Stiftung Solidaritätsdienst — international e. V.
Mit Beginn des neuen Jahres erscheint nach längerer Pause das Informationsbulletin der Stiftung Solidaritätsdienst— international e.V.(SODI) in verändertem Gewand. Die Autoren wollen damit auch in den Publikationen des Vereins jenen Wandel des vergangenen Jahres deutlich machen, in dessen Verlauf aus dem Solidaritätskomitee der DDR die Stiftung Solidaritätsdienst— international hervorgegangen ist.
Carl Ordnung, Vorsitzender der Stiftung, äußert sich zu Situation, Leistung und Vorhaben von SODI wie folgt:
“Das Bekenntnis zur eigenen Geschichte erfordert die kritische Auseinandersetzung mit Fehlern und Versäumnissen der Vergangenheit. In diesem Lernprozeß muß es uns aber auch darum gehen, die positiven Erfahrungen unserer Solidaritätsarbeit für die Bewältigung der neuen Herausforderungen fruchtbar zu machen und in absehbarer Zeit ein neues Konzept für unser solidarisches Wirken in der Gegenwart zu erarbeiten.
Die Stiftung konnte mit den noch verfügbaren bisherigen und neuen Spendengeldern auch in dem so bewegten Jahr 1990 notleidenden Menschen in anderen Ländern helfen. Als Beispiele seien hier genannt: umfangreiche Hilfssendungen für das rumMänische Volk, die Fortführung langfristiger Solidaritätsobjekte wie Berufsausbildungsprojekte in Angola, Nikaragua, Tansania und Jemen, die Finanzierung von Ausbildungsleistungen für ca. 250 Bürger aus Entwicklungsländern, die Mitarbeit beim Wiederaufbau des durch einen Wirbelsturm zerstörten nikaraguanischen EI Rama, die Lieferung von Schulausrüstung nach Kambodscha oder Wasserpumpen nach Mocambique, Ferienaktionen für Kinder aus Rumänien, Palästina und Äthiopien, Heilbehandlung von kurdischen Giftgasopfern, Hilfe für
Kinder Namibias, Erntehilfe für Äthiopien und mehrere Lasttransporte mit Medikamenten für Opfer der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.. ,. Der wirtschaftliche und soziale Umbruch in unserem Land droht die Probleme der Entwicklungsländer in den Hintergrund öffentlicher Diskussion treten zu lassen. Angesichts eigener sozialer Belastungen ist die Bereitschaft jedes einzelnen zu solidarischem Handeln gegenüber anderen um so höher zu schätzen. Auch im neuen Jahr wird diese Bereitschaft entscheiden, in welchem Umfange SODI Hilfe zur Selbsthilfe organisieren kann.
Im vor uns liegenden Jahr wollen wir auch unsere Bemühungen fortsetzen, im Kreise einer Vielzahl von erfahrenen und öffentlich anerkannten Entwicklungshilfeeinrichtungen Deutschlands unseren Platz zu finden. Einen Schwerpunkt soll dabei die Fortführung von Entwicklungsprojekten, die sich in der der Vergangenheit bewährt haben, bilden. Vor allem in den Ländern, für die nach dem Beitritt der DDR zur BRD ein spürbarer Ausfall an deutscher Entwicklungshilfe entstanden ist, wollen wir weiter helfen. Nahezu 50 Projekte, die das Streben von Staaten in Afrika, Asien und Lateinamerika nach eigenständiger Meisterung ihrer Probleme auf den Gebieten der Erziehung, Gesundheit und Arbeitsbeschaffung unterstützen, wollen wir in die Wege leiten. Dazu brauchen wir Ihre Mithilfe. Durch bildungspolitische Arbeit möchte SODI PartnerInnen für solidarisches Verhalten und Handeln in Deutschland gewinnen und staatliche Entwicklungspolitik kritisch begleiten.”
(aus: Stiftung Solidaritätsdienst-international e. V., Rundbrief 1/91)
Weiterbildung
N
Fachspezialist für Landwirtschaftsmanagement
Mit diesem Abschluß werden sich mehr als 40 ehemalige leitende Mitarbeiter der Land-, Forst— und Nahrungsgüterwirtschaft für eine zukünftige Tätigkeit in landwirtschaftlichen Unternehmen und Verbänden bzw. in der Unternehmensberatung oder Landwirtschaftsverwaltung bewerben. Noch aber haben sie ein anspruchsvolles AUusbildungsprogramm an unserer Hochschule zu absolvieren, das sie täglich von 8.00 bis 17.00 Uhr an die Hörsaalbank bindet.
