Heft 
(1.1.2019) 02
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Erneuerte Partnerschaft Potsdam-Bonn

Anläßlich der Unterzeichnung einer neuen Ver­einigung zwischen den Partnerstädten Bonn und Potsdam weilte vom 28. bis 30. November 1990 eine Delegation aus Potsdam In Bonn. Ihr gehörten ne­ben dem Potsdamer Oberbürgermeister Dr. Gram­lich Vertreter aller Fraktionen der Potsdamer Stadt­verordnetenversanmmlung(SPD, PDS, CDU, NF/AR­GUS, F.D.P.) sowie Mitglieder des Magistrats und Vertreter der(noch zwei) Bonn-Klubs in Potsdam an.

Obwohl man nun ohne innere Distanz an die Part­nerschaft herangehen könnte, so der Bonner OB Dr. Daniels, und der alte Vertrag, Insbesondere dessen Präambel, so nicht mehr akzeptiert werde, wurden weite Passagen des ehemaligen Vertrages inhalt­lich übernommen,

Die neu unterzeichnete Vereinbarung sieht auch weiterhin vor, die Kontakte zwischen den Bürgern durch Begegnungen zu fördern, den Meinungsaus­tausch auf kommunaler Ebene fortzusetzen, auf Gebieten der Stadtentwicklung und des Städte­baus sowie der Kultur zusammenzuarbeiten.

Auf Wunsch des Potscamer Magistrats will Bonn"In der nächsten Zeit.., Beiträge zum Aufbau der Kom­munalverwaltung und der kommunalen Eigenbe­triebe in Potsdam leisten.

Obwohl drei Tage sicher kein vollständiges Bild ei­ner Stadt vermitteln, wurden vielfältige Einblicke möglich.

So wurde von den Gastgebern keine Gelegenheit versäumt, Empfehlungen für Bonn als Regierungs-­und Parlamentssitz zu geben. Bonn hat wohl auch nicht zuletzt auf Grund seines bisherigen Status als Hauptstadt und Regierungssitz die Möglichkeit, sich dem Besucher als sehr wohlhabende Stadt in aus­

gezeichnetem städtebaulichen Zustand zu präsen­tieren. Es bleibt zu hoffen, daß die Regierenden am Rhein von der luxuriösen Warte aus die Probleme in entfernteren Regionen nicht aus dem Blickwinkel von Außenstehenden betrachten.

Bonn hat mit Potsdam eine erfreuliche Gemeinsamkeit: Studenten prägen das Stadtbild, Und ebenso wie die Brandenburgische Landes­hochschule am Park Sanssouci, so ist auch die Bonner Universität direkt in oder in unmittelbarer Nachbarschaft zu barocken Gebäuden ihrer 2000 Jahre alten Stadt beheimatet. Das Hauptgebäude der Universität ist das ehemalige kurfürstliche Resi­denzschloß, 1725 im Spätbarockstil fertiggestellt, Die Anlage ist seit 1818 Universität. Der Park des Poppelsdorfer Schlosses beherbergt einen botani­schen Garten,

In dem begrenzten zeitlichen Rahmen meines Be­suches war an der Universität nur eine individuelle spontane Stippvisite möglich. Gespräche in der Fachschaft Biologie offenbarten aber Interessen der Studenten(auch in Bonn werden Lehrer ausge­bildet) an Kontakten mit Potsdamer Studenten.

Im Rahmen der Städtepartnerschaft Bonn-Pots­dam und in Zusammenarbeit mit dem Bonn-Klub Potsdam könnte es dem Studentenrat, falls Interes­se vorliegt, gelingen, partnerschaftliche Kontakte zu knüpfen(der Austausch von Lehrlingsgruppen zwischen den Städten wurde in offiziellen par­lamentarischen Gesprächen bereits angedacht). Adressen von Ansprechpartnern sind zu erfragen bei

Dr. Lissy Jäkel, Institut für Biologiedidaktik (Präsidiumsmitglied der Stadiverordnetenversammlung Potsdam)

Mit einer gewissen Hoffnung...

