LUST AN KUNST
Angehörige der Universität Potsdam vorzustellen, die künstlerisch arbeiten, teils professionell, teils„nebenberuflich“, ist das Anliegen der Reihe„Lust an Kunst“. Jene interessierten und engagierten Mitarbeiter und Studierenden sind aus eigenem Antrieb und nicht zuletzt zum eigenen Vergnügen kulturell-künstlerisch tätig. Deutlich werden soll auch die Motivation für diese Arbeit.
„Ein Stück zu inszenieren, finde ich wichtig“, So Marek Schaller, Leiter der universitären Theatertruppe„Drei Sardanapalen ohne Kontrabaß“. ‚Von der Stückauswahl übers Schauspielern und die Regieführung, die Auftritte organisieren— alles hat man selbst geschafft.“ Seit Frühjahr dieses Jahres arbeitet die Truppe in der Besetzung von Marek Schaller(23), Julia Harbeck(26) und Josefine Hendrik(19) zusammen. So entstand die Inszenierung „Die Unterrichtsstunde“ von Eugene IonesCo, mit der sich die Gruppe im Kulturhaus Babelsberg vorstellte.
Marek Schaller studiert Geschichte und Politikwissenschaft im Magisterstudiengang. Seit seinem Abitur spielte er in verschiedenen Gruppen u.a. Stücke von Dario Fo, Ephraim Kishon, Stawomir Mrozek, bevor er vor einem Jahr mit dem Jugendklub des Hans Otto Theaters in Verbindung kam und in der Produktion„Oos“ mitarbeiten durfte, die die Spieler nach South Dakota(USA) zu fünf Auftritten in Schulen und im Stadttheater von Sioux Falls führte.
Julia Harbeck kommt aus Neumünster, sie
Julia Harbeck und Marek Schaller Foto: Mas studiert ebenfalls Geschichte und Politikwissenschaft in Potsdam und hat sich der Theaterarbeit schon seit 15 Jahren verschrieben. Stark war sie in der Stadtspieltruppe ihrer Heimatstadt engagiert. Die Studentin ist überdies freie Mitarbeiterin beim Info-Radio Berlin. Sie war beeindruckt davon,„die Rollen der Personen des Stücks zu modernisieren und auf eigene Erfahrungen zu projizieren“. Ganz ähnlich versteht Josefine Hendrik Theaterarbeit und meint: ‚Wörter können eine vollkommen neue Bedeutung erhalten, wenn man die Phantasie frei mit ihnen spielen läßt“. Sie hat jetzt das Abitur mit Erfolg abgeschlossen, ist Mitglied im Jugendklub des Hans Otto Theaters und besetzte eine der Hauptrollen in Marco Balianis Stück„Oos“. Sie gehört neben den„Drei Sardanapalen ohne Kontrabaß“ ebenso zur Theatertruppe ihres Gymnasiums, wo sie im Frühjahr mit dem selbstgeschriebenen Stück„Schneewittchen“ Premiere hatte.
Marek Schallers Inzenierung„Die Unterrichtsstunde“ führt vor, wie sich radikale Veränderung menschlicher Charaktere— hier in den Figuren der Schülerin und des Professors— vollziehen kann. Sch./Fr.
KINDER UND ERWACHSENE ERLEBEN MUSIK
Mit dem Wintersemester 1998/99 startete die Abteilung Elementare Musikpädagogik am Institut für Musik und Musikpädagogik eine Lehrpraxisgruppe für Kleinkinder zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr in Begleitung eines Elternteils. Erste Begegnungen mit der faszinierenden Welt der Töne und Klänge sowie Anregungen aus den Bereichen Körperbewußtmachung und Bewegungsspiele werden dabei ermöglicht. Für die Entwicklung von Auffassungsvermögen und Lernfähigkeit, aber auch für die Förderung der Phantasie und des sozialen Verhaltens ist kein Abschnitt so entscheidend wie die ersten vier Lebensjahre. Mit Liedern und Versen zum Berühren und Berührtwerden, zum Kitzeln und Lachen, zum Schaukeln und Träumen sollen alle Sinne der Beteiligten angesprochen werden. Prof. Dr. Werner Beidinger und seine Studierenden möchten gemeinsam mit den Eltern eine Umgebung schaffen, in der Musik nicht nur gehört, sondern auch„gespielt“ und über Bewegungsformen aufgenommen werden kann.
