Heft 
(1.1.2019) 04
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Potsdamer Straßennamen(17) Heute: Behlertstraße

In der Nähe der Berliner Straße befindet sich im Zentrum Potsdams die Behlertstraße. Sicherlich wird es vielen unbekannt sein, daß es sich bei Behlert (eigentlich Boehlert) um einen Grenadier unter dem sogenannten Soldatenkönig Friedrich Wilhelm 1.(1688 bis 1740, regierte von 1713- 1740) handelte, Als Fährmann bediente Behlert die Fähre über den

Graben, der das*Bassin mit dem Heiligen See verband. Später erbaute man an dieser Stelle die Behlertbrücke. Um 1890 wurde der Graben zuge­schüttet und die Brücke abgerissen. Der Straßenna­me allerdings erinnert noch heute an diesen Fähr­mann.

Text und Foto: Dr. B. Eckardt

Autobiographisches auf der Bühne

Seit Dezember 1990 ist in der Montagabend-Reihe des Hans-Otto-Theaters auf der Probebühne die Vanek-Trilogie von Vaclav Havel zu sehen. Eigene Erlebnisse aus den siebziger Jahren verarbeitet der Schriftsteller in den drei tragikomischen Einaktern "Audienz, Vernissage undProtest: seine Stelle als Hilfsarbeiter in einer Brauerei; seine Beziehungen zu Bekannten, die sich mit dem Regime arrangiert

haben; seine Tätigkeit als Verteidiger der Men­schenrechte, der Unterschriften sammelt, um Ver­folgten zu helfen.

B.E.

Auf unserem Foto(Jutta Oloff): Bernhard Geffke(1.) und Roland Kuchenbuch.

AA

DieMänner, dieFrauen

Die Männer haben nicht das Recht, uns unsere Haarfarbe vorzuschreiben. Da haben wir nach Jahrzehnten unzulänglicher Naturfertigkeit Lust auf ein bißchen sündiges Tizian oder ein paar Licht­schimmer, und sie sagen: Ich habe eine andere geheiratet, und so, wie du jetzt bist, da mache ich Terror, Und sie machen ihn, den Terror, und darauf haben sie kein Recht. Wir Frauen haben nicht das Recht der ständigen Verallgemeinerung und Unter­stellung. Jeder Mann darf mal über jeden Mann lachen, lacht er aber mal über eine Frau, zeigt er endlich sein wahres Gesicht: die Fratze des Unter­drückers, Die meisten Frauen können nicht über sich selber lachen, und darauf haben sie kein Recht.

Die Männer haben nicht das Recht, uns für unbe­lehrbar zu halten, nur weil wir es in gleichem Maße sind wie sie, Partiell sind wir es, zugegeben, aber sie behaupten, es läge nicht in unserer Natur, korrektiv denken zu können, und darauf haben sie kein Recht.

Wir Frauen haben nicht das Recht, das Monopol auf jede männliche Begierde zu erheben. Er hat gesagt:"So wie mit dir war es noch mit keiner anderen. Aber wir Frauen haben nicht das Recht, dieses Wort eines Tages in furchtbarer Weise wahr werden zu lassen. Die Männer haben immer ge­träumt und geschweift. Sie müssen das, denn sie können nur dann treu sein, wenn sie ungestraft träumen und schweifen dürfen.

Die Männer haben nicht das Recht, uns noch ein­mal großzuziehen. Das tun sie, auch der Beste unter ihnen erliegt dem Aberglauben, er fände unsach­gemäß bearbeitetes Material vor, das er nachbes­sern muß.

Aber wir Frauen haben nicht das Recht, so schwach zu sein, daß uns gerade das immer wieder passiert, Die Männer haben nicht das Recht, Feig­heit mit Härte zu tarnen. Aber wir Frauen haben nicht das Recht, solch ein Exemplar ebendeshalb zu lieben und die unscheinbaren progressiven emanzipierten weitgehend gutwilligen Moosblüm­Chen hochnäsig zu übersehen. Wir haben nicht das Recht, den Mann nur dann zu lieben, wenn wir ihn Nicht verstehen.

Die Männer haben nicht das Recht, uns nur dann zu lieben, wenn wir dem Tagesidol am nächsten kommen und also wie ein Modeartikel gut im Preis stehen. Sie nennen Charakter und Reife, was sie allmählich formt, und nehmen dasselbe bei uns als Schwund des anfänglichen Wertes. Wenn jede vierte Frau so häßlich wäre, wie es sich jeder zweite interessante Mann leisten kann, dann bliebe jedes dritte Kind ungeboren.

Wir Frauen haben nicht das Recht, den Mann so zu lassen, wie wir ihn sehen, wie er aber auch vielleicht nicht mehr sein möchte oder schon nicht mehr ist. Das wäre unzulänglich.

Die Männer sagen, auf Unzulänglichkeit haben wir ein historisches Recht. Die Männer haben eigent­lich nicht das Recht, uns ein Recht zuzugestehen. Sie können es sich an den Hut stecken, aber eine solche Aufforderung macht uns ihnen ähnlich, Wir haben aber nicht das Recht, ihnen ähnlich zu wer­den, während sie sich unähnlich werden sollen. Falls das schon passiert ist, hat sich nichts gebessert, sondern nur geändert. Na dann gute Nacht, ein frommer, neu in Frage gestellter Wunsch.

( Gisela Steineckert, Wild auf Hoffnung, Berlin 1990, S. 12, Zeichnung: Picasso)

Nr.04/97