.. kann man wohl die"Worte" des Rektors zur Zu­kunft unserer Hochschulzeitung aufnehmen, ver­kündet und vom Senat mehrheitlich mitgetragen auf seiner Sitzung am 20.12.1990.- Wenn sich mir dabel auch die Frage auftut, aus welchem Grund des Rektors eigene"Mannschaft" vorher für Irritatio­nen sorgte? Daß damit eine Versuchsballon-Me­t+hode beabsichtigt wäre, will ich einfach nicht hof­fen. Schließlich kann man nicht wegen jeder Sache beim Rektor rückfragen, ob denn dieses oder jenes auch so gemeint gewesen sel,

Bedenklich waren die"Informationen" im Rahmen der Irritationen allemal. So beispielsweise über Überlegungen, ob es die Hochschule nicht finan­ziell besser käme, den Vertrag mit der Druckerei sofort aufzukündigen oder die Zeitung lieber weiter zu tragen. Dann: In Zukunft auf einen Redaktions­beirat/kollegium als beratendes Gremium der Re­dakteurinnen zu verzichten und die Zeitung gänz­lich unter die"Aufsicht" des neuen Offent­lichkeitsteferenten des Rektors, Herrn Dr. Rammelt, zu stellen- was natürlich sofort nach Zensur und "Abschuß roch.

Nun ist entschieden. Der OKTOBER soll unter neuem Namen wenigstens bis zum Sommer eine Chance erhalten, dann läuft der Vertrag mit der Druckerei aus, und es wird neu überlegt. Eine Zweiteiligkeit ist geplant: Informationen amtlicher Art zum einen

und daneben Diskussion zum anderen, Ein Redak­tionsbeirat soll sich neu bilden, alle fachlichen und gesellschaftlichen Kräfte der Hochschule einbezie­hend, und das Recht der Autoren auf ihre freie Meinung soll unangetastet bleiben, Der Rektor wird der Herausgeber sein, in seinem Auftrag sollen die beiden jetzigen Redakteurinnen für den Diskus­sionsteil und der Öffentlichkeitsreferent für den In­formationsteil verantwortlich sein.

Auch wenn die Leser des OKTOBER von der ganzen Debatte nur wenig mitbekommen konnten und außen vor gehalten worden sind, bietet der neue Rahmen zumindest Möglichkeiten, um Hochschul­Öffentlichkeit eine Chance zu erhalten. Aber viel­leicht kann man da auch anderer Meinung sein. Zumindest, eine gewisse Hoffnung...

Nun könnte man fragen, warum denn extra darü­ber schreiben? Sollman nicht erst einmal abwarten und sehen, wie die neue Praxis funktioniert? Wäre sicher eine Möglichkeit. Aber bei solchen, wie oben beschriebenen"Meinungsverschiedenheiten der Administration ist Wachheit möglicherweise auch eine Hilfe für den Rektor, die Demokratisierung des Hochschullebens weiter in Gang zu halten.

Harald Petzold, MdL Miglied des Senats

Geteilter Meinung

Herr Dr. Kleinert sandte unserer Redaktion einen Brief, den wir nachfolgend mit seiner Genehmi­gung veröffentlichen. Er reagiert damit auf die durch den Artikel von Herrn Dr. Gentsch in unserer Nummer 18/90 ausgelöste Diskussion zum Thema Bildungswesen In der ehemaligen DDR.

Liebe Redaktion!

Ich wundere mich über die Reaktionen auf den Artikel von Dr. Gentsch. Es kann doch gar kein Zweifel daran bestehen, daß die Mitarbeiter des Bildungswesens, ebenso wie die Mitarbeiter an­derer Einrichtungen(Theater, Massenmedien, MUu­seen, Bibliotheken,...) dazu ausersehen waren, die Menschen im sozialistischen Sinne zu indoktrinieren. Der Bibliothekar z. B., der vor 20 Jahren Fontanes "Wanderungen durch die Mark Brandenburg aus dem Regal herausgenommen und dafür die Mach­werke des Bitterfelder Weges hineingestellt hat, hat sich mitschuldig gemacht und war halt ein Schräubchen in dem ausgeklügelten System der Volksverdummung(Verleugnung unserer Ge­schichte) und Volksverhetzung(Erziehung zum Haß), auch wenn er persönlich ein ganz hervorra­gender, individuell beratender, sich für seinen Beruf