Ab Mitte Oktober beginnen auch wieder
fünfähnge Vorschulkinder und eine Gruppe von Grundschulkindern, sechs bis sieben Jahre, mit einem erlebnisonentierten Unterricht in„Musikalischer Früherziehung“. Beim gemeinsamen Singen und Tanzen werden die musikalisch-tänzerischen Fähigkeiten sowie das kreative und eigenschöpferische Potential der Kinder gefördert. Erwachsene ohne Kleinind können an der Erwachsenengruppe„Musik und Bewegung“ teilnehmen. Studierende aller Fachrichtungen, Eltern aus den Lehrpraxisgruppen und andere Laien treffen sich ebenfalls einmal wöchentlich zum Musizieren und Bewegen. Neben einfachen Kanons, Folkloretänzen und rhythmischen Koordinationsübungen geben diese Abende auch Impulse zur Körpererfahrung und bieten Improvisationsaufgaben aus den Bereichen Musik und Bewegung.
Wer sich für diese kostenlosen Angebote interessiert, wende sich an das Institut für Musik und Musikpädagogik, Abt. Elementare Musikpädagogik, Tel. 0331/977-2002. Der Unterricht finden auf dem Universitätsgelände in Golm statt. Werner Beidinger
DER ZERBROCHNE KRUG
Im niederländischem Huisum, einem kleinen Dorf zwischen Holla und Hussahe, sorgt die Verhandlung um einen zerbrochenen Krug für Auf regung. Wie die Scherben des irdenen Gefäßes, so fügt der Autor Heinrich von Kleist Stück für Stück die Ereignisse zusammen, bis der dahinter verborgene Fall ausgebreitet vor uns liegt, Und wie der Krug, würde man ihn kitten, die Spuren der Verwüstung sichtbar trüge, So auch die Welt des Dörfchens Huisum. Nicht nur ein Krug ist zerbrochen, auch die Ehre eines Mädchens wurde beschädigt, ein Amt mißbraucht, es wurde erpreßt und gelogen- die Welt ist aus den Fugen. Besonders der Dorfrichter Adam vollführt während der Verhandlung eine listen
reiche Gratwanderung zwischen Richteramt und persönlichen Vorteilen.
Kleist schneidet sein Bild der bäuerlichen Dor! gemeinschaft Huisum mit scharfem Skalpell aus dem Gesellschaftsrahmen. Dabei formt er Mer schen, deren Verbrechen wir plötzlich mit Syn pathie betrachten und deren tragische Unfähig keit, einander zuzuhören und zu verstehen, un lachen macht. Auf unserem Foto v.l.n.r.: Olef Polenske als Licht, Stefan Eichberg als Adan Esther Linkenbach als Eve, Thomas Mathys als Ruprecht und Joachim Schönitz als Veit Tümpe Weitere Vorstellungen finden am 8. Novembe um 16.00 Uhr und am 12. November um 19.30 Uhr im Theaterhaus Am Alten Markt statt. Tele fonische Bestellungen sind unter 0331/27571-0 möglich. HOT/Foto: Stefan Gloede
IMPRESSUM ISSN 0947-1650 PUTZ. Die Potsdamer Universitätszeitung
Prof. Dr. Wolfgang Loschelder
arbeit; Dr. Barbara Eckardt(B.E.)(v.i.S.d.P), Petra Görlich (PG.), Dr. Antonia Rötger(ar)
Texterfassung: Andrea Benthien Titelfotos: News& Media(0.), Eska Tribukeit(M., u.)
Anschrift der Redaktion:
Am Neuen Palais 10, 14469 Potsdam,
"Telefon(03 31) 9 77-1474 oder 1496,-1668,-1675 Telefax(03 31) 9 77-1148 oder-1130_
E-mail: putz@rz.uni-potsdam.de:
Internet: Tip een uni Pokale def pin hıma
Redaktionsschluß der November-Ausgabe: Mittwoch, 14. Oktober 1998 Nr ani geo Delegstemplar Dei Oasen mm
Verlag und Anzeigenverwaltung News& Media Public Relations, Marcus v. y. Amsberg
Seite 30
PUTZ 7/98