Integrationsschulen- Viele kamen
„.., UM sich zu informieren, zu streiten, Meinungen und Standpunkte zu äußern und zu hören(überwiegend Frauen?!).
Die Rede ist von der am 12. März stattgefundenen Informationsveranstaltung*Gemeinsamer Schulbesuch von Behinderten und Nichtbehinderten” Aus Gesprächen mit Lehrern und Eltern weiß. ich, daß dieses Thema heiß umstritten ist, Auch bei uns gilt es, Vorurteile abzubauen, Unwissenheit zu beseitigen. Wie oft erlebt man im täglichen Leben Unsicherheit, Arroganz, Mitleid, Kränkungen... beim Umgang mit Behinderten. Daß dieser Abend ganz ohne Zweifel einen wichtigen Beitrag dazu geleistet hat, Annäherung zu erreichen und Berührungsängste zu verkleinern, ist nach meiner Auffassung wesentlich dem kompetenten Auftreten von Frau Prof, Dr. Jutta Schöler(Hochschullehrerin für Erziehungsund Unterrichtswissenschaft an der Technischen Universität Berlin) zu danken. Sie beschäftigt sich schon viele Jahre mit der Einzelintegration behinderter Kinder und Jugendlicher. Studien dazu betrieb sie u.a. In Italien.
Diejenigen, die jahrelange Erfahrungen mit der gemeinsamen Erziehung von behinderten und nichtbehinderten Kindern in verschiedenen Bildungseinrichtungen(Kinderkrippe, Kindergarten, Kindertagesstätte, Schule) haben, bestätigten bei dieser Veranstaltung, daß es möglich und unabdingbar ist, wenn wirklich die Interessen a II€ r Kinder im Mittelpunkt stehen, Integrationsschulen einzurichten. Nicht nur die behinderten Kinder profitieren von einer derartigen Einrichtung. Vorbild dafür sind solche Länder wie die USA, Australien, Kanada und die skandinavischen Länder, wo es z.T. einklagbares Recht ist, behinderte Kinder in”normalen” Schulen unterrichten zu lassen. Frau Prof, Schöler betonte, daß der Nachholebedarf auf diesem Gebiet in den neuen im Vergleich zu den alten Bundesländern relativ gering sei, da auch in den sogenann
ten Altbundesländern in den letzten zehn Jahren diesbezüglich keine großen Erfolge zu verzeichnen seien.
Im Land Brandenburg gibt es bisher drei Integrationsschulen, in Potsdam(Schule 22), in Teltow und in Brandenburg.
Nachfolgend aufgeführte Fragen sind einige der auch an diesem Abend gestellten zum Problemkreis*Integrationsschule”:
Wird im Unterricht in Integrationsschulen genug gelernt, genug Leistung gefordert und erbracht? Kann die Integration von Klasse 1 bis 10(und darüber hinaus) gewährleistet werden? Können auch schwerstbehinderte Kinder und Jugendliche integriert werden?
Nach welchen Kriterien erfolgt die Zuweisung zur Integrationsschule?
Wann sollte mit der Integration begonnen werden? Diese und viele andere Fragen müssen im Interesse der Kinder schnell und unbürokratisch auch im Land Brandenburg geklärt werden,
Hier wie auf allen anderen Gebieten ist EigenInitiative gefragt. Verschwiegen werden kann in diesem Zusammenhang nicht, daß die Ausführungen der anwesenden Vertreterin des Potsdamer Ministeriums nur teilweise die Zustimmung der Anwesenden finden konnten.
Auch von unserer Hochschule waren für die*Betroffenen” sachkundige und gesprächsbereite Kollegen zugegen, so Frau Dr. Bürger, Frau Dr. Mickler und Frau Krell,
Zum Schluß noch einige Hinweise und Informationen:
= Die Direktorin der Schule 22(Tel. 92483), Frau Promnitz, gab die Anregung zur Bildung eines zentralen Arbeitskreises, an dem sich jeder beteiligen kann. Erster Treffpunkt ist am 4.April, 19.00 Uhr im Gebäude der Primarstufe,
DÜlCILING). At———————
Lied aus der großen Grips-Parade
Manche von uns fahren Rollstuhl, manche von uns gehn auf Krücken, manche haben steife Hände,
Manche einen krummen Rücken. Manche gucken komisch,
oder schlucken komisch,
oder zucken ganz komisch.
Manche hinken komisch,
oder winken komisch,
oder reden, oder essen, oder trinken komisch. Manche von uns wirken fröhlich, Manche andere sehr sehr ernst.
Doch du wirst nichts dabei finden, wenn du uns erst kennenlernst. Manchen zittern Glieder,
manche lachen schrecklich laut.
Doch lernst du uns erst mal kennen, sind wir dir sehr schnell vertraut,
Wie ein Baum an Blättern reich ist,
und kein Baum dem anderen gleich ist, sind wir. hunderte Millionen ganz verschiedene Menschen
wie du!
(Die große Grips-Parade 3, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin)
= In der Wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek Potsdam existiert ein Fachgebiet Integration. Entsprechende Literatur ist ausleihbar.
- Unter dem Motto"Gemeinsam leben- gemeinsam lernen- gemeinsam arbeiten. Initiativen zur Integration bzw. Nicht-Aussonderung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung in Berlin” veranstalten die TU-Berlin, Arbeitsstelle"Integrative Förderung schulschwacher/behinderter Kinder und Jugendlicher” und das Haus am Rupenhorn, Sozialpädagogische Fortbildungsstätte gemeinsam die 11. INTEGRATIONS- INFO - BORSE.
WO? Am Rupenhorn 5, 1000 Berlin 19 WANN? 30. Mai 1991, 17.00 Uhr
- Die Landesarbeitsgemeinschaft*Eltern für Integration e.V.”(Albrecht-Achilles-Str. 65, 1000 Berlin 31, Tel. 8919396) wurde im Mai 1984 gegründet, um das gemeinsame Leben und die gemeinsame Erziehung von behinderten und nichtbehinderten Menschen zu fördern.
—- Seit 1980 besteht an der TU Berlin der Fachbereich 22(Erziehungs- und Unterrichtswissenschaften), Arbeitsstelle“Integrative Förderung schulschwacher/behinderter Kinder und Jugendlicher”. Die Arbeitsstelle ist Informationsort, Kontaktstelle,
Bei Vorbehalten gegenüber dem angesprochenen Problemkreis sollte man an die Worte von Frau Prof. Schöler denken:*Kein Erwachsener, kein Therapeut kann für den Behinderten die anderen Kinder ersetzen.”
Dr. Barbara Eckardt
Nr.07/91