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(1.1.2019) 07
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LUCKY STREIK- EIN KAMPF UM BILDUNG

Die letzte Streikwelle an den Universitäten ge­hört bereits der Geschichte an, und längst ha­ben sich wieder neue Erstsemester mit den desolaten Studienbedingungen arrangiert. Der Streik des letzten Wintersemesters be­gann, bevor er auf die ganze Republik über­gniff, in der Provinz. Ein Buch über seinen Anfang, seinen Verlauf und über Reaktionen von Studierenden, Lehrbeauftragten, Schüle­innen und Schülern erschien jetzt in Gießen, eben der Provinz, wo im letzten Herbst alles seinen Anfang nahm. Zu Beginn des Winter­semesters 1997/98 standen drei Lehrbeauf­tragte für dieEinführung in die politische Bil­dung 600 Erstsemestern gegenüber und sollten diesen unerwartet vielen Bildungswil­ligen die Grundlagen erläutern. Dies erwies sich als völlig unmöglich. In derResolution der 600 forderte man deswegen die Bereit­stellung von mindestens 15 Lehrenden für dieses Grundlagenseminar. Es wurde eine Vollversammlung einberufen und der Streik samt der Besetzung der Institutsgebäude beschlossen. Es bildeten sich Arbeitsgemein­schaften, es wurde agiert und demonstriert und unter anderem dieses Buch produziert.

Die Einführung bilden Aufsätze von zwei der beteiligten Lehrbeauftragten für die Ein­führungsveranstaltungPolitische Bildung. Erik Weckel kritisiert die politische Neu­bewertung von Bildung und Ausbildung, und Timo Steinert schildert die traurigen Fakten der universitären Ausstattung an der Justus­Liebig-Universität Gießen. Das erste Kapitel Herbst'97 wie alles begann dokumentiert den Beginn des Streiks. ‚Vom Infocafe zur Großdemo schildert die verschiedenen Ak­tivitäten, die die Studierenden entwickelten. Die unbeachtete Solidarität der Schulen zeigt, wie verantwortungsvoll Schüler ihre Zukunft zu gestalten wünschen, wie kritisch sie ihre Bildungsaussichten einschätzen. Realität Medien-Realität problematisiert die Wahrnehmung politischer Prozesse in der Öffentlichkeit und ihre Abhängigkeit von den Medien.Umweltreaktionen oder was meinen die ZuschauerInnen spiegelt den Blick von außen. Ausländische Studierende berichten inNirgends wird so gestreikt wie in Deutschland. Das KapitelHeiß und Kalt. Kneippkur Lucky Streik erläutert das Motto des Streiks. Die assoziierte Zigarettenmarke hat den Streik übrigens nicht gesponsert. Nachgedanken versammeln sich inInwie­weit hat der Streik politisiert, und den Ab­schluß bildet das KapitelIn einem anderen Licht. Kreatives zum Thema.

Sehr anschaulich berichten die meist aus dem ersten Semester stammenden Studie­renden ihre Eindrücke von den Verhältnissen an der Universität. Mit viel Enthusiasmus Soll­te der Uni-Alltag beginnen. Der Elan wurde jedoch bei den meisten schon an der Tür zu den Seminarräumen gebremst: Trauben von

Studieninteressierten verwehrten den Zu­gang zu den Räumen. Drinnen wurde dann die Teilnahmeberechtigung verlost oder alle Erstsemester pauschal wieder hinauskompli­mentirt, Die Relation zwischen unverhältnis­mäßig langen Studienzeiten und schlecht aus­gestatteten und vor allem schlecht organisier­ten Universitäten wird unmittelbar deutlich. In diesem Buch ziehen die Studierenden auch Bilanz. Nach dem Streik mußte viel Stoff nach­geholt werden, und mancher fragte sich an­gesichts der geringen handgreiflichen Erfol­ge nach dem Sinn des Streiks. Wie nie zuvor haben sich Politikerinnen und Politiker mit den Streikenden solidarisch erklärt ein Schachzug, der dem Protest jeglichen Wind aus den Segeln nahm. Trotzdem waren viele vom Nutzen des Ausstands überzeugt, denn die Aktionen führten so unmittelbar in den po­litüschen Alltag hinein, in Probleme der univer­sitären Organisation und der Trägheit demo­kratischer Prozesse, wie es wahrscheinlich kein Seminar hätte vermitteln können.

