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Wir begaben uns auf den Weg nach Babelsberg (ehemalige Hochschule für Recht und Verwaltung) zu Herrn Doz. Dr. habil. R. Krämer, dem Koordinator des Studiengangs Politikwissenschaft, Er ist verantwortlich für die Fortsetzung des begonnenen und arbeitet am Neuaufbau des genannten Studienganges mit,
In der Senatssitzung am 1. Februar 1991 wurde von den Senatoren die Konzeption zur Gründung des FB Politikwissenschaft an der BLH bestätigt. Der Neuaufbau soll über einen von Herrn Enderlein zu berufenden Gründungsdekan und zu bildenden Gründungsausschuß realisiert werden. In diesem Ausschuß werden sowohl das zukünftige Ausbildungsals auch Personalprofil festgelegt. Eine konzeptionelle Vorlage wurde von Herrn Prof, Dr. GÖhler(FU) und anderen erarbeitet. Eine Kommission unter Vorsitz des Rektors legte ein Lehrangebot für das bevorstehende Sommersemester vor. Am 2. April wird auf dieser Grundlage begonnen zu arbeiten. Ca, 100 Studenten(davon annähernd 80% 1. Studienjahr) haben die Zusicherung der Landesregierung zur Fortsetzung des Studiums.
Der Lehrkörper, bestehend aus 30 auf Honorarbasis arbeitenden Kollegen, ist zusammengesetzt jeweils zur Hälfte aus Wissenschaftlern der FU und der ehemaligen Hochschule. Auf diese”Durchmischung” wurde bei der Konzeption großen Wert gelegt. Unser Gesprächspartner brachte zum Ausdruck, daß der Ausbildungsansatz sehr solide sei und so auf große Resonanz seitens der Studenten stoße. Das zeigt sich u.a. auch darin, daß am Ende des$S ein Vordiplom abgelegt werden kann, das bundesweit anerkannt wird. Der Rektor sicherte zu, daß im Herbst Neuimmatrikulationen erfolgen werden. Während dieses, für uns und sicher auch für die Leser sehr informativen Gesprächs, ergaben sich für uns Fragen, die wir in den Raum stellen möchten. Warum werden die FB Politikwissenschaft und Sozialwissenschaften nicht zusammengelegt, um so inhaltliche Überschneidungen zu vermeiden? Ist der notwendigerweise entstehende*Konkurrenzkampf“ beider Fachbereiche im Interesse der Studenten wirklich sinnvoll? Wie soll auf Grund der bestehenden Verkehrsverbindungen der gegenseitige Besuch von Lehrveranstaltungen ermöglicht werden? Wir würden uns freuen, wenn wir Meinungsäußerungen zu den aufgeworfenen Fragen veröffentlichen könnten.
P.Görlich/Dr. B. Eckardt
Von der Bundeskonferenz der Hochschulfrauenbeauftragten
Am 4. und 5, Februar fand in Gießen die Bundeskonferenz der Hochschulfrauenbeauftragten statt, die vor allem die Wahl eines Sprecherinnengremiums und die Stellungnahme zum Hochschulsonderprogramm(Möllemann, Il) auf der Tagesordnung hatte. In der Bundeskongreßdebatte, in der das Möllemann-Papier generell begrüßt wurde, ist gleichzeitig ein Sonderprogramm Ill eingefordert worden, denn 1. ist das Programm Il noch vor dem Beitritt der neuen Bundesländer verabschiedet worden, und 2. enthält das Programm vor allem Lücken hinsichtlich der Förderung von Studentinnen und nichtwissenschaftlichen MitarbeiterInnen. Die Regierungschefs haben beschlossen, daß eine Arbeitsgruppe beauftragt wird, unverzüglich mit den Beratungen über notwendige Maßnahmen für die Hochschulen in Brandenburg, MecklenburgVorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu beginnen.
Für die Brandenburgische Landeshochschule ist die Benennung eines Vertrauensdozenten oder einer -dozentin jetzt notwendig, um zu den 4 Milliarden DM, die für Habilitationsförderung, Doktorandenförderung und für besondere Frauenförderung Vorgesehen sind, Zugang zu bekommen.
Nach der Unterzeichnung des Sonderprogramms hatte der damalige Bundesbildungsminister Möllemann geäußert, daß von diesem Programm 25 000 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler profitieren werden. Um profitieren zu können, muß man informiert sein. Deshalb schlagen wir ein Beratungszentrum vor, das an die Gleichstellungsstelle angebunden sein sollte und bei der Karriereplanung von Frauen und Männern helfen sollte,
Dr. M. Bircken 26.2.91
Nr.06/91
Vom 20. Januar bis 2. Februar hatten die geschäftsführenden Direktoren der Fachbereiche Mathematik und Anglistik und Amerikanistik Gelegenheit, Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Universitäten im United Kingdom zu prüfen. Besucht wurden: University College London, University of Essex(Colchester), University of Edinburgh, Lancaster University, University of Leeds, University of Warwick(Coventry), University of Sussex(Brighton) und Hatfield Polytechnic. Die Reise wurde vom British Couneil finanziert und von Frau Elizabeth Davey vorzüglich organisiert. Ihr und dem Leiter des British Council Office in Berlin, Mr. lain Frater, sei herzlicher Dank bekundet.
