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Eine Lobby für technische Bildung
(VDI unterstützt Profilierung des Technik-Unterrichts in den neuen Bundesländern)
Der Einladung des Vorsitzenden der Hauptgruppe Technik und Bildung des Vereins Deutscher Ingenieure(VDI),Prof, Dr. Traebert, nach Düsseldorf waren Vertreter lehrerbildender Einrichtungen aus Thüringen,-Sachsen-Anhalt und aus Brandenburg gefolgt.
Ausgehend von der Einschätzung der angespannten Situation zur Absicherung des polytechnischen Unterrichts brachten die Vertreter des VDI ihre Sorge zum Ausdruck, daß es in den neuen Ländern Nicht gelingen könnte, den Technik-Unterricht für alle Schüler in den einzelnen Schulstufen und verschiedenen Schulformen aufrecht zu erhalten und entsprechend den Anforderungen einer modernen Industriegeselischaft zu profilieren. Gewiß wurde die Polytechnik in der ehemaligen DDR mehr und mehr zu einem Renomier- und Vorzeigebereich der Volksbildung des SED-Staates entwickelt, der in den Klassen 7 bis 10 sehr einseitig auf Produktionstechnik ausgerichtet war. Nicht zu übersehen ist jedoch, daß die Konsolidierung des polytechnischen Unterrichts seit Ende der fünfziger Jahre auch ihre Auswirkungen auf die Lernfelder Arbeit/Wirtschaft/Technik bzw. Arbeitslehre in den Bundesländern hatte. In den alten Bundesländern ist es bis zum heutigen Zeitpunkt nicht gelungen, technische Bildungsfächer durchgehend von der Primarstufe bis zum Gymnasium in den Pflichtbereich des Bildungskanons aufzunehmen.
Mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten mehrte sich die Hoffnung und wurden die BeMühungen der verschiedenen gesellschaftlichen Kräfte verstärkt, Vorzüge der Polytechnikinsbesondere ihrer Repräsentanz auf den verschiedenen Schulstufen von der Klasse 1 bis 12 bzw. 13 zu übernehmen.
Wie jüngst auf der Düsseldorfer Beratung, konnte zwischen den Interessenvertretern für technische Bildung aus Ost und West Übereinstimmung in folgenden Grundpositionen erzielt werden,
- Bildung ist Ausstattung für die Bewältigung von
Lebenssituationen! Fächer der allgemeinbildenden Schule sollten nicht aus der historisch gewachsenen Existenz von Berufen bzw. Wissenschaften, sondern aus dem Verwendungswert des Angeeigneten für die Anforderungen des realen Lebens hergeleitet werden. Ob Bürger in den alten wie auch den neuen Bundesländern durch Technik betroffen sind und ihre Lebenssituationen- auch die alltägliChen- durch Technik geprägt sind, ist sicherlich eine mMüßige Überlegung.
- Technische Bildung läßt sich nicht auf die Ver
mittlung als Unterrichtsprinzip in anderen Fächer reduzieren! Die Verweisung dieses Gebietes in die Multi-Zuständigkeit aller Fächer führt gewiß zu einer Ignoranz der Technik. Technik-Vermittlung bedarf Fachkompetenz. Technik, die ihrerseits vom technischen Laien unterrichtet wird, stellt u. E. eine Problemlösung dar, über die man kaum streiten kann. Auch die Zuordnung zum Fach Physik oder Chemie bietet offensichtlich keine Lösung. Technik und Naturwissenschaften bedienen sich anderer typischer Denk- und Arbeitsweisen. Technisch-konstruktives Entwikkein, Herstellen, Variieren und Optimieren wird man schwerlich im naturwissenschaftlichen Unterricht vorfinden.
Zugleich lebt Technik und der Technik-Unterricht durch die Beachtung und Analyse Mensch-Technik-Beziehung, wird Technik durch Menschen für Menschen geschaffen. In der Technik wirken darüber: hinaus meist mehrere Einflüsse beispielsweise in Form naturgesetzlicher Zusammenhänge gleichzeitig, überdies auch solche ökonomischer(Kosten), ökologischer(Umwelt), juristischer(Patente) Art.
= Technikunterricht verlangt einen mehrperspektivischen Ansatz und stellt keine Reduktion der Ingenieurwissenschaften auf das schulisch Machbare dar! Um technisch-technologisch-ökonomische Inhalte schülergemäß vermitteln zu können, studieren angehende Techniklehrer verschiedene Gebiete der Technik unter pädagogischem Aspekt. Das ist keine Konkurrenz zum spezialisierten Ingenieurstudium. Gerade auf dem Gebiet der ehemaligen DDR kann auf eine hohe Zahl gut ausgebildeter Lehrer zurückgegriffen werden, die mit Verzicht auf einen dogmatischen sowie ihre Kreativität einengenden Lehrplan jedoch in Orientierung an entsprechenden Rahmenrichtlinien die Erfahrungsfelder der Schüler wie Arbeit und Produktion, Bauen und gebaute Umwelt, Transport und Verkehr, Verund Entsorgung, Information und Kommunikation altersgerecht und erlebnisbetont für den Unterrichtsprozeß aufbereiten können.
