Erneuerte Partnerschaft Potsdam-Bonn
Anläßlich der Unterzeichnung einer neuen Vereinigung zwischen den Partnerstädten Bonn und Potsdam weilte vom 28. bis 30. November 1990 eine Delegation aus Potsdam In Bonn. Ihr gehörten neben dem Potsdamer Oberbürgermeister Dr. Gramlich Vertreter aller Fraktionen der Potsdamer Stadtverordnetenversanmmlung(SPD, PDS, CDU, NF/ARGUS, F.D.P.) sowie Mitglieder des Magistrats und Vertreter der(noch zwei) Bonn-Klubs in Potsdam an.
Obwohl man nun ohne innere Distanz an die Partnerschaft herangehen könnte, so der Bonner OB Dr. Daniels, und der alte Vertrag, Insbesondere dessen Präambel, so nicht mehr akzeptiert werde, wurden weite Passagen des ehemaligen Vertrages inhaltlich übernommen,
Die neu unterzeichnete Vereinbarung sieht auch weiterhin vor, die Kontakte zwischen den Bürgern durch Begegnungen zu fördern, den Meinungsaustausch auf kommunaler Ebene fortzusetzen, auf Gebieten der Stadtentwicklung und des Städtebaus sowie der Kultur zusammenzuarbeiten.
Auf Wunsch des Potscamer Magistrats will Bonn"In der nächsten Zeit.., Beiträge zum Aufbau der Kommunalverwaltung und der kommunalen Eigenbetriebe in Potsdam” leisten.
Obwohl drei Tage sicher kein vollständiges Bild einer Stadt vermitteln, wurden vielfältige Einblicke möglich.
So wurde von den Gastgebern keine Gelegenheit versäumt, Empfehlungen für Bonn als Regierungs-und Parlamentssitz zu geben. Bonn hat wohl auch nicht zuletzt auf Grund seines bisherigen Status’ als Hauptstadt und Regierungssitz die Möglichkeit, sich dem Besucher als sehr wohlhabende Stadt in aus
gezeichnetem städtebaulichen Zustand zu präsentieren. Es bleibt zu hoffen, daß die Regierenden am Rhein von der luxuriösen Warte aus die Probleme in entfernteren Regionen nicht aus dem Blickwinkel von Außenstehenden betrachten.
Bonn hat mit Potsdam eine erfreuliche Gemeinsamkeit: Studenten prägen das Stadtbild, Und ebenso wie die Brandenburgische Landeshochschule am Park Sanssouci, so ist auch die Bonner Universität direkt in oder in unmittelbarer Nachbarschaft zu barocken Gebäuden ihrer 2000 Jahre alten Stadt beheimatet. Das Hauptgebäude der Universität ist das ehemalige kurfürstliche Residenzschloß, 1725 im Spätbarockstil fertiggestellt, Die Anlage ist seit 1818 Universität. Der Park des Poppelsdorfer Schlosses beherbergt einen botanischen Garten,
In dem begrenzten zeitlichen Rahmen meines Besuches war an der Universität nur eine individuelle spontane Stippvisite möglich. Gespräche in der Fachschaft Biologie offenbarten aber Interessen der Studenten(auch in Bonn werden Lehrer ausgebildet) an Kontakten mit Potsdamer Studenten.
Im Rahmen der Städtepartnerschaft Bonn-Potsdam und in Zusammenarbeit mit dem Bonn-Klub Potsdam könnte es dem Studentenrat, falls Interesse vorliegt, gelingen, partnerschaftliche Kontakte zu knüpfen(der Austausch von Lehrlingsgruppen zwischen den Städten wurde in offiziellen parlamentarischen Gesprächen bereits angedacht). Adressen von Ansprechpartnern sind zu erfragen bei
Dr. Lissy Jäkel, Institut für Biologiedidaktik (Präsidiumsmitglied der Stadiverordnetenversammlung Potsdam)
Mit einer gewissen Hoffnung...
