DE Standpunkte/Infos m un
Fragen über Fragen
Erwartungsvoll fand sich eine große Zahl Forschungsstudenten und Aspiranten am 5.2. 1991 im H- Gebäude ein, um Informationen zur neuen Promotionsordnung einzuholen, immerhin sehen einige sorgenvoll ihrem Abschluß im Sommer 1991 entgegen. Trotzdem herrschte eine eher skeptisch abwartende Atmosphäre, erhielten wir doch auf einer ähnlichen Veranstaltung im Frühjahr 1990 auf eine konkrete Anfrage die lakonische Antwort, man sei schließlich nicht Gott...
Ein Jahr später scheinen*göttliche” Weisheiten noch immer unerreichbar fern zu sein:
Sicher konnte nur gesagt werden, daß es ein Rigorosum zusätzlich zur eigentlichen Verteidigung geben wird. Offen blieben eine Vielzahl von Fragen: u.a, inhaltliche und formale Richtlinien dieser Prüfung, in welchem Umfang der Promovend die Prüfungskommission vorschlagen kann, inwieweit das Rigorosum öffentlich sein wird, wann es nach Verfahrenseröffnung zu absolvieren ist, ob mindestens zwei positive Gutachten Voraussetzung für die Prüfung sind, welchen Anteil das Ergebnis am Gesamturteil haben wird. Die Reihe könnte noch fortgesetzt werden, Das Problem eines Philosophicums wurde mit den Worten abgetan, im Entwurf(!) der neuen Richtlinien gäbe es dazu keine Aussagen, was bedeuten kann: schlafende Hunde solle man nicht wecken.
Viel Zeit und Mühe mußte man bislang aufwenden, um im ersten Forschungsjahr neben dem geforderten M/L- Abschluß auch die nötigen Fremdsprachenabschlüsse zu erbringen, die neuerdings nicht mehr abverlangt werden! Da müssen
die Beschwichtigungsversuche des Referenten geradezu wie ein Hohn klingen, wenn andererseits auf noch laufende Prüfungsverfahren von(allen/einzelnen?) Dissertationsthemen verwiesen wird, denn unter marktwirtschaftlichen Bedingungen seien nur noch absolute Spitzenleistungen förderungswürdig; ganz so, als habe es in der Vergangenheit nie ein Auswahlprinzip nach Leistungen gegeben. Die Verunsicherung vieler Anwesender konnte nicht abgebaut werden, schon gar nicht durch die vagen Mutmaßungen über zu erwartende Ubergangsregelungen. Das verwundert nicht weiter, stand dem Referenten als einzige Informationsquelle der Entwurf einer neuen Promotionsordnung zur Verfügung, der zunächst der sorgfältigen Prüfung und Diskussion im Senat unterzogen werden Muß, damit ist die ganze Veranstaltung als äußerst fragwürdig einzuschätzen.
Dank der Anwesenheit von Frau Gzik und ihrem Engagement konnten wenigstens zur Krankenversicherung verbindliche Aussagen getroffen werden. Uber den sozialen Status und einem möglichen Versorgungsanspruch der Forschungsstudenten und Aspiranten nach Beendigung ihrer Fördervereinbarungen, wenn sie kein Arbeitsverhältnis nachweisen können, bestehen nach wie vor große Unklarheiten. Der momentane Stand könnte beschrieben werden: vom wissenschaftlichen Nachwuchskandidaten zum Sozialhifeempfänger!
P. Pravemann FB Germanistik
NEUE AUFGABEN FÜR DEUTSCH ALS FREMDSPRACHE
(Fortsetzung von Seite 1)
Betont wurde von allen Sprechern, daß die landeskundliche Sicht nicht nur in der ehemaligen DDR, sondern auch in den alten Bundesländern und den anderen deutschsprachigen Ländern eines entschiedenen Wandels bedarf,
Diese Konferenz diente gleichzeitig dazu, den separaten Verband DaF der ehemaligen DDR aufzulösen und Möglichkeiten der Eingliederung seiner Mitglieder in die beiden in Frage kommenden Verbände der Altbundesländer, die Fachgruppe DaF des FMF und den Fachverband DaF, zu erörtern. Zu diesem Zwecke stellten deren Vorsitzende, der schon genannte Prof, Krumm und Dr. Bolten von der Uni Düsseldorf, ihre Verbände in einer Informationsveranstaltung vor,
Dafür, daß die Verbandsauflösung nicht sang- und klanglos geschah, sorgten nicht nur die überwiegend konstruktiven Diskussionsbeiträge seiner ehemaligen Mitglieder, sondern auch der Vorsitzende des polnischen Neuphilologen-Verbandes, Prof. Darski, indem er dem überraschten Dr. Schubert vor dessen Eingangs-(und gleichzeitig Abschieds-) Referat die”Ludwik-Zabrodcki-Medaille Nr. 11” überreichte.
