Heft 
(1.1.2019) 09
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MARKTPLATZ DER WISSENSCHAFT

Tag der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät

Vor den gut 25 verschiedenen Computer­bildschirmen im Senatssaal und dem an­grenzenden Beratungsraum drängten sich am 12. November 1998 Wissenschaftler, Studierende, Lehrer und Schüler aus Pots­dam sowie Besucher aus Berlin. Die Prä­sentationen reichten von der schlichten Darstellung einer Kurve bis hin zu Videos und ausgefeilten Animationen.

Ein behaartes Fliegenhaupt blickt kurz vom Bildschirm des Mathematikers Dr. Volker Dicken. Dann verwandelt sich das fremdar­tige Wesen in mehreren Schritten zu einem

idealisierten menschlichen Brustkorb. Dik­ken demonstriert sein mathematisches Pro­gramm Spect, welches die Fehler bei me­dizinischen Radiographie-Aufnahmen her­ausrechnen soll. Herzkranken Patienten wird bei solchen Aufnahmen ein radioaktives Gammapräparat gespritzt. Durch Strah­lungsmessung läßt sich das schlagende Herz abbilden. Allerdings absorbiert der Brustkorb die Strahlung unterschiedlich stark und verfälscht die Aufnahme.Dies ist ein sogenanntes schlechtgestelltes Problem, aber neben den Wavelets sind schlecht­gestellte Probleme unser Hauptarbeitsge­

EUROPÄISCHE INTEGRATION IM BLICK

Juristischer Studiengang an ungarischer Uni

Seit Beginn des Wintersemesters 1998/99 bietet die Juristische Fakultät der Uni Pots­dam den StudiengangDeutsches und Eu­ropäisches Wirtschaftsrecht an der Jözsef Attila Universität Szeged an. Diese liegt im Dreiländereck Ungarn/Rumänien/Jugoslawi­en. Das Ziel besteht darin, ungarische, rumä­nische und jugoslawische Studierende der Rechtswissenschaft in das deutsche Zivil­recht, insbesondere in das deutsche und eu­ropäische Wirtschaftsrecht einzuführen und mit den Grundstrukturen dieser Rechts­gebiete vertraut Zu machen. Aber auch Prak­tikern, wie Rechtsanwälten und Wirtschafts­juristen, die im internationalen Warenverkehr tätig sind oder Beamten des Außenministe­riums, steht eine Teilnahme offen.

Bei dem Studiengang handelt es sich um ein Zusatzstudium neben dem Studium der jeweiligen nationalen Rechte, das vier Se­mester dauert. Voraussetzung für die Teil­nahme ist ein mindestens zweijähriges Stu­

dium des jeweiligen nationalen Rechts, Die in deutscher Sprache gehaltenen Lehrver­anstaltungen beinhalten Themen wie Grundlehren des Bürgerlichen Rechts, Kreditsicherheiten, Handels- und Gesell­schaftsrecht, Steuerrecht, Arbeits-, Bank­und Europarecht. Hochschullehrer und WiS­senschaftliche Mitarbeiter der Potsdamer Uni sowie in Ungarn ansässige deutsche Juristen, die als Lehrbeauftragte fungieren, sichern den Lehrbetrieb im eigens für den Studiengang an der Szegeder Uni gegrün­deten Institut für Europarecht und Nationa­e Rechte. Erste Lehrveranstaltungen zu den Grundlagen des Bürgerlichen Rechts führte Prof. Dr. Werner Merle, der das Pro­jekt gemeinsam mit der Juristischen Fakul­tät der ungarischen Uni entwickelte, durch. Das Interesse ist bereits jetzt groß, mehr als 80 Studierende, aber auch Post-Graduierte und Mitarbeiter aus Budapester Ministeri­en schrieben sich ein. B.E.

biet, erklärte der Mathematiker aus der Ar­beitsgruppe von Prof. Dr. Peter Maaß. Auch die Sportphysiologen stellten ein Pro­gramm zum Thema Gesundheit vor: Mit ei­nem Sensor, der die Wirbelsäule entlang geführt wird, lassen sich Haltungschäden diagnostizieren, ohne daß die Wirbelsäule geröngt werden muß. Die Geoinformatiker stellten eine Datenbank vor, in der Karten samt dazugehörigen Infor­mationen abgespeichert sind. Dieses Projekt hat unmittelbaren Nutzen für die Arbeit der Landesumweltbehörde in Brandenburg. Das Institut für organische Chemie demon­strierte ein interaktives Lehr- und Übungs­buch für NMR-Spektroskopie, das die Stu­denten kostenlos im Internet benutzen kön­nen.

Parallel zur Computerpräsentation konnten die Besucher an vier Workshops zu den Themen Ernährungswissenschaften, Mul­timedia, Umweltrisiken und Didaktik teil­nehmen. Zur festlichen Abendveranstaltung im Audi­max waren Cäste aus der Stadtverwaltung, dem Ministerium für Wissenschaft, For­schung und Kultur, aus Hochschulen und Fraunhofer-Instituten gekommen. Rektor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder überreichte dem Direktor des Albert-Einstein Instituts für CGravitationsphysik, Prof. Dr. Bernhard Frede­rick Schutz, die Ernennungsurkunde zum Honorarprofessor. Für den besten Studien­abschluß des Jahrgangs 1997/98 wurde der Diplominformatiker Gunnar Rätsch geehrt. Den Michelson-Preis für die beste Promoti­on erhielt der Physiker Dr. Ralf Engbert. Er untersuchte mit den Methoden der Nicht­inearen Dynamik, wie die Motorik im Gehirn von Klavierspielern gesteuert wird. Profes­sionelle Musiker können beide Hände unab­hängig voneinander bewegen und rechts einen anderen Takt als links schlagen. Enge­bert leistete im Rahmen des Innovations­kollegs für Kognitionsforschung einen Bei­trag zum Verständnis der Koordination kom­plexer Bewegungen. Diese Forschungser­gebnisse sollen in Zukunft in Trainingspro­gramme einfließen.

1998 gab es in der Mathematisch-Naturwis­senschaftlichen Fakultät 70 Promotionen und sieben Habilitationen. ar

Die Nachwuchswissenschaftler erhielten von Rektor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder neben ihren Urkunden gelbe Rosen als kleinen Dank für ihren wissenschaftlichen Beitrag. Foto: Fritze

PUTZ 9/98

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