Heft 
(1.1.2019) 06
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Wir begaben uns auf den Weg nach Babelsberg (ehemalige Hochschule für Recht und Verwaltung) zu Herrn Doz. Dr. habil. R. Krämer, dem Koordinator des Studiengangs Politikwissenschaft, Er ist verant­wortlich für die Fortsetzung des begonnenen und arbeitet am Neuaufbau des genannten Studien­ganges mit,

In der Senatssitzung am 1. Februar 1991 wurde von den Senatoren die Konzeption zur Gründung des FB Politikwissenschaft an der BLH bestätigt. Der Neu­aufbau soll über einen von Herrn Enderlein zu beru­fenden Gründungsdekan und zu bildenden Grün­dungsausschuß realisiert werden. In diesem Aus­schuß werden sowohl das zukünftige Ausbildungs­als auch Personalprofil festgelegt. Eine konzeptio­nelle Vorlage wurde von Herrn Prof, Dr. GÖhler(FU) und anderen erarbeitet. Eine Kommission unter Vor­sitz des Rektors legte ein Lehrangebot für das be­vorstehende Sommersemester vor. Am 2. April wird auf dieser Grundlage begonnen zu arbeiten. Ca, 100 Studenten(davon annähernd 80% 1. Studien­jahr) haben die Zusicherung der Landesregierung zur Fortsetzung des Studiums.

Der Lehrkörper, bestehend aus 30 auf Honorarbasis arbeitenden Kollegen, ist zusammengesetzt jeweils zur Hälfte aus Wissenschaftlern der FU und der ehe­maligen Hochschule. Auf dieseDurchmischung wurde bei der Konzeption großen Wert gelegt. Unser Gesprächspartner brachte zum Ausdruck, daß der Ausbildungsansatz sehr solide sei und so auf große Resonanz seitens der Studenten stoße. Das zeigt sich u.a. auch darin, daß am Ende des$S ein Vordiplom abgelegt werden kann, das bundes­weit anerkannt wird. Der Rektor sicherte zu, daß im Herbst Neuimmatrikulationen erfolgen werden. Während dieses, für uns und sicher auch für die Leser sehr informativen Gesprächs, ergaben sich für uns Fragen, die wir in den Raum stellen möchten. Warum werden die FB Politikwissenschaft und So­zialwissenschaften nicht zusammengelegt, um so inhaltliche Überschneidungen zu vermeiden? Ist der notwendigerweise entstehende*Konkur­renzkampf beider Fachbereiche im Interesse der Studenten wirklich sinnvoll? Wie soll auf Grund der bestehenden Verkehrsverbindungen der gegen­seitige Besuch von Lehrveranstaltungen ermöglicht werden? Wir würden uns freuen, wenn wir Mei­nungsäußerungen zu den aufgeworfenen Fragen veröffentlichen könnten.

P.Görlich/Dr. B. Eckardt

Von der Bundeskonferenz der Hochschulfrauen­beauftragten

Am 4. und 5, Februar fand in Gießen die Bundes­konferenz der Hochschulfrauenbeauftragten statt, die vor allem die Wahl eines Sprecherinnengre­miums und die Stellungnahme zum Hochschulson­derprogramm(Möllemann, Il) auf der Tagesord­nung hatte. In der Bundeskongreßdebatte, in der das Möllemann-Papier generell begrüßt wurde, ist gleichzeitig ein Sonderprogramm Ill eingefordert worden, denn 1. ist das Programm Il noch vor dem Beitritt der neuen Bundesländer verabschiedet worden, und 2. enthält das Programm vor allem Lücken hinsichtlich der Förderung von Studentin­nen und nichtwissenschaftlichen MitarbeiterInnen. Die Regierungschefs haben beschlossen, daß eine Arbeitsgruppe beauftragt wird, unverzüglich mit den Beratungen über notwendige Maßnahmen für die Hochschulen in Brandenburg, Mecklenburg­Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thü­ringen zu beginnen.

Für die Brandenburgische Landeshochschule ist die Benennung eines Vertrauensdozenten oder einer -dozentin jetzt notwendig, um zu den 4 Milliarden DM, die für Habilitationsförderung, Doktoranden­förderung und für besondere Frauenförderung Vor­gesehen sind, Zugang zu bekommen.

Nach der Unterzeichnung des Sonderprogramms hatte der damalige Bundesbildungsminister Mölle­mann geäußert, daß von diesem Programm 25 000 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler profitieren werden. Um profitieren zu können, muß man informiert sein. Deshalb schlagen wir ein Bera­tungszentrum vor, das an die Gleichstellungsstelle angebunden sein sollte und bei der Karrierepla­nung von Frauen und Männern helfen sollte,

Dr. M. Bircken 26.2.91

Nr.06/91

Vom 20. Januar bis 2. Februar hatten die ge­schäftsführenden Direktoren der Fachbereiche Mathematik und Anglistik und Amerikanistik Gele­genheit, Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Universitäten im United Kingdom zu prüfen. Besucht wurden: University College London, University of Essex(Colchester), University of Edinburgh, Lanca­ster University, University of Leeds, University of War­wick(Coventry), University of Sussex(Brighton) und Hatfield Polytechnic. Die Reise wurde vom British Couneil finanziert und von Frau Elizabeth Davey vorzüglich organisiert. Ihr und dem Leiter des British Council Office in Berlin, Mr. lain Frater, sei herzlicher Dank bekundet.

