Heft 
(1.1.2019) 07
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Am 15. März 1991 wurde Prof, Dr. Gerhard Jung­hähnel, Ordentlicher Professor für Experimen­talphysik und langjähriger ehemaliger Rektor unse­rer Hochschule, 65 Jahre alt, In einer Laudatio wür­digte Magnifizenz Prof, Dr. Mitzner bei einem Ehren­kolloquium das fast 27jährige Wirken des Jubilars an unserer Hochschule und übermittelte ihm, auch im Namen der Mitarbeiter und Studenten, Dank und herzliche Glückwünsche.

Prof. Junghähnels Entwicklung ist ein typisches Bei­spiel für seine Generation. 1945 aus der Kriegsge­fangenschaft zurückgekehrt, arbeitete er zunächst bei der Eisenbahn, besuchte einen Neulehrerkurs, erwarb an der ABF in Jena 1948 die Hochschulreife und nach einem erfolgreichen Physikstudium dort auch sein Diplom. 1955 promovierte er in Jena und erhielt.ein Jahr später eine Wahrnehmungsprofes­sur mit Lehrauftrag an der Hochschule für Maschi­nenbau in Karl-Marx-Stadt, der heutigen TU Chem­nitz. Nach seiner Habilitation 1962, wiederum in Jena, erhielt er eine Professur mit vollem Lehrauf­trag und 1964 einen Lehrstuhl für Physik, zunächst an der Maschinenbau-Hochschule und wenig spä­ter an der PH Potsdam. Hier wirkte er von 1965 bis zum Jahre 1973 erfolgreich als Rektor,

Dank seiner Initiative kam es 1965 zur Gründung einer Forschungsgemeinschaft Organische Fest­körper, an der mehrere auswärtige Forschungs­gruppen beteiligt waren. Wurden anfangs opfti­sche und thermodynamische Eigenschaften von charge-transfer-Komplexen untersucht, wandte sich Prof, Junghähnel Ende der 70er Jahre der Bear­beitung von Energieübertragungsprozessen zu.

Nr.07/91

Insgesamt haben in seinem Bereich fünf Promo­venden die Dissertation B und 16 die Dissertation A verteidigt. Als langjähriger Vorsitzender der Zentra­len Fachkommission Physik beim damaligen Mini­sterium für Volksbildung hat er maßgeblich die hochschulmethodische Gestaltung der Physikleh­rerausbildung beeinflußt sowie als Autor und Her­ausgeber eine speziell für Physiklehrer bestimmte Lehrbuchreihe mitgestaltet, Unbestritten und ver­dienstvoll ist auch seine Initiative beim Bau des Albert-Einstein-Hauses, mit dem die Lehr- und For­schungsbedingungen seiner Fachrichtung wesent­lich verbessert werden konnten.

Ein weiterer Fixpunkt im Leben des Physikers war und ist der Sport. Bereits 1949 nahm er an den Studentenweltmeisterschaften in Budapest teil. 1950 konnte er im Weitsprung den Titel eines DDR­Studentenmeisters erringen und ein Jahr später den eines Landesmeisters von Thüringen.

Damit hat er gezeigt, daß gleichzeitig hohe Leistun­gen im Sport, Studium und Beruf möglich sind, denn bis vor kurzem errang er noch mehrfach den DDR­Meistertitel seiner Altersklasse im Weitsprung und leichtathletischen Dreikampf.

Als erster Redner des Ehrenkolloquiums sprach Prof, Dr. Hörz, Wissenschaftsphilosoph und Vizepräsident der ehemaligen AdW der DDR, zu vergleichenden Aspekten zwischen Physik und Philosophie unter Bezug auf zeitgeschichtliche Ereignisse. Den zwei­ten Festvortrag, gewissermaßen als Reverenz an den Präsidenten des Landessportbundes Branden­burg Junghähnel gedacht, hielt der Direktor der Führungs- und Verwaltungsakademie Berlin des

Foto: Tribukelt

Deutschen Sportbundes, Herr Dr. Preising, zur Ent­wicklung des Sportes in Deutschland,

Dem Jubilar, der über sich sagte, daß seine nun­mehr erreichte Lebenssituation kein Ende, sondern ein neuer Anfang auf anderem Tätigkeitsfeld dar­stelle, sei für kommende Aufgaben Gesundheit, Schaffenskraft und persönliches Wohlergehen ge­wünscht.

Dr. Rammelt