel kritisiert die politische Neubewertung von Bildung und Ausbildung, und Timo Steinert schildert die traurigen Fakten der universitären Ausstattung an der JustusLiebig-Universität Gießen. Das erste Kapitel „Herbst'’97 wie alles begann“ dokumentiert den Beginn des Streiks. ‚Vom Infocafe zur Großdemo“ schildert die verschiedenen Aktivitäten, die die Studierenden entwickelten. „Die unbeachtete Solidarität der Schulen“ zeigt, wie verantwortungsvoll Schüler ihre Zukunft zu gestalten wünschen, wie kritisch sie ihre Bildungsaussichten einschätzen. „Realität— Medien-Realität“ problematisiert die Wahrnehmung politischer Prozesse in der Öffentlichkeit und ihre Abhängigkeit von den Medien.„Umweltreaktionen oder was meinen die ZuschauerInnen“ spiegelt den Blick von außen. Ausländische Studierende berichten in„Nirgends wird so gestreikt wie in Deutschland“. Das Kapitel„Heiß und Kalt. Kneippkur Lucky Streik“ erläutert das Motto des Streiks. Die assoziierte Zigarettenmarke hat den Streik übrigens nicht gesponsert. Nachgedanken versammeln sich in„Inwieweit hat der Streik politisiert“, und den Abschluß bildet das Kapitel„In einem anderen Licht. Kreatives zum Thema“.
Sehr anschaulich berichten die meist aus dem ersten Semester stammenden Studierenden ihre Eindrücke von den Verhältnissen an der Universität. Mit viel Enthusiasmus Sollte der Uni-Alltag beginnen. Der Elan wurde jedoch bei den meisten schon an der Tür zu den Seminarräumen gebremst: Trauben von
Studieninteressierten verwehrten den Zugang zu den Räumen. Drinnen wurde dann die Teilnahmeberechtigung verlost oder alle Erstsemester pauschal wieder hinauskomplimentirt, Die Relation zwischen unverhältnismäßig langen Studienzeiten und schlecht ausgestatteten und vor allem schlecht organisierten Universitäten wird unmittelbar deutlich. In diesem Buch ziehen die Studierenden auch Bilanz. Nach dem Streik mußte viel Stoff nachgeholt werden, und mancher fragte sich angesichts der geringen handgreiflichen Erfolge nach dem Sinn des Streiks. Wie nie zuvor haben sich Politikerinnen und Politiker mit den Streikenden solidarisch erklärt— ein Schachzug, der dem Protest jeglichen Wind aus den Segeln nahm. Trotzdem waren viele vom Nutzen des Ausstands überzeugt, denn die Aktionen führten so unmittelbar in den politüschen Alltag hinein, in Probleme der universitären Organisation und der Trägheit demokratischer Prozesse, wie es wahrscheinlich kein Seminar hätte vermitteln können.
Das Buch spricht über Chancen und über Probleme eines Uni-Streiks und ist jeder Studienanfängerin und allen Tutoren als Lektüre zu empfehlen. Petra Weckel
HerausgeberInnengruppe„Lucky Streik“: Lucky Streik. Ein Kampf um Bildung. Gießener Studierende berichten, FocusVerlag Gießen, 1998. ISBN 3-88349-467-4, 254 Seiten, DM 20,00.
INTERESSENTEN GESUCHT
Das Landesjugendjazzorchester Brandenburg(LaJJazzO) sucht neue Mitstreiter. Es wurde 1992 als Jugend-Bigband von dem Potsdamer Musiker Jürgen Börner gegründet. Heute leitet Konrad„Konni“ Körner das Orchester und führt es zweimal im Jahr eine Woche lang in Rheinsberg zu musikalischer Höchstform geführt.
Die Band begann mit sieben jungen Musikern aus einer Laien-Blaskapelle. Schon nach einem Jahr bestand sie aus 17 Musikern. Am 19. Februar 1994 gab es das offizielle Gründungskonzert und die Berufung zum Landesjugendjazzorchester durch den Landesmusikrat Brandenburg. Viele Konzerte folgten. Ein Problem aber blieb: die ständige Suche nach neuen Interessenten. Wer ein Instrument spielt und mit Wehmut an seine aktiven Jahre zurückdenkt, kann sich beim LaJJazzO zur Teilnahme an einer Ubungswoche— es gibt kein Probevorspiel— in Rheinsberg melden. Die nächsten Probenwochen finden vom 8. bis 14. Februar 1999 und vom 18. bis 24. Oktober 1999 statt. Mehr Informationen gibt es bei Jürgen Börner, Tel. 00331/711290. JB.
Mit der„Kulturskizze“ legt die Universität Potsdam der Öffentlichkeit eine Bestandsaufnahme der Kulturgüter vor, über die sie an ihren drei Standorten Am Neuen Palais, in Golm und in Babelsberg verfügt. Die Publikation enthält die Darstellung der Kultur- und Nutzungsgeschichte aller drei Universitätsstandorte sowie die Beschreibung von Sammlungen und- Sonderbeständen(Archivalien, Nachlässe, Wertsachen u.a.). Die„Kulturskizze“ will einen Beitrag zur Erhöhung der Kulturkompetenz und-akzeptanz der Universität Potsdam leisten. Zugleich wird der mit der Stadt Potsdam existierende Kooperationsvertrag, der u.a. die gegenseitige Unterstützung der Partner in ihren vielfältigen kulturellen Potentialen vorsieht, mit Leben erfüllt.
Selten kann ein Ort des akademischen Lehrens und Lernens auf Baumeister und Architekten wie Jean L. Le Geay und Karl von Gontard verweisen, Friedrich der Große hatte selbst maßgeblich das Konzept der Communs, des heutigen Komplexes I der Universität Potsdam, entworfen. So wird das hinter dem Neuen Palais liegende Universitätsareal mehr und mehr für Besucher interessant. Am Standort Golm wurde durch den symbolischen Spatenstich die Entwicklung hin zum größten Wissenschaftsstandort Brandenburg eingeleitet, und Babelsberg besitzt ein beispielhaftes Studentendorf. Die Hochschule trägt auf spezifische Weise zur Bereicherung des städtischen Lebens bei, mit der„Skizze“ werden regionale und überregionale Partner, vielfältige Adressaten des Kulturlebens erreicht. Einen bedeutenden Teil der Kulturgüter fand die Universität bei ihrer Gründung im Sommer 1991 vor, nicht wenige Schätze aber konnten in den zurückliegenden sieben Jahren neu hinzukommen. Die„Kulturskizze“ umfaßt 48 Seiten, sie ist reich bebildert und zum Preis von 10,00 DM (Schutzgebühr) im Referat für Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit im Uni-Komplex Am Neuen Palais, Haus 6(Tel. 0331/ 977-1474) erhältlich. Bezogen werden kann sie gleichfalls über städtische Verkaufseinrichtungen wie die Exklusiv Tourismus GmbH, die Humboldt-Buchhandlung. Fr.
PUTZ 7/98
Seite 29
EEE NA