Die Anpassungsfortbildung“LandwirtschaftsManagement”, so heißt der Lehrgang, begann am 10.12.1990 und war notwendig geworden, nachdem die meisten der Auszubildenden ihren Arbeitsplatz verloren hatten. Kurzfristig waren führende
Vertreter unserer Hochschule, allen voran Magnifizenz Prof, Dr. Mitzner und leitende Mitarbeiter landwirtschaftlicher Forschungsbetriebe unseres Landes aufgerufen, ein Ausbildungskonzept zu Fragen des Agrar- und Steuerrechts sowie zur Agrarökologie und zum Integrierten Landbau zu erarbeiten. Gefördert und finanziell abgesichert wird die Ausbildung vom Arbeitsamt Potsdam mit besonderer Unterstützung durch Frau Ministerin Dr. Regine Hildebrandt und Bundesminister Norbert Blum. Nahezu einmalig ist die Zahl hochrangiger Dozenten, die an der Ausbildung beteiligt sind. Sie reicht von Mitarbeitern unserer Hochschule aus den Fachbereichen Rechtswissenschaft, Geographie, Chemie und Biologie über leitende Mitarbeiter landwirtschaftlicher Akademieinstitute in Potsdam- Pau
linenaue, Bornim, Kleinmachnow und Müncheberg bis hin zu erfahrenen Rechtsanwälten und Agrarpolitikern aus den alten Bundesländern. Die Hörer werden dabei aus erster Hand mit wissenschaftlichen Fakten vertraut gemacht, die ihnen in der bisherigen Ausbildung aus den bekannten bildungspolitischen Gründen weitgehend vorenthalten blieben. Auf dem neu entstandenen Arbeitsmarkt
sind jedoch Kenntnisse zu agrarrechtlichen, betriebswirtschaftlichen und agrarökologischen Sachverhalten in jeder Hinsicht vonnöten. Deshalb besteht auch eine große Nachfrage für den Kurs, der möglicherweise im Herbst dieses Jahres ein zweites Mal an unserer Hochschule durchgeführt werden muß. Das Programm ist außerordentlich vielgestaltig. Fast 300 Stunden sind für agrar- und steuerrechtliche Fragen sowie für Betriebswirtschaft vorgesehen. Regelung offener Vermögensfragen in der Landwirtschaft, Reorganisation der LPG, kooperative Formen einzelbäuerlicher Wirtschaft, Betriebsverfassungsgesetz, Grundstücksverkehrsordnung, Landpachtrecht, Erbrecht, gemeinsame Agrarpolitik und Gemeinschaftsrecht der EG sind nur einige wichtige Themen, die durch Übungen ZU Methoden der Gesprächsführung zur Lösung sozialer Konflikte u.a. von pädagogisch- psychologischer Seite ergänzt werden. Die juristische und betriebswirtschaftliche Ausbildung wird durch ein Nicht minder interessantes Programm in Agrarökologie und Integriertem Landbau, für das je 180 Stunden vorgesehen sind, begleitet. Okologisch sinnvolle Gestaltung ländlicher Räume, Umweltverträglichkeitsprüfung, Regeneration zer
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AZ
störter Bodenstrukturen, biologisches Monitoring, Okosystem- Management, ökologisch sinnvolle Fruchtfolgegestaltung, nützlingsschonender Pflanzenschutz, Umweltanalytik, Gentechnik, Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte, Naturschutz, Umwelterziehung und Umweltbildung mögen auch hier wieder aus einer großen Palette an Themen genannt sein.
Der Kurs schließt mit einer 4wöchigen Informatikausbildung am 14.6.1991 ab. Wünschen wir den Teilnehmern, daß sie mit dem dann erworbenen Hochschulzertifikat gute Chancen bei der Bewerbung auf dem Arbeitsmarkt haben.
Dr. sc. Joachim Pötsch FB Biologie
Die Bildnachricht
Prof. Gordesch und Dr. Gärtner(stehend) aus dem Bereich Sozialwissenschaften gaben in entsprechenden Kursen für Kollegen, die sich in einer ABM befinden(auch nicht an der Hochschule tätige), eine Einführung in das Computer-Betriebssystem MS-DOS und in das Textverarbeitungssystem WordPerfect,
Hochschulangehörige, die an einem solchen Kurs Interesse haben, können sich im Sekretariat des Fachbe
reiches Sozialwissenschaften melden(Tel. 774).
Foto: Rüffert
Nr.05/91