„.. kann man wohl die"Worte" des Rektors zur Zukunft unserer Hochschulzeitung aufnehmen, verkündet und vom Senat mehrheitlich mitgetragen auf seiner Sitzung am 20.12.1990.- Wenn sich mir dabel auch die Frage auftut, aus welchem Grund des Rektors eigene"Mannschaft" vorher für Irritationen sorgte? Daß damit eine Versuchsballon-Met+hode beabsichtigt wäre, will ich einfach nicht hoffen. Schließlich kann man nicht wegen jeder Sache beim Rektor rückfragen, ob denn dieses oder jenes auch so gemeint gewesen sel,
Bedenklich waren die"Informationen" im Rahmen der Irritationen allemal. So beispielsweise über Überlegungen, ob es die Hochschule nicht finanziell besser käme, den Vertrag mit der Druckerei sofort aufzukündigen oder die Zeitung lieber weiter zu tragen. Dann: In Zukunft auf einen Redaktionsbeirat/kollegium als beratendes Gremium der Redakteurinnen zu verzichten und die Zeitung gänzlich unter die"Aufsicht" des neuen Offentlichkeitsteferenten des Rektors, Herrn Dr. Rammelt, zu stellen- was natürlich sofort nach Zensur und "Abschuß” roch.
Nun ist entschieden. Der OKTOBER soll unter neuem Namen wenigstens bis zum Sommer eine Chance erhalten, dann läuft der Vertrag mit der Druckerei aus, und es wird neu überlegt. Eine Zweiteiligkeit ist geplant: Informationen amtlicher Art zum einen
und daneben Diskussion zum anderen, Ein Redaktionsbeirat soll sich neu bilden, alle fachlichen und gesellschaftlichen Kräfte der Hochschule einbeziehend, und das Recht der Autoren auf ihre freie Meinung soll unangetastet bleiben, Der Rektor wird der Herausgeber sein, in seinem Auftrag sollen die beiden jetzigen Redakteurinnen für den Diskussionsteil und der Öffentlichkeitsreferent für den Informationsteil verantwortlich sein.
Auch wenn die Leser des OKTOBER von der ganzen Debatte nur wenig mitbekommen konnten und außen vor gehalten worden sind, bietet der neue Rahmen zumindest Möglichkeiten, um HochschulÖffentlichkeit eine Chance zu erhalten. Aber vielleicht kann man da auch anderer Meinung sein. Zumindest, eine gewisse Hoffnung...
Nun könnte man fragen, warum denn extra darüber schreiben? Sollman nicht erst einmal abwarten und sehen, wie die neue Praxis funktioniert? Wäre sicher eine Möglichkeit. Aber bei solchen, wie oben beschriebenen"Meinungsverschiedenheiten” der Administration ist Wachheit möglicherweise auch eine Hilfe für den Rektor, die Demokratisierung des Hochschullebens weiter in Gang zu halten.
Harald Petzold, MdL Miglied des Senats
Geteilter Meinung
Herr Dr. Kleinert sandte unserer Redaktion einen Brief, den wir nachfolgend mit seiner Genehmigung veröffentlichen. Er reagiert damit auf die durch den Artikel von Herrn Dr. Gentsch in unserer Nummer 18/90 ausgelöste Diskussion zum Thema Bildungswesen In der ehemaligen DDR.
Liebe Redaktion!
Ich wundere mich über die Reaktionen auf den Artikel von Dr. Gentsch. Es kann doch gar kein Zweifel daran bestehen, daß die Mitarbeiter des Bildungswesens, ebenso wie die Mitarbeiter anderer Einrichtungen(Theater, Massenmedien, MUuseen, Bibliotheken,...) dazu ausersehen waren, die Menschen im sozialistischen Sinne zu indoktrinieren. Der Bibliothekar z. B., der vor 20 Jahren Fontanes "Wanderungen durch die Mark Brandenburg” aus dem Regal herausgenommen und dafür die Machwerke des Bitterfelder Weges hineingestellt hat, hat sich mitschuldig gemacht und war halt ein Schräubchen in dem ausgeklügelten System der Volksverdummung(Verleugnung unserer Geschichte) und Volksverhetzung(Erziehung zum Haß), auch wenn er persönlich ein ganz hervorragender, individuell beratender, sich für seinen Beruf
Nr.02/91
aufopfernder Bibliothekar gewesen ist. Nicht weniger, aber auch nicht mehr, habe ich aus dem Artikel von Dr. Gentsch herausgelesen! Und wer könnte sich da ausschließen?(Offensichtlich gibt es aber immer noch Leute, die derartiges Handeln nicht als schuldhaftes Handeln empfinden.) Wenn wir die Früchte der Wende bald genießen wollen, müssen derartige Polemiken und gegenseitige Beschuldigungen ein Ende haben. Deshalb ist es wünschenswert, daß die lange angekündigte Uberprüfungskommission nun endlich ihre sorgfältige und gründliche Arbeit aufnimmt, damit Zweifel, UngeWwißheit, Unsicherheit und gegenseitiges Mißtrauen vermindert werden und(wenigstens formal) ein Schlußstrich unter die Vergangenheit gezogen und alle Kraft wirklich auf die Zukunft gerichtet werden kann. In diesem Zusammenhang wäre auch nachzufragen, wann die bereits schon einmal eingeleitete(bundesweite) Ausschreibung der Hochschullehrerstellen erfolgt!