Nr.02/91

aufopfernder Bibliothekar gewesen ist. Nicht weni­ger, aber auch nicht mehr, habe ich aus dem Artikel von Dr. Gentsch herausgelesen! Und wer könnte sich da ausschließen?(Offensichtlich gibt es aber immer noch Leute, die derartiges Handeln nicht als schuldhaftes Handeln empfinden.) Wenn wir die Früchte der Wende bald genießen wollen, müssen derartige Polemiken und gegenseitige Be­schuldigungen ein Ende haben. Deshalb ist es wün­schenswert, daß die lange angekündigte Uberprü­fungskommission nun endlich ihre sorgfältige und gründliche Arbeit aufnimmt, damit Zweifel, Unge­Wwißheit, Unsicherheit und gegenseitiges Mißtrauen vermindert werden und(wenigstens formal) ein Schlußstrich unter die Vergangenheit gezogen und alle Kraft wirklich auf die Zukunft gerichtet wer­den kann. In diesem Zusammenhang wäre auch nachzufragen, wann die bereits schon einmal ein­geleitete(bundesweite) Ausschreibung der Hoch­schullehrerstellen erfolgt!

Joachim Kleinert FB Technik, Abt. Technische Systeme

English Drama Groups in the(ex-)GDR

It would be impossible for me to give a comprehen­sive report on the overall state of English drama work in the(ex-XSDR. The following observations are therefore based on my experience of this field while working as a British gastiektor since 1987 a the Pädagogische Hochschule in Potsdam and at the Humboldt University in Berlin.| suspect that my own experience of drama work as largely an extracurri­cular activity, undertaken usually on the initiative of individuals(particularly native English speakers on one- or two- year contracts), reflects the situation other colleges and universities,

There are a number of factors which might account for drama work being conducted as a fringe acti­vity in the past, not least the organization of English studies under the old system, and the fact that the subject English, for obvious ideological reasons, did not enjoy a favoured status. Students timetables were very overloaded: those studying English to become teachers had to deal not only with all the various elements of English studies, but all those in connection with their second main subject(Russian or German), as well as teacher training and the once compulsory Marxism-Leninism, not to mention Sport! Consequently, there was little time or energy left for something as demanding as drama,

In spite of all these difficulties, British gastiektor in Potsdam, Maurice Levitas, succeeded in setting up an English Drama Group, which performed three plays between 1987 and 1989: Androcles and the Lion, Pygmalion, and The Merchant of Venice. The work he had initiated was recognized by the English language training department as a valuable con­tribution and addition to their work, and after his retirement a German colleague was given the re­spensibility for organizing work in this field,

Inspired by Potsdams example,| decided to estab­lishmy own English Drama Group when| transferred to the Humboldt in September 1989,| discovered there was already a history of drama work there, initiated by members of the English Literature de­partment and interested students with the assistan­ce of a native speaker from outside the university. Their last production was a version of Edward Bonds Passion, which was performed in 1986, Work an another play was started but waseventually given up in 1987,

The semester of the Wende in the GDR was not the easiest in which to teach or study, let alone rehear­se a play. Nevertheless,| managed to gather twel­ve enthusiastic students together to work on Bonds Narrow Road to the Deep North as an extra-curri­cular activity which ranged from three to eight hours a week; this was on top of a twentyhour teaching commitment for me and an approxima­tely thirty-five-hour week for the students. Our pro­gress was slow due largely to our inability to find mutually acceptable times to meet and having to rehearse in rooms quite inappropriate fo Our requUi­rements. By Easter we had gone too far to give up, but the chance of performing seemed unlikely. The Sektions students representatives then took over the burden of organization and booked a venue for us to perform at a Sektionsfest. We then set about rehearsing in earnest, even on Saturdays, Costumes and props were produced with a great deal of speed and ingenuity by the group with materials generously donated by colleagues and the Volksbühne. Publicity and programmes were reproduced free of charge by a parent, Lighting and music were taken on at the last moment by some willing students, The single performance on June 5th was attended by over 150 and was well­received...

From a positive angle, though, those involved un­doubtedly benefited from the constant use of English, attention to pronunciation, intonation, vo­cabulary, etc.| would argue that drama work is able to cross the sacred boundaries of the strictly delineated fields of study within the English curricu­Jum, linking elements from each.| am now convin­ced that as an effective method of(language) leaming, drama has great potential.,

I am optimistic that such interdisciplinary cooperda­tion and recognition of the educational value of the time afforded to drama activities COUId sucCCce­ed in establishing drama as an integral part of the English curriculum,

Lynn Guyver Humboldt-Universität Berlin (aus: DRAMA GROUP NEWSLETTER, 6/1990)