An den einzelnen Universitäten konnten eine Vielzahl von Kontakten geknüpft werden, die es gilt, weiter auszubauen und zu konkretisieren. Die besprochenen Felder gemeinsamer Interessen sind sehr unterschiedlich und abhängig von den Möglichkeiten und Schwerpunkten der Einrichtungen. Sie reichen vom vereinbarten Publikationsaustausch über wissenschaftliche Korrespondenzvorhaben und gegenseitige Gutachten bis zum Lehrkräfteaustausch und zu Kooperationsplänen in der Forschung.
An zwei Universitäten wurde eventueller Bedarf an Deutschkursen signalisiert, Allerdings konnte das Anliegen, möglichst viele Studienplätze für Potsdamer Studenten zu erschließen, nur in geringerem Umfang erreicht werden. Die Ursache dafür ist vor allem, daß in England grundsätzlich nicht unbeträchtliche Studiengebühren zu entrichten sind, so daß ein Teilstudium immer direkte Austauschvereinbarungen voraussetzt. Diese sind wegen der Studienstruktur und der relativ geringen Zahl von Germanistikstudenten aber eine Rarität. Überhaupt spielen Finanzierungsfragen und Drittmittelgewinnung an den britischen Universitäten eine dominante Rolle. Geld regiert in den akademischen Verhältnissen. Vor allem im Personalbereich wird um die Erhaltung oder auch bescheidene Vermehrung der Stellen hart gekämpft.
Die Ausstattung der Institute und der Universitäten als Ganzes ist beeindruckend. Die neueren Universitäten befinden sich durchweg auf einem attraktiven Campus, oft etwas außerhalb der Städte.(Die Golm-Entfernung ist also nach englischen Maßstäben nichts Ungewöhnliches). Die architektonische Gestaltung vor allem der University of Sussex verbindet ästhetische Schönheit mit funktionaler Zweckmäßigkeit. Neben umfangreichen Bibliotheken, sehr gut ausgestatteten Labors und anderen Ausbildungsräumen gibt es überall große Buchhandlungen, Einkaufsmöglichkeiten, Cafeterias, Gemeinschaftsräume zum Diskutieren, Kulturstätten (mit teilweise hochkarätigen Kulturangeboten) und Sportanlagen. Die Ausrüstung mit Computern, auch im Dienstleistungsbereich- vor allem in den
Foto: Eckardt
KONTAKTBESUCHE AN BRITISCHEN UNIVERSITÄTEN
Bibliotheken, ist hervorragend. In den Studentenheimen wohnen die Studenten grundsätzlich in Einzeizimmern mit guter sanitärer Umgebung. Die Miete beläuft sich freilich auf durchschnittlich etwa 25 Pfund die Woche(also ungefähr 300 DM im Monat).
Die Leser der"Hochschulnachrichten” mag noch interessieren, daß bis zum Bachelor-Degree an britischen Universitäten in einem straff geführten 3Jahres-Kurs mit vielen Wahlmöglichkeiten studiert wird, Voraussetzung für dieses System ist eine konsequente Modularisierung des Lehrveranstaltungsangebots, die offenbar auch mit den Studiengängen vieler Commonwealthstaaten kompatibel ist. Da der Finanzbedarf der Hochschulen wesentlich über die Erhebung von Studiengebühren gedeckt wird, wertet man die akademische Ausbildung auch als Produktionslinie, deren “Profit” von der Zahl der Studierenden abhängt. Das zwingt jede Universität, ihre Leistungen über Marketing und Public-Relations-Aktivitäten, aber auch in ganz entscheidendem Maße über die Forschungsergebnisse des wissenschaftlichen Personals zu präsentieren. Die werbewirksam gestalteten Kataloge für das Studienjahr 1991/92 liegen bereits vor. Sie enthalten Kommentare zu den Studiengängen und stellen auch den Lehrkörper in seiner wissenschaftlichen Profilierung vor. Dabei werden die für britische Hochschulen charakteristischen Formen der Zusammenarbeit von Studenten und Lehrkräften hervorgehoben, wie etwa Tutorials und Seminare, letztgenannte übrigens im allgemeinen mit nicht mehr als 10 Teilnehmern. Erwähnt werden sollte auch, daß überall ein Empfangsbüro vorzufinden ist, das umgehend den Kontakt mit einem beliebigen Institut oder Hochschulangehörigen vermitteln kann.
In allen Gesprächen nahmen die Fragen nach dem wissenschaftlichen Profil sowie der Struktur und Substanz der Lehrangebote an der Brandenburgischen Landeshochschule einen erheblichen Raum ein. Es wurde sehr deutlich, daß die Qualität der Auslandsbeziehungen der BLH unmittelbar mit ihrem Ruf als Forschungsstätte zusammenhängt. Der Status einer Universität würde zudem das internationale Ansehen beträchtlich heben. Internationale Kontakte werden auch von den Kollegen in England für unverzichtbar und profilfördernd erachtet. Die Aufnahme von ERASMUS-, DAAD- und anderen Projekten durch Fachbereiche der BLH sollte eine wichtige Aufgabe werden, um die Potsdamer Hochschule noch weiter attraktiv zu machen.
Prof. Dr. Hans Kaiser, Fachbereich Mathematik
Prof. Dr. Wolfgang Wicht, Fachbereich Angl./Amaer.