Heft 
(1.1.2019) 07
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Integrationsschulen- Viele kamen

.., UM sich zu informieren, zu streiten, Meinungen und Standpunkte zu äußern und zu hören(überwie­gend Frauen?!).

Die Rede ist von der am 12. März stattgefundenen Informationsveranstaltung*Gemeinsamer Schul­besuch von Behinderten und Nichtbehinderten Aus Gesprächen mit Lehrern und Eltern weiß. ich, daß dieses Thema heiß umstritten ist, Auch bei uns gilt es, Vorurteile abzubauen, Unwissenheit zu be­seitigen. Wie oft erlebt man im täglichen Leben Unsicherheit, Arroganz, Mitleid, Kränkungen... beim Umgang mit Behinderten. Daß dieser Abend ganz ohne Zweifel einen wichtigen Beitrag dazu geleistet hat, Annäherung zu erreichen und Berührungsäng­ste zu verkleinern, ist nach meiner Auffassung we­sentlich dem kompetenten Auftreten von Frau Prof, Dr. Jutta Schöler(Hochschullehrerin für Erziehungs­und Unterrichtswissenschaft an der Technischen Universität Berlin) zu danken. Sie beschäftigt sich schon viele Jahre mit der Einzelintegration behin­derter Kinder und Jugendlicher. Studien dazu be­trieb sie u.a. In Italien.

Diejenigen, die jahrelange Erfahrungen mit der ge­meinsamen Erziehung von behinderten und nicht­behinderten Kindern in verschiedenen Bildungs­einrichtungen(Kinderkrippe, Kindergarten, Kinder­tagesstätte, Schule) haben, bestätigten bei dieser Veranstaltung, daß es möglich und unabdingbar ist, wenn wirklich die Interessen a II r Kinder im Mittelpunkt stehen, Integrationsschulen einzurich­ten. Nicht nur die behinderten Kinder profitieren von einer derartigen Einrichtung. Vorbild dafür sind solche Länder wie die USA, Australien, Kanada und die skandinavischen Länder, wo es z.T. einklagba­res Recht ist, behinderte Kinder innormalen Schu­len unterrichten zu lassen. Frau Prof, Schöler beton­te, daß der Nachholebedarf auf diesem Gebiet in den neuen im Vergleich zu den alten Bundeslän­dern relativ gering sei, da auch in den sogenann­

ten Altbundesländern in den letzten zehn Jahren diesbezüglich keine großen Erfolge zu verzeichnen seien.

Im Land Brandenburg gibt es bisher drei Inte­grationsschulen, in Potsdam(Schule 22), in Teltow und in Brandenburg.

Nachfolgend aufgeführte Fragen sind einige der auch an diesem Abend gestellten zum Problem­kreis*Integrationsschule:

Wird im Unterricht in Integrationsschulen genug ge­lernt, genug Leistung gefordert und erbracht? Kann die Integration von Klasse 1 bis 10(und darü­ber hinaus) gewährleistet werden? Können auch schwerstbehinderte Kinder und Jugendliche inte­griert werden?

Nach welchen Kriterien erfolgt die Zuweisung zur Integrationsschule?

Wann sollte mit der Integration begonnen werden? Diese und viele andere Fragen müssen im Interesse der Kinder schnell und unbürokratisch auch im Land Brandenburg geklärt werden,

Hier wie auf allen anderen Gebieten ist Eigen­Initiative gefragt. Verschwiegen werden kann in diesem Zusammenhang nicht, daß die Ausführun­gen der anwesenden Vertreterin des Potsdamer Ministeriums nur teilweise die Zustimmung der An­wesenden finden konnten.

Auch von unserer Hochschule waren für die*Be­troffenen sachkundige und gesprächsbereite Kol­legen zugegen, so Frau Dr. Bürger, Frau Dr. Mickler und Frau Krell,

Zum Schluß noch einige Hinweise und Informa­tionen:

= Die Direktorin der Schule 22(Tel. 92483), Frau Promnitz, gab die Anregung zur Bildung eines zentralen Arbeitskreises, an dem sich jeder be­teiligen kann. Erster Treffpunkt ist am 4.April, 19.00 Uhr im Gebäude der Primarstufe,

DÜlCILING). At

Lied aus der großen Grips-Parade

Manche von uns fahren Rollstuhl, manche von uns gehn auf Krücken, manche haben steife Hände,

Manche einen krummen Rücken. Manche gucken komisch,

oder schlucken komisch,

oder zucken ganz komisch.

Manche hinken komisch,

oder winken komisch,

oder reden, oder essen, oder trinken komisch. Manche von uns wirken fröhlich, Manche andere sehr sehr ernst.

Doch du wirst nichts dabei finden, wenn du uns erst kennenlernst. Manchen zittern Glieder,

manche lachen schrecklich laut.

Doch lernst du uns erst mal kennen, sind wir dir sehr schnell vertraut,

Wie ein Baum an Blättern reich ist,

und kein Baum dem anderen gleich ist, sind wir. hunderte Millionen ganz verschiedene Menschen

wie du!

(Die große Grips-Parade 3, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin)

= In der Wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek Potsdam existiert ein Fachgebiet Integration. Entsprechende Literatur ist ausleihbar.

- Unter dem Motto"Gemeinsam leben- gemein­sam lernen- gemeinsam arbeiten. Initiativen zur Integration bzw. Nicht-Aussonderung von Kin­dern und Jugendlichen mit Behinderung in Ber­lin veranstalten die TU-Berlin, Arbeitsstelle"Inte­grative Förderung schulschwacher/behinder­ter Kinder und Jugendlicher und das Haus am Rupenhorn, Sozialpädagogische Fortbildungs­stätte gemeinsam die 11. INTEGRATIONS- INFO - BORSE.

WO? Am Rupenhorn 5, 1000 Berlin 19 WANN? 30. Mai 1991, 17.00 Uhr

- Die Landesarbeitsgemeinschaft*Eltern für Inte­gration e.V.(Albrecht-Achilles-Str. 65, 1000 Ber­lin 31, Tel. 8919396) wurde im Mai 1984 gegrün­det, um das gemeinsame Leben und die ge­meinsame Erziehung von behinderten und nichtbehinderten Menschen zu fördern.

- Seit 1980 besteht an der TU Berlin der Fach­bereich 22(Erziehungs- und Unterrichtswis­senschaften), ArbeitsstelleIntegrative Förde­rung schulschwacher/behinderter Kinder und Jugendlicher. Die Arbeitsstelle ist Informations­ort, Kontaktstelle,

Bei Vorbehalten gegenüber dem angesproche­nen Problemkreis sollte man an die Worte von Frau Prof. Schöler denken:*Kein Erwachsener, kein The­rapeut kann für den Behinderten die anderen Kin­der ersetzen.

Dr. Barbara Eckardt

Nr.07/91