MARKTPLATZ DER WISSENSCHAFT
Tag der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät
Vor den gut 25 verschiedenen Computerbildschirmen im Senatssaal und dem angrenzenden Beratungsraum drängten sich am 12. November 1998 Wissenschaftler, Studierende, Lehrer und Schüler aus Potsdam sowie Besucher aus Berlin. Die Präsentationen reichten von der schlichten Darstellung einer Kurve bis hin zu Videos und ausgefeilten Animationen.
Ein behaartes Fliegenhaupt blickt kurz vom Bildschirm des Mathematikers Dr. Volker Dicken. Dann verwandelt sich das fremdartige Wesen in mehreren Schritten zu einem
idealisierten menschlichen Brustkorb. Dikken demonstriert sein mathematisches Programm Spect, welches die Fehler bei medizinischen Radiographie-Aufnahmen herausrechnen soll. Herzkranken Patienten wird bei solchen Aufnahmen ein radioaktives Gammapräparat gespritzt. Durch Strahlungsmessung läßt sich das schlagende Herz abbilden. Allerdings absorbiert der Brustkorb die Strahlung unterschiedlich stark und verfälscht die Aufnahme.„Dies ist ein sogenanntes schlechtgestelltes Problem, aber neben den Wavelets sind schlechtgestellte Probleme unser Hauptarbeitsge
EUROPÄISCHE INTEGRATION IM BLICK
Juristischer Studiengang an ungarischer Uni
Seit Beginn des Wintersemesters 1998/99 bietet die Juristische Fakultät der Uni Potsdam den Studiengang„Deutsches und Europäisches Wirtschaftsrecht“ an der Jözsef Attila Universität Szeged an. Diese liegt im Dreiländereck Ungarn/Rumänien/Jugoslawien. Das Ziel besteht darin, ungarische, rumänische und jugoslawische Studierende der Rechtswissenschaft in das deutsche Zivilrecht, insbesondere in das deutsche und europäische Wirtschaftsrecht einzuführen und mit den Grundstrukturen dieser Rechtsgebiete vertraut Zu machen. Aber auch Praktikern, wie Rechtsanwälten und Wirtschaftsjuristen, die im internationalen Warenverkehr tätig sind oder Beamten des Außenministeriums, steht eine Teilnahme offen.
Bei dem Studiengang handelt es sich um ein Zusatzstudium neben dem Studium der jeweiligen nationalen Rechte, das vier Semester dauert. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein mindestens zweijähriges Stu
dium des jeweiligen nationalen Rechts, Die in deutscher Sprache gehaltenen Lehrveranstaltungen beinhalten Themen wie Grundlehren des Bürgerlichen Rechts, Kreditsicherheiten, Handels- und Gesellschaftsrecht, Steuerrecht, Arbeits-, Bankund Europarecht. Hochschullehrer und WiSsenschaftliche Mitarbeiter der Potsdamer Uni sowie in Ungarn ansässige deutsche Juristen, die als Lehrbeauftragte fungieren, sichern den Lehrbetrieb im eigens für den Studiengang an der Szegeder Uni gegründeten Institut für Europarecht und Nationae Rechte. Erste Lehrveranstaltungen zu den Grundlagen des Bürgerlichen Rechts führte Prof. Dr. Werner Merle, der das Projekt gemeinsam mit der Juristischen Fakultät der ungarischen Uni entwickelte, durch. Das Interesse ist bereits jetzt groß, mehr als 80 Studierende, aber auch Post-Graduierte und Mitarbeiter aus Budapester Ministerien schrieben sich ein. B.E.
biet“, erklärte der Mathematiker aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Peter Maaß. Auch die Sportphysiologen stellten ein Programm zum Thema Gesundheit vor: Mit einem Sensor, der die Wirbelsäule entlang geführt wird, lassen sich Haltungschäden diagnostizieren, ohne daß die Wirbelsäule geröngt werden muß. Die Geoinformatiker stellten eine Datenbank vor, in der Karten samt dazugehörigen Informationen abgespeichert sind. Dieses Projekt hat unmittelbaren Nutzen für die Arbeit der Landesumweltbehörde in Brandenburg. Das Institut für organische Chemie demonstrierte ein interaktives Lehr- und Übungsbuch für NMR-Spektroskopie, das die Studenten kostenlos im Internet benutzen können.
Parallel zur Computerpräsentation konnten die Besucher an vier Workshops zu den Themen Ernährungswissenschaften, Multimedia, Umweltrisiken und Didaktik teilnehmen. Zur festlichen Abendveranstaltung im Audimax waren Cäste aus der Stadtverwaltung, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, aus Hochschulen und Fraunhofer-Instituten gekommen. Rektor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder überreichte dem Direktor des Albert-Einstein Instituts für CGravitationsphysik, Prof. Dr. Bernhard Frederick Schutz, die Ernennungsurkunde zum Honorarprofessor. Für den besten Studienabschluß des Jahrgangs 1997/98 wurde der Diplominformatiker Gunnar Rätsch geehrt. Den Michelson-Preis für die beste Promotion erhielt der Physiker Dr. Ralf Engbert. Er untersuchte mit den Methoden der Nichtinearen Dynamik, wie die Motorik im Gehirn von Klavierspielern gesteuert wird. Professionelle Musiker können beide Hände unabhängig voneinander bewegen und rechts einen anderen Takt als links schlagen. Engebert leistete im Rahmen des Innovationskollegs für Kognitionsforschung einen Beitrag zum Verständnis der Koordination komplexer Bewegungen. Diese Forschungsergebnisse sollen in Zukunft in Trainingsprogramme einfließen.
1998 gab es in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät 70 Promotionen und sieben Habilitationen. ar
Die Nachwuchswissenschaftler erhielten von Rektor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder neben ihren Urkunden gelbe Rosen als kleinen Dank für ihren wissenschaftlichen Beitrag. Foto: Fritze
PUTZ 9/98
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