= Die Profilierung des Technik-Unterrichts bedarf der Orientierung über Landesgrenzen hinaus! Mit Blick auf ein einheitliches Europa werden Defizite in den alten Bundesländern und auf dem Territorium der ehemaligen DDR deutlich, Beispielsweise sind England und Frankreich in der Konstituierung eines entsprechenden Technik-Unterrichts deutlich voraus, vor allem in
Foto: Tribukeit
bezug auf die sogenannten"modernen Technologien”. Dort geht es nicht um die hierzulande zu modisch aufgemachte Frage der Computer im Unterricht, sondern um Technologien (Informations- und Kommunikationstechnologien, Biotechnologien und neue Werkstoffe) in ihrer Gesamtheit, Wir plädieren daher dafür, Technik als eigenständiges Schulfach in allen Schulformen und Schulstufen des allgemeinbildenden Schulwesens zu erhalten bzw. einzurichten. Der Entscheidungsspielraum ist ja gar nicht mehr so groß wie wir annehmen: - entweder wir entscheiden uns gegen Technik und blenden damit wesentliche und für uns lebenswichtige Teile der Realität aus,
= oder wir nehmen Technik in den Lehrstoff auf, dann können wir die dem polytechnischen Unterricht eingeräumte Zeit in der Stundentafel auf dem Gebiet der neuen Bundesländer sinnvoll nutzen. Im Interesse unserer Schüler ist es zugleich, Technik durch Inhalte der Wirtschaft, einschließlich der Wirtschaft des privaten Haushalts, der Betriebs- und Volkswirtschaft zu ergänzen. Die Gespräche mit dem VDI werden wir fortführen. Im Frühjahr soll eine Arbeitstagung der VDI-Hauptgruppen, Bereich Technik und Bildung in Potsdam stattfinden. Im Mittelpunkt stehen L6ösungsvarianten für die Gestaltung technischer Bildung am Gymnasium,
Dr. B. Meier FB Technische Bildung
Ornithologen- Kongreß am anderen Ende der Welt
Träume werden wahr- eine geläufige, oft einfach dahingesprochene Redensart. Als vor 2 Jahren auf Meinem Schreibtisch eine Einladung zum 20. Internationalen Ornithologen- Kongreß in ChristChurch/Neuseeland landete, habe ich sie einfach beiseite geschoben, denn es wäre damals illusorisch gewesen, an eine Teilnahme zu denken. Und doch gehörte ich zu den mehr als 1300 Teilnehmern aus über 65 Staaten, die am Abend des 2.Dezember 1991 in der Stadthalle von Christchurch den Maori-Gesängen und den Eröffnungsworten des ersten Mount-Everest-Bezwingers Sir Edmund Hillary lauschen konnten...
Die politischen Veränderungen in Deutschland, eine finanzielle Unterstützung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft und ein kräftiger Griff in unser Familienbudget hatten es Prof. Rutschke und mir ermöglicht, diese Reise zu verwirklichen. Das einwöCchige Tagungsprogramm war ein Forum des wissenschaftlichen Meinungsstreits, des Kennenlerners manch alten Brieffreundes und des Erhaltens von neuen Anregungen für die Lehre und eigene Forschung.
Deutlich wurde, daß Ornithologie und Vogelschutz bei weitem über das Stadium von Beobachtung und Beschreibung hinausgewachsen sind. Biochemische und genetische Methoden, die einen hohen gerätetechnischen Aufwand erfordern, sind zu den entscheidenden Schrittmachern der Forschung geworden.
Es zeigte sich, daß die seit vielen Jahren an der BLH betriebene ornithologische Forschung international konkurrenzfähig ist und die für die Zukunft geplanten Projekte mithalten können. Im Vorfeld und am Rande der Tagung gab es viele Möglichkeiten, sich mit der Natur und den Einwohnern Neuseelands bekannt zu machen. Unerwartet für den Mitteleuropäer ist der Kontrast zwischen der einseitig auf Schafzucht ausgerichteten Landwirtschaft mit all ihren Folgen fehlenden Absatzes und der Zerstörung von Naturräumen und den Reservaten mit ihrer eigentümlichen Schönheit.
Fast 3000 km legte ich mit einer kleinen Gruppe von Ornithologen auf der Südinsel zurück. Während wir anfangs doch etwas frustriert waren, da uns überall in der Landschaft in großer Zahl im vorigen Jahrhundert aus Europa importierte Vogelarten wie Fe'dierChe, Amsel oder Buchfink begegneten, so schärfte sich bald das Auge für manche heimische Seltenheit. Einige Beobachtungen dokumentierten wir mit Fotoapparat und Tonbandgerät. Mit großem Engagement sind die neuseeländischen Naturschützer dabei, viele vom Aussterben bedrohte Arten und ihre Lebensräume zu erhalten. Dieser Umstand fällt sehr ins Gewicht, da Neuseeland neben den genannten Agrarproblemen bereits unmittelbar durch die Folgen des antarktischen Ozonlochs bedroht ist. So wird täglich die maximale “Sonnenbräunzeit” in den Nachrichten mitgeteilt; selten werden selbst bei bedecktem Himmel Zeiten über 20 min. angegeben.
Große Anstrengungen sind notwendig, um die noch vorhandenen Reste der einmaligen Inselnatur vor weiteren Zerstörungen durch den Menschen zu schützen. Auch am anderen Ende unseres Planeten konnten wir keine“heile Welt” mehr finden.
Prof. Dr. D. Wallschläger FB Biologie, Institut für Zoologie
Nr.05/91