Heft 
(1.1.2019) 05
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Eine Lobby für technische Bildung

(VDI unterstützt Profilierung des Technik-Unterrichts in den neuen Bundesländern)

Der Einladung des Vorsitzenden der Hauptgruppe Technik und Bildung des Vereins Deutscher In­genieure(VDI),Prof, Dr. Traebert, nach Düsseldorf waren Vertreter lehrerbildender Einrichtungen aus Thüringen,-Sachsen-Anhalt und aus Brandenburg gefolgt.

Ausgehend von der Einschätzung der angespann­ten Situation zur Absicherung des polytechnischen Unterrichts brachten die Vertreter des VDI ihre Sor­ge zum Ausdruck, daß es in den neuen Ländern Nicht gelingen könnte, den Technik-Unterricht für alle Schüler in den einzelnen Schulstufen und ver­schiedenen Schulformen aufrecht zu erhalten und entsprechend den Anforderungen einer moder­nen Industriegeselischaft zu profilieren. Gewiß wur­de die Polytechnik in der ehemaligen DDR mehr und mehr zu einem Renomier- und Vorzeige­bereich der Volksbildung des SED-Staates ent­wickelt, der in den Klassen 7 bis 10 sehr einseitig auf Produktionstechnik ausgerichtet war. Nicht zu über­sehen ist jedoch, daß die Konsolidierung des poly­technischen Unterrichts seit Ende der fünfziger Jah­re auch ihre Auswirkungen auf die Lernfelder Ar­beit/Wirtschaft/Technik bzw. Arbeitslehre in den Bundesländern hatte. In den alten Bundesländern ist es bis zum heutigen Zeitpunkt nicht gelungen, technische Bildungsfächer durchgehend von der Primarstufe bis zum Gymnasium in den Pflichtbe­reich des Bildungskanons aufzunehmen.

Mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten mehrte sich die Hoffnung und wurden die Be­Mühungen der verschiedenen gesellschaftlichen Kräfte verstärkt, Vorzüge der Polytechnik­insbesondere ihrer Repräsentanz auf den ver­schiedenen Schulstufen von der Klasse 1 bis 12 bzw. 13 zu übernehmen.

Wie jüngst auf der Düsseldorfer Beratung, konnte zwischen den Interessenvertretern für technische Bildung aus Ost und West Übereinstimmung in fol­genden Grundpositionen erzielt werden,

- Bildung ist Ausstattung für die Bewältigung von

Lebenssituationen! Fächer der allgemeinbil­denden Schule sollten nicht aus der historisch gewachsenen Existenz von Berufen bzw. Wis­senschaften, sondern aus dem Verwendungs­wert des Angeeigneten für die Anforderungen des realen Lebens hergeleitet werden. Ob Bürger in den alten wie auch den neuen Bundesländern durch Technik betroffen sind und ihre Lebenssituationen- auch die alltägli­Chen- durch Technik geprägt sind, ist sicherlich eine mMüßige Überlegung.

- Technische Bildung läßt sich nicht auf die Ver­

mittlung als Unterrichtsprinzip in anderen Fä­cher reduzieren! Die Verweisung dieses Gebietes in die Multi-Zu­ständigkeit aller Fächer führt gewiß zu einer Ignoranz der Technik. Technik-Vermittlung be­darf Fachkompetenz. Technik, die ihrerseits vom technischen Laien unterrichtet wird, stellt u. E. eine Problemlösung dar, über die man kaum streiten kann. Auch die Zuordnung zum Fach Physik oder Chemie bietet offensichtlich keine Lösung. Technik und Naturwissenschaften bedienen sich anderer typischer Denk- und Ar­beitsweisen. Technisch-konstruktives Entwik­kein, Herstellen, Variieren und Optimieren wird man schwerlich im naturwissenschaftlichen Un­terricht vorfinden.

Zugleich lebt Technik und der Technik-Unter­richt durch die Beachtung und Analyse Mensch-Technik-Beziehung, wird Technik durch Menschen für Menschen geschaffen. In der Technik wirken darüber: hinaus meist mehrere Einflüsse beispielsweise in Form naturgesetzli­cher Zusammenhänge gleichzeitig, überdies auch solche ökonomischer(Kosten), ökologi­scher(Umwelt), juristischer(Patente) Art.

= Technikunterricht verlangt einen mehrperspek­tivischen Ansatz und stellt keine Reduktion der Ingenieurwissenschaften auf das schulisch Machbare dar! Um technisch-technologisch-ökonomische In­halte schülergemäß vermitteln zu können, stu­dieren angehende Techniklehrer verschiedene Gebiete der Technik unter pädagogischem Aspekt. Das ist keine Konkurrenz zum spezialisier­ten Ingenieurstudium. Gerade auf dem Gebiet der ehemaligen DDR kann auf eine hohe Zahl gut ausgebildeter Lehrer zurückgegriffen wer­den, die mit Verzicht auf einen dogmatischen sowie ihre Kreativität einengenden Lehrplan je­doch in Orientierung an entsprechenden Rahmenrichtlinien die Erfahrungsfelder der Schüler wie Arbeit und Produktion, Bauen und gebaute Umwelt, Transport und Verkehr, Ver­und Entsorgung, Information und Kommunika­tion altersgerecht und erlebnisbetont für den Unterrichtsprozeß aufbereiten können.

