Heft 
(1.1.2019) 08
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AUF DER SUCHE NACH ÄSTHETISCHEN ANTWORTEN

Kunst- und Dokumentationsausstellung zum Jubiläum der Menschenrechtserklärung

Ist es möglich, Unfaßbares wie Folter, Er­niedrigung, Unterdrückung mit ästheti­schen Mitteln sinnlich erfahrbar werden zu lassen? Daß dies durchaus zu vermit­teln ist, beweisen die Exponate einer Aus­stellung zum Jubiläum der Menschen­rechtserklärung.

Am 10. Dezember 1998 jährt sich zum 50. Mal die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Generalversammlung der Vereinten Natio­nen. Das Menschenrechtszentrum der Uni nahm dies zum Anlaß, ein vielfältiges Jahresprogramm zu initiieren. Es enthält auch eine Kunst- und Dokumentations­ausstellung. Gemeinsam mit dem Studien­gang Kunst entstand ein nicht alltägliches interdisziplinäres Projekt. Dessen Reiz be­steht im Nebeneinander von juristischen Dokumentationen, Texttafeln zu Wurzeln, Bedeutung und Auswirkungen der Erklä­rung sowie künstlerischen Arbeiten. Dieses Experiment forderte nach Ansicht von Prof. Dr. Meike Aissen-Crewett die beteiligten Studierenden dazu auf,die Frage nach der sozialen Funktion und politischen Relevanz von Bildender Kunst im eigenen Erfah­rungsprozeß neu zu überdenken. Wichti­ges Anliegen war es ihr dabei, eigene Wege und individuelle Sichten zuzulassen.

Nachdem der Direktor des Menschen­rechtszentrums, Prof. Dr. Eckart Klein, bei der Leiterin der Hauptklasse Malerei im In­stitut für Grundschulpädagogik mit seiner Idee auf positive Resonanz stieß, begann die Auseinandersetzung mit dem Thema Menschenrechte in verschiedenen Ateliers. Überlegungen standen im Raum, welche

Individuelle Sicht auf das Thema Menschenrechte:Wer im Glashaus sitzt...

IE VERBOT | Folter

|

Nicht Dekorationtrockener" Texte, sondern künstlerische Auseinandersetzung mit der Menscher

rechtserklärung, hier zum Artikel Folterverbot, ist das Anliegen der Ausstellung.

Artikel künstlerisch zu gestalten, welche Far­ben wirkungsvoll einsetzbar sind, welche Symbole, Formen Verwendung finden soll­ten. Schließlich entschied man sich dafür, die Themen Folterverbot, Meinungsfreiheit, Wahlrecht, Recht auf Arbeit, Recht auf Eigen­tum und Menschenpflichten künstlerisch umzusetzen. Die Studierenden um Meike Aissen-Crewett und Winfried Grössel aus dem Institut für Grundschulpädagogik sowie den Berliner Bildhauer Paul Göbel dokumen­tierten diese geistige Auseinandersetzung, den Entstehungsprozeß ihrer Arbeiten. Des­halb enthält die Schau in werktagebuch­artigen Berichten Vorentwürfe, Annähe­rungswege. So gestaltet sich der Prozeß der Suche nach ästhetischen Antworten für den

Foto: Fritze

Foto: Fritze

Betrachter nachvollziehbar. Deutlich werde dabei sowohl das Ringen um die Theme als auch die aufgetretenen Zweifel und LC sungsvorschläge.Wir sahen natürlich die große Gefahr, daß Kunst zur Dekoration der Texte verkommen könnte, schildert Meike Aissen-Crewett ihre Befürchtungen. Es ist fi sie deshalbKunst als Ernstfall. Mittelpunkt der Exposition bildet ein im Raum frei liegender Glasscherbenhaufer

der Gewaltanwendung assoziiert. Glasspli

ter sind verstreut, Pflastersteine liegen auf dem Boden, daneben ein Stück Papier m:t der Bemerkung ‚Wer im Glashaus sitzt.. Bewußt provozierend auch der mit Beinen von Barbiepuppen und verkitschten Geger ständen drapierte Tisch.

Die enstandenen Kunstwerke(abstrakt Grafik, farbige Malerei, Objekte) zeigen 1'ı unterschiedlicher Weise, daß die Ergebni: se des Prozesses der Auseinandersetzung äußerst sehenswert sind und zum Nacl denken anregen. Individuelle Handschri ten sind unverkennbar.

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten. Sie sind mit Vernunt und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen. Da dies im Artikel 1 der Menschenrechtserklä­rung Dargelegte in vielen Teilen der Welt nicht Realität ist, weiß jeder. Mit ihren Mit­teln verweist die Ausstellung auch auf die se Diskrepanz von Vision und Wirklichkeit.

Nachdem die Exposition im Potsdamer Stadthaus und im Uni-Komplex Am Neuen Palais Station machte, ist sie nun bis zum 9. Dezember im Foyer des Hauptgebäudes im Uni-Komplex Griebnitzsee zu sehen.

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PUTZ 8/98