An den einzelnen Universitäten konnten eine Viel­zahl von Kontakten geknüpft werden, die es gilt, weiter auszubauen und zu konkretisieren. Die be­sprochenen Felder gemeinsamer Interessen sind sehr unterschiedlich und abhängig von den Möglichkeiten und Schwerpunkten der Einrichtun­gen. Sie reichen vom vereinbarten Publikationsaus­tausch über wissenschaftliche Korrespondenzvor­haben und gegenseitige Gutachten bis zum Lehrkräfteaustausch und zu Kooperationsplänen in der Forschung.

An zwei Universitäten wurde eventueller Bedarf an Deutschkursen signalisiert, Allerdings konnte das Anliegen, möglichst viele Studienplätze für Potsda­mer Studenten zu erschließen, nur in geringerem Umfang erreicht werden. Die Ursache dafür ist vor allem, daß in England grundsätzlich nicht unbe­trächtliche Studiengebühren zu entrichten sind, so daß ein Teilstudium immer direkte Austauschverein­barungen voraussetzt. Diese sind wegen der Stu­dienstruktur und der relativ geringen Zahl von Ger­manistikstudenten aber eine Rarität. Überhaupt spielen Finanzierungsfragen und Drittmittelgewin­nung an den britischen Universitäten eine domi­nante Rolle. Geld regiert in den akademischen Verhältnissen. Vor allem im Personalbereich wird um die Erhaltung oder auch bescheidene Vermeh­rung der Stellen hart gekämpft.

Die Ausstattung der Institute und der Universitäten als Ganzes ist beeindruckend. Die neueren Univer­sitäten befinden sich durchweg auf einem attrakti­ven Campus, oft etwas außerhalb der Städte.(Die Golm-Entfernung ist also nach englischen Maßstä­ben nichts Ungewöhnliches). Die architektonische Gestaltung vor allem der University of Sussex verbin­det ästhetische Schönheit mit funktionaler Zweck­mäßigkeit. Neben umfangreichen Bibliotheken, sehr gut ausgestatteten Labors und anderen Aus­bildungsräumen gibt es überall große Buchhand­lungen, Einkaufsmöglichkeiten, Cafeterias, Ge­meinschaftsräume zum Diskutieren, Kulturstätten (mit teilweise hochkarätigen Kulturangeboten) und Sportanlagen. Die Ausrüstung mit Computern, auch im Dienstleistungsbereich- vor allem in den

Foto: Eckardt

KONTAKTBESUCHE AN BRITISCHEN UNIVERSITÄTEN

Bibliotheken, ist hervorragend. In den Studenten­heimen wohnen die Studenten grundsätzlich in Ein­zeizimmern mit guter sanitärer Umgebung. Die Mie­te beläuft sich freilich auf durchschnittlich etwa 25 Pfund die Woche(also ungefähr 300 DM im Mo­nat).

Die Leser der"Hochschulnachrichten mag noch interessieren, daß bis zum Bachelor-Degree an bri­tischen Universitäten in einem straff geführtenJahres-Kurs mit vielen Wahlmöglichkeiten studiert wird, Voraussetzung für dieses System ist eine kon­sequente Modularisierung des Lehr­veranstaltungsangebots, die offenbar auch mit den Studiengängen vieler Commonwealthstaaten kompatibel ist. Da der Finanzbedarf der Hochschu­len wesentlich über die Erhebung von Studienge­bühren gedeckt wird, wertet man die akademi­sche Ausbildung auch als Produktionslinie, deren Profit von der Zahl der Studierenden abhängt. Das zwingt jede Universität, ihre Leistungen über Marketing und Public-Relations-Aktivitäten, aber auch in ganz entscheidendem Maße über die For­schungsergebnisse des wissenschaftlichen Perso­nals zu präsentieren. Die werbewirksam gestalteten Kataloge für das Studienjahr 1991/92 liegen bereits vor. Sie enthalten Kommentare zu den Stu­diengängen und stellen auch den Lehrkörper in seiner wissenschaftlichen Profilierung vor. Dabei werden die für britische Hochschulen charak­teristischen Formen der Zusammenarbeit von Stu­denten und Lehrkräften hervorgehoben, wie etwa Tutorials und Seminare, letztgenannte übrigens im allgemeinen mit nicht mehr als 10 Teilnehmern. Erwähnt werden sollte auch, daß überall ein Emp­fangsbüro vorzufinden ist, das umgehend den Kon­takt mit einem beliebigen Institut oder Hochschul­angehörigen vermitteln kann.

In allen Gesprächen nahmen die Fragen nach dem wissenschaftlichen Profil sowie der Struktur und Substanz der Lehrangebote an der Brandenburgi­schen Landeshochschule einen erheblichen Raum ein. Es wurde sehr deutlich, daß die Qualität der Auslandsbeziehungen der BLH unmittelbar mit ih­rem Ruf als Forschungsstätte zusammenhängt. Der Status einer Universität würde zudem das internatio­nale Ansehen beträchtlich heben. Internationale Kontakte werden auch von den Kollegen in Eng­land für unverzichtbar und profilfördernd erachtet. Die Aufnahme von ERASMUS-, DAAD- und anderen Projekten durch Fachbereiche der BLH sollte eine wichtige Aufgabe werden, um die Potsdamer Hochschule noch weiter attraktiv zu machen.

Prof. Dr. Hans Kaiser, Fachbereich Mathematik

Prof. Dr. Wolfgang Wicht, Fachbereich Angl./Amaer.