= Die Profilierung des Technik-Unterrichts bedarf der Orientierung über Landesgrenzen hinaus! Mit Blick auf ein einheitliches Europa werden Defizite in den alten Bundesländern und auf dem Territorium der ehemaligen DDR deutlich, Beispielsweise sind England und Frankreich in der Konstituierung eines entsprechenden Technik-Unterrichts deutlich voraus, vor allem in

Foto: Tribukeit

bezug auf die sogenannten"modernen Tech­nologien. Dort geht es nicht um die hierzulan­de zu modisch aufgemachte Frage der Com­puter im Unterricht, sondern um Technologien (Informations- und Kommunikationstechnolo­gien, Biotechnologien und neue Werkstoffe) in ihrer Gesamtheit, Wir plädieren daher dafür, Technik als eigen­ständiges Schulfach in allen Schulformen und Schulstufen des allgemeinbildenden Schulwesens zu erhalten bzw. einzurichten. Der Entscheidungs­spielraum ist ja gar nicht mehr so groß wie wir annehmen: - entweder wir entscheiden uns gegen Technik und blenden damit wesentliche und für uns lebenswichtige Teile der Realität aus,

= oder wir nehmen Technik in den Lehrstoff auf, dann können wir die dem polytechnischen Unterricht eingeräumte Zeit in der Stundentafel auf dem Gebiet der neuen Bundesländer sinn­voll nutzen. Im Interesse unserer Schüler ist es zugleich, Technik durch Inhalte der Wirtschaft, einschließlich der Wirt­schaft des privaten Haushalts, der Betriebs- und Volkswirtschaft zu ergänzen. Die Gespräche mit dem VDI werden wir fortführen. Im Frühjahr soll eine Arbeitstagung der VDI-Haupt­gruppen, Bereich Technik und Bildung in Potsdam stattfinden. Im Mittelpunkt stehen L6ö­sungsvarianten für die Gestaltung technischer Bil­dung am Gymnasium,

Dr. B. Meier FB Technische Bildung

Ornithologen- Kongreß am anderen Ende der Welt

Träume werden wahr- eine geläufige, oft einfach dahingesprochene Redensart. Als vor 2 Jahren auf Meinem Schreibtisch eine Einladung zum 20. Inter­nationalen Ornithologen- Kongreß in Christ­Church/Neuseeland landete, habe ich sie einfach beiseite geschoben, denn es wäre damals illuso­risch gewesen, an eine Teilnahme zu denken. Und doch gehörte ich zu den mehr als 1300 Teilnehmern aus über 65 Staaten, die am Abend des 2.Dezem­ber 1991 in der Stadthalle von Christchurch den Maori-Gesängen und den Eröffnungsworten des ersten Mount-Everest-Bezwingers Sir Edmund Hillary lauschen konnten...

Die politischen Veränderungen in Deutschland, ei­ne finanzielle Unterstützung der Deutschen Ornitho­logen-Gesellschaft und ein kräftiger Griff in unser Familienbudget hatten es Prof. Rutschke und mir ermöglicht, diese Reise zu verwirklichen. Das einwö­Cchige Tagungsprogramm war ein Forum des wis­senschaftlichen Meinungsstreits, des Kennenlerners manch alten Brieffreundes und des Erhaltens von neuen Anregungen für die Lehre und eigene For­schung.

Deutlich wurde, daß Ornithologie und Vogelschutz bei weitem über das Stadium von Beobachtung und Beschreibung hinausgewachsen sind. Bioche­mische und genetische Methoden, die einen ho­hen gerätetechnischen Aufwand erfordern, sind zu den entscheidenden Schrittmachern der For­schung geworden.

Es zeigte sich, daß die seit vielen Jahren an der BLH betriebene ornithologische Forschung internatio­nal konkurrenzfähig ist und die für die Zukunft ge­planten Projekte mithalten können. Im Vorfeld und am Rande der Tagung gab es viele Möglichkeiten, sich mit der Natur und den Einwohnern Neusee­lands bekannt zu machen. Unerwartet für den Mit­teleuropäer ist der Kontrast zwischen der einseitig auf Schafzucht ausgerichteten Landwirtschaft mit all ihren Folgen fehlenden Absatzes und der Zerstö­rung von Naturräumen und den Reservaten mit ihrer eigentümlichen Schönheit.

Fast 3000 km legte ich mit einer kleinen Gruppe von Ornithologen auf der Südinsel zurück. Während wir anfangs doch etwas frustriert waren, da uns überall in der Landschaft in großer Zahl im vorigen Jahrhun­dert aus Europa importierte Vogelarten wie Fe'dier­Che, Amsel oder Buchfink begegneten, so schärfte sich bald das Auge für manche heimische Selten­heit. Einige Beobachtungen dokumentierten wir mit Fotoapparat und Tonbandgerät. Mit großem Engagement sind die neuseeländischen Natur­schützer dabei, viele vom Aussterben bedrohte Arten und ihre Lebensräume zu erhalten. Dieser Umstand fällt sehr ins Gewicht, da Neuseeland ne­ben den genannten Agrarproblemen bereits un­mittelbar durch die Folgen des antarktischen Ozon­lochs bedroht ist. So wird täglich die maximale Sonnenbräunzeit in den Nachrichten mitgeteilt; selten werden selbst bei bedecktem Himmel Zeiten über 20 min. angegeben.

Große Anstrengungen sind notwendig, um die noch vorhandenen Reste der einmaligen Inselna­tur vor weiteren Zerstörungen durch den Menschen zu schützen. Auch am anderen Ende unseres Planeten konnten wir keineheile Welt mehr fin­den.

Prof. Dr. D. Wallschläger FB Biologie, Institut für Zoologie

Nr.05/91