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Ausbildung
Interkulturelle Erziehung
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Anspruch und Wirklichkeit im Prozeß europäischer Integration
Vor wenigen Tagen fand an der Brandenburgischen Landeshochschule Potsdam ein 2 tägiges Colloquium zu einem umfangreichen Katalog inhaltlicher Fragen, Anforderungen und Probleme interkultureller Bildungs- und Erziehungsarbeit statt, Diese Tagung wurde auf gemeinsame Initiative des Instituts für Interkulturelle Erziehung der Freien Universität Berlin und des Fachbereiches Pädagogik der Brandenburgischen Landeshochschule ins Leben gerufen.
Zu den ca, 30 Teilnehmern zählten Lehrerbildner, Ethnologen, Schulpraktiker, Nachwuchswissenschaftler und Linguisten,
Erst seit knapp zwei Jahren ist interkulturelle Erziehung in Berlin(West) ein bildungspolitischer Schwerpunkt, obwohl gerade hier und auch in den Altbundesländern von einer monokulturellen Gesellschaft im Herzen Europas schon längst nicht mehr die Rede sein kann.
Experten gehen davon aus, daß bereits 1990/91 mehr als eine halbe Million Menschen aus der Sowjetunion, aus Polen, Rumänien und Vietnam nach Deutschland übersiedeln werden.
Diese Situation trifft Öffentlichkeit und Fachleute, vor allem in den neuen Bundesländern, weitgehend unvorbereitet, An den Schulen, in den Schulklassen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR erfolgte die Begegnung der Schüler mit Kulturen, Traditionen und Erfahrungen anderer Länder bisher meist in Abwesenheit von Repräsentanten dieser Kulturgruppen. Deshalb müssen schnellstens der zu
Grundstufenpadagogen zur Reform des Heimatkundeunterrichts in Brandenburg
Schwerpunkt vieler Diskussionsbeiträge von Lehrern und Erziehungswissenschaftlierh anläßlich einer Beratung der Arbeitsgruppe"Heimatkunde in Brandenburg” am 15.12.1990 war die Forderung nach einer forcierten, den Bedingungen im Lande entsprechenden Erneuerung des Heimatkundeunterrichts, Die ausgesprochen kritische Sicht auf das bisher Erreichte führte vor allem zu Schlußfolgerungen für
-Zielstellungen des Heimat- und Sachunterrichts, die neuen Ansprüche an die Bildung und Erziehung in der Grundstufe gerecht werden(u. a, wurde auf die Notwendigkeit der Rückführung von Kindern der Hilfsschule auf der Grundlage dieses Anspruchs verwiesen),
- eine Inhaltsstruktur, die die Orientierung am Kind und seiner Lebenswelt in den Mittelpunkt stellt, ohne die daraus resultierenden Ansprüche an wissenschaftsorientiertes Eingliedern adäquater Inhalte zu vernachlässigen,
- eine Unterrichtsgestaltung, die Freiräume für Verfahren der Binnendifferenzierung zur individuellen Förderung jeden Kindes nach Leistungsvermögen, Methode und Arbeitstempo zuläßt ohne Aufgabe
der Forderung nach einem gemeinsamen Grundbestand an Wissen und Können, auf dem von Klasse zu Klasse weiter aufgebaut werden kann. Vorstellungen, die sich auf eine Rückkehr zum propädeutischen Fachunterricht ab Klasse 4(z. B. in Geschichte, denkbar wären dann auch Biologie und weitere Fächer) beziehen, wurden ausnahmslos abgelehnt. Der Versuch vorgezogenen Fachunterrichts In gesonderten Lehrgängen ab Klasse 4 erfolgte auf dem Gebiet der ehemaligen DDR im Jahre 1951.
Die kritische Absage an die Verselbständigung einzelner fachdidaktischer Ansätze im Sachunterricht vollzog sich in den alten Bundesländern zu Beginn der 70er Jahre.
