IDENTITÄT FINDEN
„Unter den Talaren— Muff von 1000 Jahren.“ Mit einem Spruchband diesen Inhalts, das Hamburger Studenten im Herbst 1967 vor Professoren hertrugen, die gravitätisch zur Rektoratsübergabe schritten, wurde die letzte große Reform der Universitäten eingeläutet. Die Errungenschaft der 68er Studentenbewegung war eine Demokratisierung der Universität, die auf die gesamte Gesellschaft wirkte. Soviel reformerische Bewegung hat es aus den geistigen Kaderschmieden in diesem Jahrhundert noch nicht gegeben. Zugleich wird die Generation der 68er für die Massen universitäten verantwortlich gemacht. Gewiß die Studentenzahlen stiegen im Zuge der Bildungsreform sprunghaft an. Wer das moniert, vergißt, daß es einen Nachholbedarf an wis senschaftlich ausgebildeten Kräften gab. Gewiß, Eliten werden an den Massenunive sitäten nicht auf den ersten Blick erkennbar geformt. Als Bildungsmaschine und akademische Legebatterie und Elfenbeintürme verschrien, wird nun versucht, den überfüllten Hochschulen eine Entschlackungskur zu verordnen. Peinlicherweise ausgerechnet mit dem Blick nach Amerika proklamiert auch Kulturminister Steffen Reiche eine marktgerecht windschnittige Hochschule, um der neuen Medien- und Informationsgesellschaft halbwüchsige Fachidioten zuzuführen. Abgesehen davon, daß Reformen notwendig sind, es aber in Brandenburg keine Massenun versitäten gibt, stellen die Reformpläne de Wissenschaftsministers das vom preußische Kulturminister Wilhelm von Humboldt orgaı satorisch bis heute gültige Modell der„10 schenden Lehre und lehrenden Forschung“ i Frage. Humboldts Ideal war das einer umfassenden Menschenbildung, die wiederum nur in Freiheit geschehen kann. Daß dieser pädagogische Aspekt auch den Universitäten weitgehend abhanden gekommen ist, bietet Anlaß zu einer Binnenbesinnung. Dafür ist aber für die Universität Potsdam erst einmal wichtig, sich ihrer ganz eigenen Qualitäten bewußt zu werden und sich der Frage zu stellen: Was haben wir, was andere nicht haben? Was macht uns aus, unwiderruflich? Es geht um das Erscheinungsbild der Alma mater, um die eigene Identität, das Wir-Gefühl.
Vieles ist nach wie vor in den Universitäte Tradition. Und das ist gut SO. Tradition vermittelt Verbindlichkeit und Kontinuität. Beides Werte, die in einer Zeit ständigen Umbruchs wieder gefragt sind. Universitäten waren nie namenlose Gebilde. Das Patronat, das früher die Bindung an den Stifter unterstrich, wurde abgelöst durch Namen verdienstvoller Persönlichkeiten. Über deren Namen definiert sich eine Universität als Rechtsperson nach außen mehr als durch alles andere. Das Land Brandenburg hat diesbezüglich allerdings bisher nur eine kümmerliche Auswahl. Ansgar Oswald
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Ans Rote Meer, nach Safaga in Ägypten, reiste kürzlich die Projektgruppe„Tauchen mit Behin
derten und Nichtbehinderten“ des Instituts für
Sportwissenschaft der Uni Potsdam. Sechs be
hinderte und vier nichtbehinderte Sportler
machten sich gemeinsam auf den Weg. Die Fahrt und das damit verbundene Freiwassertauchen bildeten Höhepunkt und zugleich Ab
TAUCHER GINGEN INS MEER
schluß der praktischen Arbeit im Projekt. Seit Oktober 1997 hatten sich die Exkursionsteilnehmer um Tauchlehrer Ulrich Wefers(4.v.r.) darauf vorbereitet. Sie fühlten sich schließlich unter Wasser fast so wohl wie die Fische. Tauchlehrer vor Ort nutzten die Gelegenheit, um ebenfalls für den Integrativen Behindertensport zu werben. J.B./Foto: Thomas
Brot
für die Welt
PUTZ 8/98
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