Das Buch spricht über Chancen und über Probleme eines Uni-Streiks und ist jeder Studienanfängerin und allen Tutoren als Lektüre zu empfehlen. Petra Weckel

HerausgeberInnengruppeLucky Streik: Lucky Streik. Ein Kampf um Bildung. Gießener Studierende berichten, Focus­Verlag Gießen, 1998. ISBN 3-88349-467-4, 254 Seiten, DM 20,00.

INTERESSENTEN GESUCHT

Das Landesjugendjazzorchester Branden­burg(LaJJazzO) sucht neue Mitstreiter. Es wurde 1992 als Jugend-Bigband von dem Potsdamer Musiker Jürgen Börner gegrün­det. Heute leitet KonradKonni Körner das Orchester und führt es zweimal im Jahr eine Woche lang in Rheinsberg zu musikalischer Höchstform geführt.

Die Band begann mit sieben jungen Musi­kern aus einer Laien-Blaskapelle. Schon nach einem Jahr bestand sie aus 17 Musi­kern. Am 19. Februar 1994 gab es das offizi­elle Gründungskonzert und die Berufung zum Landesjugendjazzorchester durch den Landesmusikrat Brandenburg. Viele Konzer­te folgten. Ein Problem aber blieb: die stän­dige Suche nach neuen Interessenten. Wer ein Instrument spielt und mit Wehmut an sei­ne aktiven Jahre zurückdenkt, kann sich beim LaJJazzO zur Teilnahme an einer Ubungs­woche es gibt kein Probevorspiel in Rheinsberg melden. Die nächsten Proben­wochen finden vom 8. bis 14. Februar 1999 und vom 18. bis 24. Oktober 1999 statt. Mehr Informationen gibt es bei Jürgen Börner, Tel. 00331/711290. JB.

Mit derKulturskizze legt die Universität Pots­dam der Öffentlichkeit eine Bestandsaufnah­me der Kulturgüter vor, über die sie an ihren drei Standorten Am Neuen Palais, in Golm und in Babelsberg verfügt. Die Publikation enthält die Darstellung der Kultur- und Nut­zungsgeschichte aller drei Universitätsstand­orte sowie die Beschreibung von Sammlun­gen und- Sonderbeständen(Archivalien, Nachlässe, Wertsachen u.a.). DieKultur­skizze will einen Beitrag zur Erhöhung der Kulturkompetenz und-akzeptanz der Univer­sität Potsdam leisten. Zugleich wird der mit der Stadt Potsdam existierende Kooperations­vertrag, der u.a. die gegenseitige Unterstüt­zung der Partner in ihren vielfältigen kulturel­len Potentialen vorsieht, mit Leben erfüllt.

Selten kann ein Ort des akademischen Leh­rens und Lernens auf Baumeister und Archi­tekten wie Jean L. Le Geay und Karl von Gontard verweisen, Friedrich der Große hat­te selbst maßgeblich das Konzept der Com­muns, des heutigen Komplexes I der Univer­sität Potsdam, entworfen. So wird das hinter dem Neuen Palais liegende Universitäts­areal mehr und mehr für Besucher interes­sant. Am Standort Golm wurde durch den symbolischen Spatenstich die Entwicklung hin zum größten Wissenschaftsstandort Brandenburg eingeleitet, und Babelsberg besitzt ein beispielhaftes Studentendorf. Die Hochschule trägt auf spezifische Weise zur Bereicherung des städtischen Lebens bei, mit derSkizze werden regionale und über­regionale Partner, vielfältige Adressaten des Kulturlebens erreicht. Einen bedeutenden Teil der Kulturgüter fand die Universität bei ihrer Gründung im Sommer 1991 vor, nicht wenige Schätze aber konnten in den zurück­liegenden sieben Jahren neu hinzukommen. DieKulturskizze umfaßt 48 Seiten, sie ist reich bebildert und zum Preis von 10,00 DM (Schutzgebühr) im Referat für Presse-, Öf­fentlichkeits- und Kulturarbeit im Uni-Kom­plex Am Neuen Palais, Haus 6(Tel. 0331/ 977-1474) erhältlich. Bezogen werden kann sie gleichfalls über städtische Verkaufsein­richtungen wie die Exklusiv Tourismus GmbH, die Humboldt-Buchhandlung. Fr.

PUTZ 7/98

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