Joachim Kleinert FB Technik, Abt. Technische Systeme
English Drama Groups in the(ex-)GDR
It would be impossible for me to give a comprehensive report on the overall state of English drama work in the(ex-XSDR. The following observations are therefore based on my experience of this field while working as a British gastiektor since 1987 a the Pädagogische Hochschule in Potsdam and at the Humboldt University in Berlin.| suspect that my own experience of drama work as largely an extracurricular activity, undertaken usually on the initiative of individuals(particularly native English speakers on one- or two- year contracts), reflects the situation other colleges and universities,
There are a number of factors which might account for drama work being conducted as a fringe activity in the past, not least the organization of English studies under the old system, and the fact that the subject English, for obvious ideological reasons, did not enjoy a favoured status. Students’ timetables were very overloaded: those studying English to become teachers had to deal not only with all the various elements of English studies, but all those in connection with their second main subject(Russian or German), as well as teacher training and the once compulsory Marxism-Leninism, not to mention Sport! Consequently, there was little time or energy left for something as demanding as drama,
In spite of all these difficulties, aı British gastiektor in Potsdam, Maurice Levitas, succeeded in setting up an English Drama Group, which performed three plays between 1987 and 1989: Androcles and the Lion, Pygmalion, and The Merchant of Venice. The work he had initiated was recognized by the English language training department as a valuable contribution and addition to their work, and after his retirement a German colleague was given the respensibility for organizing work in this field,
Inspired by Potsdam’s example,| decided to establishmy own English Drama Group when| transferred to the Humboldt in September 1989,| discovered there was already a history of drama work there, initiated by members of the English Literature department and interested students with the assistance of a native speaker from outside the university. Their last production was a version of Edward Bond’s Passion, which was performed in 1986, Work an another play was started but waseventually given up in 1987,
The semester of the Wende in the GDR was not the easiest in which to teach or study, let alone rehearse a play. Nevertheless,| managed to gather twelve enthusiastic students together to work on Bond’s Narrow Road to the Deep North as an extra-curricular activity which ranged from three to eight hours a week; this was on top of a twentyhour teaching commitment for me and an approximately thirty-five-hour week for the students. Our progress was slow due largely to our inability to find mutually acceptable times to meet and having to rehearse in rooms quite inappropriate fo Our requUirements. By Easter we had gone too far to give up, but the chance of performing seemed unlikely. The Sektion’s students‘ representatives then took over the burden of organization and booked a venue for us to perform at a Sektionsfest. We then set about rehearsing in earnest, even on Saturdays, Costumes and props were produced with a great deal of speed and ingenuity by the group with materials generously donated by colleagues and the Volksbühne. Publicity and programmes were reproduced free of charge by a parent, Lighting and music were taken on at the last moment by some willing students, The single performance on June 5th was attended by over 150 and was wellreceived...
From a positive angle, though, those involved undoubtedly benefited from the constant use of English, attention to pronunciation, intonation, vocabulary, etc.| would argue that drama work is able to cross the sacred boundaries of the strictly delineated fields of study within the English curricuJum, linking elements from each.| am now convinced that as an effective method of(language) leaming, drama has great potential.,
I am optimistic that such interdisciplinary cooperdation and recognition of the educational value of the time afforded to drama activities COUId sucCCceed in establishing drama as an integral part of the English curriculum,
Lynn Guyver Humboldt-Universität Berlin (aus: DRAMA GROUP NEWSLETTER, 6/1990)