Eine umfangreiche Fachbuchausstellung führender westdeutscher Verlage rundete die Tagung ab.
Dr. Uta Sändig
Aktualisierung des BAfOG? Anfrage des Abgeordneten Harald Petzold
Durch die Regelung des Einigungsvertrages(Anlage| Kapitel XVI Sachgebiet B Abschnitt II Absatz If) sind die Studenten der neuen Bundesländer von einer Aktualisierungsmöglichkeit des Einkommens ihrer Eltern ausgenommen. Dadurch haben Studenten, die bisher nicht bzw. nicht voll gefördert werden, keine Möglichkeit mehr, im Falle der Verschlechterung der Einkommensverhältnisse ihrer Eltern(mögliche Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit usw.) durch Aktualisierung volle Förderung bzw. Teilförderung zu erhalten.
Welche Maßnahmen sind von Seiten Ihres Ministeriums vorgesehen, diese ungerechte Regelung, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Ausgangspunkt starker sozialer Spannungen werden würde, zu korrigieren?
Antwort des Ministers für Wissenschaft, Forschung und Kultur Enderlein
„Ich teile die in der Frage zum Ausdruck kommende Kritik an der Praxis der Amter für Ausbildungsförderung, auch.wenn ich den Hinweis. auf starke soziale Spannungen schon wegen der zahlenmäßigen Größenordnung, um die es hier geht, für übertrieben halte, Ich will mich aber nicht mit dem Argument begnügen, daß die Verantwortung für die Auslegung des Bundesausbildungsförderungsgesetzes beim Bund liegt und daß ein Landesminister hier nicht korrigieren kann. In der Tat vertritt das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft eine Auslegung von S 24 des Bundesausbildungsförderungsgesetzes, die es für Studenten und Schüler aus den neuen Bundesländern nicht zuläßt, das aktuelle Einkommen der Eltern bei der Berechnung der Förderung zugrunde zulegen, wennsich dieses Einkommen in der letzten Zeit verschlechtert hat, etwa weil die Eltern arbeitslos geworden sind.
Ich habe inzwischen dem Bundesminister für Bildung und Wissenschaft brieflich mitgeteilt, daß ich diese Auslegung für rechtlich, auch verfassungsrechtlich problematisch und für sozialpolitisch indiskutabel halte; zumal die Regelung im Einigungsvertrag, die eine Änderung des Bundesausbildungsförderungsgesetzes beinhaltet, eigentlich den gegenteiligen Zweck verfolgt hat, Ich habe ihn darauf hingewiesen, daß gerade in den neuen Ländern viele Familien durch die zunehmende Arbeitslosigkeit betroffen sind und daß es ausgesprochen unsozial ist, wenn gerade dort, wo die sozialen Probleme am größten sind, der Staat hierauf die wenigste Rücksicht nimmt.
Nr.06/91
Ich habe dem Bundesminister für Bildung und Wissenschaft gebeten, entweder für eine andere Auslegung des Gesetzes durch die Förderungsämter zu sorgen- was meines Erachtens möglich ist- oder aber eine Gesetzesänderung in die Wege zu leiten. Dieses Problem trifft im übrigen nicht nur Brandenburg, sondern auch die anderen ostdeutschen Länder. Ich werde daher mit den Kollegen, die in den anderen neuen Ländern für die Ausbildungsförderung zuständig sind, Kontakt aufnehmen und hoffe, auf diesem Weg ein gemeinsames Vorgehen gegenüber dem Bund zu finden...
(Plenarsitzung des Landtages am 20.2.91)
Trotz des Golf- Krieges gab es auch in diesem Jahr Faschingsfreuden im Kindergarten,
Foto: Tribukelt