Dr. I. Frohne
erwartenden Migrationsbewegung entsprechende konzeptionelle Programme für künftige Lehrerbildung und-fortbildung entwickelt und umgesetzt werden. Angesichts der fortschreitenden europäischen Integration werden Lehrer gebraucht, die die kulturelle und sprachliche Vielfalt und Differenziertheit im Schulalltag sehen und stützen können, die Integration begreifen in der Toleranz gegenüber abweichendem Verhalten, für die Begegnung mit anderen Kulturen zu etwas Erstrebenswertem wird und nicht Ängste, Unverständnis und Abwehr hervorruft. Hinsichtlich solcher Grundhaltungen und Fähigkeiten registrieren wir gegenwärtig sowohl bei Lehrern als auch bei Lehrerbildnern ein großes Defizit,
Vor diesem Hintergrund leistete das Colloquium einen wichtigen Beitrag zur"Ost--West Verständigung über Grundzüge interkultureiler Erziehung und Bildung. Interkulturelle Erziehung ist zu begreifen als ein Prinzip der Gestaltung von Schule, der Organisation des Unterrichts, Sie soll nicht Anpassung an, sondern Integration der ethnischen Minioritäten in unserer Gesellschaft bewirken. Sie kann also nicht allein auf eine Stärkung der Ich-Identität der Angehörigen der Minderheit gerichtet sein, sondern muß zugleich auch die Mehrheitsgruppe für andere Kulturausprägungen sensibilisieren. Inhaltlich waren die Diskussionsbeiträge sehr verschiedenartig angelegt. Gesprochen wurde u. a. über interkultureile Erziehung als wissenschaftlichen Forschungsgegenstand, als Unterrichtsprinzip und Thema der
Lehrerfortbildung, aber auch zu Grundfragen zweisprachiger Alphabetisierung bis hin zu Veränderungen traditioneller Erziehungsmuster für türkische Kinder in der Migration, Diese Themenbreite ermöglichte den Tagungsteilnehmern die Sicht auf Weite und Differenziertheit von Problemfeldern, vermittelte Erfahrungen und Erfolge, aber auch Imtümer und Grenzen interkultureller Erziehung. Empirische Befunde von Projekten zu einer interkulturellen Schule in Berlin(West), aber auch die durch eine Westberliner Grundschullehrerin skizzierten spezifischen Aufgaben und Probleme der Unterrichtsführung In einer multiethnischen Schulklasse In Kreuzberg setzten deutliche Impulse, um Anforderungen für Lehrerbildung und-fortbildung an der BLH neu zu defiNieren. Beide teilnehmenden Seiten bekräftigten die Absicht, die begonnene Zusammenarbeit fortzusetzen und weiter zu vertiefen. Der Fachbereich Pädagogik strebt an, gegenstandsbezogene Informationen und Erfahrungen der alten, aber auch der neuen Bundesländer so in der pädagogischen Ausbildung zu verwerten, daß perspektivisch der Anspruch interkultureller Erziehung als immanenter Grundsatz für alle Ausbildungszweige durchgesetzt werden kann, Bereits im Frühjahr 1991 sollen zwei Seminarzyklen den Lehrerstudenten die Möglichkeit geben, sich gezielter auch auf das gemeinsame Unterrichten und Erziehen von einheimischen und ausländischen Schülern vorzubereiten,
Andreas Seidel FB Pädagogik
Lehrerbildung einmal anders
"Miteinander auf Geben und Nehmen angelegt”, so lautete eine Schlagzeile in der Schwäbischen Zeitung vom 26.11.1990 anläßlich des Besuchs von vier Mitarbeitern des Fachbereichs Technische Bildung der Brandenburgischen Landeshochschule an der Pädagogischen Hochschule Weingarten in Baden-Württemberg.
Wiedergegeben wurde hiermit nicht nur die Meinung des Rektors der PH, Prof, Gartenschläger, der hervorhob:"Die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen in Ost und West ist auf Geben und Nehmen ausgerichtet.” Reflektiert wird hierin auch die Meinung von Hochschullehrern der Lehrgebiete Hauswirtschaft/Textiles Werken/ Technik der PH Weingarten und von Hochschullehrern sowie wissenschaftlichen Mitarbeitern unseres Fachbereiches, Die Kontakte zwischen den Hochschulen wurden unmittelbar nach der Wende geknüpft. Im Mittelpunkt standen zunächst gegenseitige Informationen in Potsdam über die Ausbildung von Lehrern für den Bereich Arbeit/Wirtschaft/Technik bzw. für PoIytechnik im Zusammenhang mit der weiteren Schulentwicklung.
Finanziell unterstützt durch den Deutschen AkadeMischen Austauschdienst wurden nun im Wintersemester gegenseitige einwöchige GruppenbesuChe gestaltet,
Dabei wurden jeweils vor Ort die unterschiedlichen Studienordnungen und Lehrkonzeptionen durch die Fachvertreter vorgestellt und erläutert, konnten Lehrveranstaltungen direkt besucht werden. Darüber hinaus wurden Studenten bei ihrer schulpraktischen Tätigkeit begleitet,
Von besonderem Interesse war für unsere Potsdamer Kollegen der Besuch des Staatlichen Seminars für Schulpraktische Ausbildung in Meckenbeuren, das die 2. Phase der Lehrerbildung gestaltet, Wenn über die Zielfunktion von Lehrerbildung zwischen den Hochschullehrern auch weitgehend einheitliche Auffassungen bestehen, so zeigten die Besuche an den Hochschulen doch deutliche Unterschiede in der Gestaltung des Weges zum Ziel, Techniklehrerausbildung ist an unserer Hochschule nach wie vor noch stark ingenieurwissenschaftlich orientiert. Auf der Basis einer soliden mathematischnaturwissenschaftlich-technischen Grundlagenausbildung werden den Studenten besonders im Hauptstudium im Wahlpflichtbereich Spezialisierungen auf den Gebieten Elektrotechnik/Elektronik/Steuerungs- und Regelungstechnik, Maschinen- und KFZ- Technik sowie Fertigungstechnik angeboten, Parallel hierzu erwirbt der Student Wissen und Können in der Fachdidaktik/ Fachmethodik, Anders in Weingarten!
Eine klare Trennung zwischen Vorlesungen, Seminaren sowie Ubungen/Praktika entfällt weitgehend ebenso wie die ausschließliche Bindung der
Lehrgebiete an klassische Fachwissenschaften, Verfolgt wird ein mehrperspektivischer und integrativer Ansatz der Lehre, Dieser Ansatz schließt die Fachdidaktik in die einzelnen Lehrgebiete mit ein, erhebt sie öft gar zum Ausgangspunkt der Betrach
tungen. Damit wird der Bezug zur Schule zentrierendes Glied, treten die Fachwissenschaften mehr in den Hintergrund. Uber Vor- und Nachteile der einzelnen Konzepte sollte sich der Leser selbst ein Urteil bilden, Offensichtlich ist es schwer, wenn nicht gar unmöglich, einen Ansatz zu favorisieren. Auch den
Teilnehmern an den Besuchen war dies nicht mög
lich. Deshalb soll zumindest in der weiteren Zusam
mMmenarbeit auf diesem Gebiet versucht werden,
Bewahrenswertes zu erhalten und voneinander zu
lernen. Fachliche Kompetenz und Schulbezug
schließen sich nicht aus, sondern bedingen einander in der Lehrerbildung.
Vereinbart wurden für die weitere Zusammenarbeit
folgende Arbeitsschwerpunkte:
= Lehrkonzeptionelle Arbeit mit verstärkter Ausrichtung auf handlungsorientierte Lehrveranstaltungen(Praktika/Ubungen/Laborpraktika), wobei insbesondere Lehrveranstaltungen allgemeintechnischen Charakters in den Mittelpunkt treten sollen.
= Entwicklung eines Konzepts für integrative Lehrveranstaltungen in bezug auf naturwissenschaftlich-technische Inhalte und ihre didaktisch-methodische Aufbereitung für den Schulunterricht,
- Gemeinsame Veröffentlichungen zum Komplex Arbeit/ Wirtschaft/ Technik und Allgemeinbildung.
= Unterstützung unseres Fachbereichs bei der Konzipierung der Lehreraus- und-fortbildung im Rahmen der Hauswirtschaft und mit Bezug auf haushälterische Bildung im Schulunterricht,
Entsprechend der finanziellen Möglichkeiten sollen
Studenten und Dozentenaustausche diese kon
zeptionellen Arbeiten begleiten,
Doz. Dr. sc. B. Meier Geschäftsführender Direktor des FB Technische Bildung
Nr.02/91